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Künstlerporträt

Mike Oldfield

Ein schüchterner Neunzehnjähriger, der fast alle Instrumente selbst spielte und mit einem einzigen Album eine Plattenfirma gründen half.

Mike Oldfield ist kein Sänger und kein Bandmusiker, sondern ein Tüftler, der Musik Schicht um Schicht auf Tonband zusammensetzt. Sein Debüt Tubular Bells besteht aus zwei langen Instrumentalstücken, in denen sich einfache Motive langsam zu etwas Großem aufbauen. Es wurde zur ersten Veröffentlichung von Virgin Records und zu einem der erfolgreichsten Instrumentalalben überhaupt. Später schrieb Oldfield auch Popsongs wie „Moonlight Shadow“, blieb aber vor allem der Komponist langer, ruhiger Klanglandschaften.

In diesem Porträt

  1. 01Reading 1953–1970
  2. 02Lehrjahre 1970–1972
  3. 03Tubular Bells 1972–1973
  4. 04Hergest Ridge und Ommadawn 1974–1979
  5. 05Moonlight Shadow 1980–1991
  6. 06Späte Jahre 1992–heute

1953–1970

01 Reading

Michael Gordon Oldfield wurde am 15. Mai 1953 in Reading westlich von London geboren. Er brachte sich früh die Gitarre bei und spielte schon als Schüler in Folkclubs.

Mit seiner älteren Schwester Sally bildete er als Teenager das Folkduo The Sallyangie, das 1969 ein Album veröffentlichte.

1970–1972

02 Lehrjahre

Mit 17 wurde Oldfield Bassist bei Kevin Ayers and the Whole World, der Band des früheren Soft-Machine-Musikers. Dort lernte er die experimentierfreudige Szene um Canterbury kennen.

Mit einem geliehenen Tonbandgerät begann er zu Hause, Gitarrenstimmen übereinanderzulegen. So entstanden die ersten Skizzen eines langen Instrumentalstücks, das zunächst keine Plattenfirma haben wollte.

1972–1973

03 Tubular Bells

Cover von Tubular Bells
Tubular Bells · 1973

Die Tontechniker Tom Newman und Simon Heyworth hörten Oldfields Demo in The Manor, einem Studio auf einem Landsitz in Oxfordshire, das Richard Branson gehörte. Branson gab ihm Studiozeit, und von November 1972 bis April 1973 spielte Oldfield dort fast alle Instrumente selbst ein: Gitarren, Bass, Klavier, Orgeln, Glockenspiel, Pauken und die namensgebenden Röhrenglocken. Am Ende des ersten Teils stellt der Musiker Vivian Stanshall die Instrumente nacheinander vor.

Tubular Bells erschien am 25. Mai 1973 als allererste Platte von Virgin Records. Einen Monat später wurde es in London live aufgeführt, unter anderem mit Mick Taylor von den Rolling Stones. Ende 1973 verwendete der Film Der Exorzist das Eröffnungsthema, was das Album auch in den USA bekannt machte. Im Oktober 1974 erreichte es Platz eins der britischen Charts, ein Grammy für die beste Instrumentalkomposition folgte.

1974–1979

04 Hergest Ridge und Ommadawn

Oldfield zog sich aufs Land zurück, an die Grenze zwischen England und Wales. Hergest Ridge, benannt nach einem Hügel dort, kam 1974 ebenfalls auf Platz eins. Ommadawn von 1975 verbindet seine Gitarren mit afrikanischen Trommeln und irischer Folkmusik.

Mit dem Doppelalbum Incantations schloss er 1978 diese Reihe langer Werke ab. Danach ging er zum ersten Mal mit großem Orchester auf Tournee.

1980–1991

05 Moonlight Shadow

In den Achtzigern schrieb Oldfield auch kürzere Lieder mit Gesang. „Moonlight Shadow“, gesungen von Maggie Reilly, kam 1983 in Großbritannien auf Platz vier und in vielen anderen Ländern an die Spitze.

Das Verhältnis zu Virgin wurde über die Jahre schwierig. Amarok von 1990, ein einziges, eine Stunde langes Stück voller abrupter Wechsel, gilt als seine Antwort darauf.

1992–heute

06 Späte Jahre

Bei seiner neuen Plattenfirma nahm Oldfield 1992 mit dem Produzenten Trevor Horn Tubular Bells II auf, das wieder auf Platz eins kam. 1998 folgte Tubular Bells III, geprägt von der elektronischen Musik, die er auf Ibiza kennengelernt hatte.

Bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London spielte er Tubular Bells vor einem weltweiten Publikum. 2017 kehrte er mit Return to Ommadawn zu seinen frühen Werken zurück. Oldfield lebt seit Jahren auf den Bahamas.

Hörtipp

Tubular Bells entfaltet sich langsam und belohnt Geduld – ideal zum Ankommen am Anfang eines Abends, wenn die Gespräche leiser werden und die Röhrenglocken am Ende der ersten Seite alle aufhorchen lassen. Zur Album-Story →

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