Teamgeschichten5 Minuten Lesezeit
Dreißig Spezialisten für einen Song
Für sieben Songs holten sich zwei Musiker dreißig der besten Spezialisten Amerikas ins Studio – und ließen niemanden gehen, bevor es wirklich saß.
1977 veröffentlichten Walter Becker und Donald Fagen unter dem Namen Steely Dan das Album „Aja“. Bemerkenswert ist nicht nur die Musik selbst, sondern wie sie entstand: nicht mit einer festen Band, sondern mit einem wechselnden Team aus rund dreißig der gefragtesten Studiomusiker ihrer Zeit – jeder von ihnen ein Spezialist, jeder genau für die Stelle gebucht, an der er am besten passte.
Steckbrief
- Album
- „Aja“, Steely Dan, 1977
- Beteiligte
- rund 30 Studiomusiker, 7 Songs
- Anspruch
- „jeder Takt soll gut sein“ – Donald Fagen
- Besonderheit
- Schlagzeugsolo im ersten Take (Steve Gadd)
„Wir wollten, dass jeder einzelne Takt gut ist.“
In diesem Artikel
- 01Keine feste Band, sondern ein Kader an Spezialisten
- 02„Jeder Takt soll gut sein“
- 03Der erste Take, der genau richtig saß
- 04Was daraus wurde
- 05Häufig gefragt
01Keine feste Band, sondern ein Kader an Spezialisten
Anders als die meisten Bands ihrer Zeit arbeiteten Walter Becker und Donald Fagen bei „Aja“ nicht mit einer festen Stammbesetzung. Stattdessen stellten sie für jeden der sieben Songs des Albums ein eigenes Team aus Studiomusikern zusammen – insgesamt rund dreißig verschiedene Beteiligte, darunter die Schlagzeuger Bernard Purdie, Rick Marotta und Steve Gadd, die Gitarristen Larry Carlton, Dean Parks und Jay Graydon sowie der britische Jazzpianist Victor Feldman, den beide sehr bewunderten.
Durchgehend dabei war eigentlich nur ein Musiker: Bassist Chuck Rainey spielte auf fast jedem Song – mit einer einzigen Ausnahme, bei der Becker selbst zum Bass griff. Für jede andere Position wählten die beiden gezielt aus, wer für genau diesen einen Song am besten passte, statt sich mit einer festen Band auf einen einzigen Klang festzulegen.
02„Jeder Takt soll gut sein“
Diesen Aufwand betrieben Becker und Fagen aus einem einfachen Grund: kompromissloser Anspruch an das Ergebnis. Fagen brachte die Haltung später mit einem einzigen Satz auf den Punkt: „Wir wollten, dass jeder einzelne Takt gut ist.“ In der Praxis bedeutete das, denselben Song mehrfach mit unterschiedlichen Besetzungen aufzunehmen, bis Timing, Klangfarbe und Zusammenspiel exakt stimmten.
Der Gitarrist Dean Parks, selbst Teil des Aufnahme-Teams, beschrieb die Arbeitsweise der beiden als etwas, das „über Perfektion hinausging“ – ein Kommentar, der zugleich die Schwierigkeit und den Ehrgeiz hinter dem Projekt einfängt. Wer für „Aja“ gebucht wurde, wusste: Gut genug reicht nicht, wenn es noch besser geht.
Nebenbei bemerkt
Zwei Studios, eine gemeinsame Vision
Aufgenommen wurde in mehreren Studios in Los Angeles und New York, gemischt hat Toningenieur Elliot Scheiner den Großteil des Albums in den A&R Studios. Trotz wechselnder Orte und wechselnder Besetzungen blieb der Klang des Albums über alle sieben Songs hinweg bemerkenswert einheitlich – ein Beleg dafür, wie klar Becker und Fagen ihre Vision im Kopf hatten.
03Der erste Take, der genau richtig saß
Bei aller Kontrolle und allem Perfektionismus gibt es eine Ausnahme, die bis heute gerne erzählt wird: das Schlagzeugsolo im Titelstück „Aja“, gespielt von Steve Gadd. Berichten von Beteiligten zufolge war genau dieser Take – jener, der schließlich auf dem fertigen Album landete – Gadds allererster Versuch. Kein zweiter Anlauf, keine Korrektur, einfach ein Moment, in dem alles sofort zusammenpasste.
Gerade weil der Rest der Produktion so aufwendig und wiederholungsintensiv war, wirkt dieser eine spontane Take umso bemerkenswerter: Manchmal braucht es die ganze vorbereitete Struktur eines Teams aus Spezialisten – nur damit im richtigen Moment ein Einzelner ohne jedes Zögern genau das Richtige tun kann.
04Was daraus wurde
„Aja“ wurde zum kommerziell erfolgreichsten Album von Steely Dan und gilt bis heute als Referenzaufnahme für Klangqualität – 2010 wurde es in die National Recording Registry der Library of Congress aufgenommen, eine Auszeichnung für Aufnahmen von bleibender kultureller Bedeutung. Was auf den ersten Blick wie ein reines Ausstattungsmerkmal wirkt – dreißig Namen im Booklet – ist bei genauerem Hinsehen die eigentliche Erklärung für den Erfolg: ein Team aus einzeln herausragenden Spezialisten, zusammengeführt von zwei Köpfen mit einer gemeinsamen, unverrückbaren Vorstellung davon, wie das Ergebnis klingen sollte.
Genau das lässt sich auch auf Teams außerhalb eines Tonstudios übertragen: Die besten Ergebnisse entstehen selten durch eine einzelne Person, die alles allein macht, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Spezialisten – mit einer klaren gemeinsamen Vorstellung und der Bereitschaft, etwas so lange zu verfeinern, bis es wirklich stimmt.
05Häufig gefragt
Wie viele Musiker haben an Aja mitgewirkt?
Rund dreißig verschiedene Studiomusiker und Sängerinnen und Sänger, verteilt über die sieben Songs des Albums.
Warum wurden für einen Song mehrere Schlagzeuger nacheinander eingesetzt?
Weil Becker und Fagen für jeden Song genau die Klangfarbe und das Timing suchten, das am besten passte, statt sich auf eine feste Besetzung festzulegen.
Stimmt es, dass ein Schlagzeugsolo im ersten Take entstand?
Ja. Steve Gadds Schlagzeugsolo im Titelstück „Aja“ war Berichten zufolge sein erster Take.
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