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Zitate6 Minuten Lesezeit

Die krassesten Zitate aus der Musikgeschichte

Ein einziger Satz, in eine laufende Kamera oder einen Interviewblock gesprochen – und danach ist nichts mehr, wie es vorher war.

Manche Sätze überleben ihren Anlass um Jahrzehnte. Die folgenden fünf haben jeweils etwas ausgelöst: eine Kontroverse, einen Bandbruch, einen jahrelangen Rechtsstreit. Ausgewählt sind nur Zitate, die sich mit Quelle und Datum belegen lassen – keine Anekdoten aus dritter Hand.

Steckbrief

Zeitraum
1966 bis 2019
Zitate
5, alle mit Quelle
Folgen
Kontroversen, Bandbrüche, ein Rechtsstreit

„If you don't own your masters, your master owns you.“

Prince über seinen Streit mit Warner Bros.

In diesem Artikel

  1. 01John Lennon: „Wir sind populärer als Jesus“
  2. 02Johnny Rotten: „Ever get the feeling you've been cheated?“
  3. 03Sinéad O'Connor: „Fight the real enemy“
  4. 04Prince: „Slave“ auf der Wange
  5. 05Noel & Liam Gallagher: eine Gabel in einer Welt aus Suppe

01John Lennon: „Wir sind populärer als Jesus“

Illustration einer Sprechblase mit Ausrufezeichen vor einem Mikrofon, im Flat-Icon-Stil der Seite.
Ein Satz aus einem britischen Zeitungsinterview, der Monate später auf der anderen Seite des Atlantiks explodierte.

Am 4. März 1966 erschien im Londoner Evening Standard ein langes Porträt über John Lennon, geschrieben von der Journalistin Maureen Cleave. Darin sagte Lennon, beiläufig und im Gespräch über seine Bibel-Lektüre: „Christianity will go. It will vanish and shrink. […] We're more popular than Jesus now; I don't know which will go first – rock 'n' roll or Christianity.“ Er schob nach: „Jesus was all right but his disciples were thick and ordinary. It's them twisting it that ruins it for me.“

In Großbritannien sorgte der Satz für keinerlei Aufregung – das Interview lief unkommentiert durch. Erst als das US-Magazin Datebook das Zitat im Sommer desselben Jahres, aus dem Zusammenhang gelöst, auf seiner Titelseite abdruckte, kippte die Stimmung: Radiosender in den Südstaaten der USA riefen zu Plattenverbrennungen auf, der Ku-Klux-Klan protestierte vor Konzerten, und die Beatles mussten ihre bevorstehende US-Tournee mit einer improvisierten Entschuldigung retten.

02Johnny Rotten: „Ever get the feeling you've been cheated?“

Am 14. Januar 1978 spielten die Sex Pistols im Winterland Ballroom in San Francisco, was sich im Nachhinein als letzter Auftritt der Originalbesetzung herausstellte. Sänger Johnny Rotten (bürgerlich John Lydon) wirkte den ganzen Abend zunehmend angewidert von der eigenen Tour, die er später als von Manager Malcolm McLaren orchestrierten Zirkus beschrieb. Nach dem letzten Song blieb er kurz stehen, blickte ins Publikum und fragte nur: „Ever get the feeling you've been cheated?“ – dann verließ er die Bühne.

In seiner Autobiografie erklärte Lydon später, warum: „I felt cheated, and I wasn't going on with it any longer. It was a ridiculous farce.“ Die Band spielte zwar noch eine Zugabe, ein verzerrtes „No Fun“, doch praktisch war das der Schlusspunkt: Lydon verließ die USA, ohne je wieder mit dieser Besetzung der Sex Pistols aufzutreten.

Nebenbei bemerkt

Ein Satz, der zum Albumtitel wurde

Der Mitschnitt des Winterland-Konzerts erschien Jahrzehnte später offiziell unter dem Titel Ever Get the Feeling You've Been Cheated? – Rottens letzter Satz auf der Bühne wurde so selbst zum Namen des Dokuments seines eigenen Abgangs.

03Sinéad O'Connor: „Fight the real enemy“

Am 3. Oktober 1992 sang Sinéad O'Connor in der US-Sendung Saturday Night Live a cappella eine umgetextete Version von Bob Marleys „War“, in der sie die Textzeilen auf sexuellen Missbrauch durch die katholische Kirche ummünzte. Am Ende des Lieds hielt sie ein Foto von Papst Johannes Paul II. in die Kamera, zerriss es in Stücke und sagte dabei nur einen Satz: „Fight the real enemy.“

Die Produktion war darauf nicht vorbereitet: Bei der Generalprobe hatte O'Connor noch ein anderes Foto gezeigt, Regisseur Lorne Michaels ließ das Applaus-Schild bewusst dunkel lassen, im Studio blieb es still. NBC erhielt in der Folge über 4.400 Anrufe, zwei Wochen später wurde O'Connor bei einem Bob-Dylan-Tribute-Konzert ausgebuht, und ihre Karriere in den USA erlitt einen Einbruch, von dem sie sich lange nicht mehr erholte – obwohl sich die öffentliche Wahrnehmung Jahrzehnte später, im Licht der belegten Missbrauchsskandale der katholischen Kirche, deutlich zu ihren Gunsten verschob.

04Prince: „Slave“ auf der Wange

Mitte der Neunziger lag Prince im Streit mit seinem Label Warner Bros. – unter anderem darüber, welcher Song als erste Single seines Albums 1992 erscheinen sollte, wie oft er neue Musik veröffentlichen durfte und wem die Meisterbänder seiner Aufnahmen eigentlich gehörten. 1993 änderte er seinen Künstlernamen demonstrativ in ein unaussprechliches Symbol und trat kurz darauf mit dem Wort „SLAVE“ auf die Wange geschrieben in die Öffentlichkeit.

Seine Begründung ließ wenig Interpretationsspielraum: „People think I'm a crazy fool for writing 'slave' on my face. But if I can't do what I want to do, what am I?“ Und weiter: „When you stop a man from dreaming, he becomes a slave. That's where I was. I don't own Prince's music. If you don't own your masters, your master owns you.“ Der Streit dauerte bis 1996, ehe Prince sich aus dem Vertrag mit Warner löste – erst im Jahr 2000 nahm er seinen eigenen Namen wieder an.

05Noel & Liam Gallagher: eine Gabel in einer Welt aus Suppe

Kein Eintrag in dieser Liste ist so gut dokumentiert wie die jahrzehntelange verbale Fehde der Oasis-Brüder Noel und Liam Gallagher. Ihr vielleicht bekanntester Schlagabtausch stammt aus einem Interview mit dem Q Magazine im Jahr 2009: Noel beschrieb seinen Bruder als „a man with a fork in a world of soup“ – woraufhin Liam öffentlichkeitswirksam ein Video von sich veröffentlichte, in dem er Suppe mit einer Gabel isst.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern: Noel nannte Liam nach einem Glastonbury-Auftritt 2019 „a fat man in an anorak“, dessen Solo-Musik sei „for unsophisticated people, made by an unsophisticated man“. Liam wiederum bezeichnete Noels aufwendig produzierte Solokonzerte als Auftritte eines Mannes, der „needs to have a big long lie down“, und postete jahrelang Fotos mit der einzigen Bildunterschrift „Potato“. Anders als bei den übrigen Beispielen dieser Liste ist hier niemand ernsthaft zu Schaden gekommen – nur eine Band, die sich 2009 endgültig trennte, nachdem Liam laut eigener Aussage die Schuld dafür allein bei Noel sah: „He did me out, mate, he threw me under the fucking bus.“

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