Musik Ungestört – ungestört & analog Termin anfragen

Über den Klang5 Minuten Lesezeit

Eine Liebeserklärung an einen Klang

Der eine gibt mir den Boden unter den Füßen, der andere die Luft nach oben – und erst seit ich beide zusammengeschaltet habe, weiß ich, wonach ich eigentlich gesucht hatte.

Zwei Lautsprecherpaare, fünfzehn Jahre auseinander gebaut, aus derselben Firma. Ich sollte inzwischen wissen, welches ich lieber mag. Ich weiß es nicht – und genau das ist der Punkt.

Steckbrief

Baujahre
1981 und 1996
Meine zwei Paare
Canton Quinto 540 & Fonum 730 DC
Bauart
Geschlossen und Bassreflex, gemeinsam geschaltet

„Der eine gibt mir den Boden unter den Füßen, der andere die Luft nach oben – erst zusammen ist es der Klang, nach dem ich gesucht habe.“

Aus diesem Text

In diesem Artikel

  1. 01Zwei Paare, eine Anlage
  2. 02Die Quinto 540: der Boden, auf dem alles steht
  3. 03Die Fonum 730 DC: die Luft nach oben
  4. 04Der Moment, in dem beide zusammen spielen
  5. 05Warum das mehr ist als Technik

01Zwei Paare, eine Anlage

Ich sollte einen Favoriten haben. Wer über zehn Jahre lang zwei Lautsprecherpaare nebeneinander betreibt, muss doch irgendwann sagen können, welches besser ist. Ich kann es nicht, und ich habe aufgehört, es zu versuchen. Was ich stattdessen gelernt habe: Die Frage war die ganze Zeit falsch gestellt.

Die Canton Quinto 540 stammt von 1981, die Fonum 730 DC von 1996 – fünfzehn Jahre und, technisch gesehen, eine kleine Ewigkeit dazwischen. Beide habe ich gebraucht gekauft, wie ich es mit Lautsprechern immer gehalten habe, und irgendwann die Anlage umschaltbar gebaut, um herauszufinden, welches Paar zu welcher Musik passt. Am Ende liefen fast immer beide zusammen. Das ist keine Notlösung. Das ist, wie sich herausstellte, der eigentliche Klang.

02Die Quinto 540: der Boden, auf dem alles steht

Nahaufnahme der Canton Quinto 540: der große Tieftöner und darüber die beiden Kalotten.
Kein Bassreflexrohr, keine Öffnung, durch die Luft entweicht: die Quinto 540, geschlossen bis in den letzten Winkel.

Die Quinto 540 ist ein geschlossener Dreiweger mit einem 31 Zentimeter großen Tieftöner in einem vollständig abgedichteten Gehäuse. Kein Bassreflexrohr, keine Öffnung, durch die Luft entweicht. Das klingt nach einer technischen Fußnote, ist aber der ganze Unterschied: Ein geschlossenes Gehäuse bremst die Membran stärker ab, der Bass kommt kürzer und trockener, statt lang nachzuschwingen.

Man merkt das nicht an einer einzelnen Note. Man merkt es daran, dass ein Kontrabass nach der Note aufhört und nicht noch drei weitere Zehntelsekunden im Raum nachhängt. Bei der Quinto 540 endet ein Ton, wenn er enden soll. Das ist Kontrolle, kein Mangel – auch wenn es beim ersten Hören unspektakulär wirkt, weil nichts nachwabert, das man mit „viel Bass“ verwechseln könnte.

Nebenbei bemerkt

Woher der Name Canton kommt

Canton wurde 1972 gegründet, der Name ist eine Mischung aus dem lateinischen „cantare“ (singen) und dem deutschen „Ton“. In den Siebzigern und Achtzigern baute sich die Firma mit Regalboxen, dem Receiver Gamma 800R und den ersten Standlautsprechern der Ergo-Reihe einen Namen, bevor 1981 die Quinto-Serie kam.

03Die Fonum 730 DC: die Luft nach oben

Illustration zweier Lautsprechergehäuse: links geschlossen, rechts mit einer Öffnung, aus der Luft entweicht, im Flat-Icon-Stil der Seite.
Links dicht, rechts offen: Der ganze Unterschied zwischen den beiden Paaren ist ein Loch im Gehäuse.

Was mir bei der Quinto 540 trotzdem fehlte, war Klarheit. Ihr Klang ist dicht und warm, aber ich wollte mehr Dynamik und mehr Auflösung nach oben – einen Lautsprecher, der auch die leisen, feinen Details nicht schluckt. Gefunden habe ich das in der Fonum 730 DC von 1996: einer Standbox mit Bassreflex-Gehäuse und zwei 22 Zentimeter großen Tieftönern.

Die Öffnung im Gehäuse gibt dem Bass mehr Tiefe und Raum, die zwei Tieftöner mehr Pegel, ohne dass der Klang eng wird – dazu ein Mitteltöner und ein Kalottenhochtöner, die für genau die Klarheit sorgen, die mir bei der Quinto gefehlt hat. Wo die Quinto einen Ton beendet, lässt die Fonum ihn atmen. Beides ist richtig. Nur eben nicht gleichzeitig, wenn man nur ein Paar hat.

04Der Moment, in dem beide zusammen spielen

Die Canton Fonum 730 DC und die Canton Quinto 540 nebeneinander, im warmen Nahlicht.
Fünfzehn Baujahre auseinander, nebeneinander im selben Raum – und, geschaltet, ein einziger Klang.

Zusammen sind die Quinto 540 und die Fonum 730 DC der Klang, bei dem ich beim Hören glücklich werde: der trockene, kontrollierte Bass der einen und die Klarheit und Dynamik der anderen, die sich ergänzen, statt sich zu duplizieren. Mein persönlicher Soundhimmel, wenn man mir das Wort erlaubt.

Diese Tiefe kannte ich vorher nur von Konzerten – wenn der Bass nicht nur im Ohr, sondern im Brustkorb ankommt. Zusammen mit der Wärme ist das der Moment, in dem ich nicht mehr zuhöre, sondern einfach nur noch abtauche. Das ist der Satz, den ich am häufigsten sage, wenn jemand zum ersten Mal bei mir sitzt und nach den ersten zwei Minuten den Kopf schräg legt.

05Warum das mehr ist als Technik

Ich könnte das jetzt in Watt und Zentimetern zu Ende erzählen. Aber darum geht es mir nicht, wenn ich von diesen beiden Paaren spreche – sondern darum, dass ein Klang, der aus zwei unvollständigen Teilen entsteht, ehrlicher wirkt als einer, der von Anfang an alles allein können soll. Die Quinto kann keine Höhen wie die Fonum. Die Fonum kann keinen Bass wie die Quinto. Zusammen müssen sie einander nichts beweisen.

Wenn Sie einen Abend bei mir buchen, hören Sie kein Marketingversprechen von perfektem Klang aus einer einzigen Box. Sie hören zwei Lautsprecherpaare, die sich seit fünfzehn Baujahren Unterschied gefunden haben – und ein Album, das genau dafür gebaut wurde, ein ganzes Mal am Stück gehört zu werden.

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Ein ganzes Album, ungestört und analog, bei Ihnen vor Ort. ca. 120 Minuten, Festpreis, keine Vorbereitung.

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