Künstlerporträt
Nas
Der Erzähler aus Queensbridge, der mit zwanzig ein Debüt veröffentlichte, an dem sich der New Yorker Hip-Hop bis heute misst.
Nas ist vor allem ein Beobachter. Auf seinem Debüt Illmatic beschreibt er das Leben in einer großen Sozialsiedlung in Queens so genau und bildreich, dass viele es eher mit Literatur als mit Popmusik vergleichen. Dazu kamen Beats von den besten Produzenten New Yorks, die Jazz- und Soulplatten zu einem dunklen, warmen Klang verarbeiteten. Nas hat danach viele erfolgreiche Alben gemacht, doch Illmatic blieb der Maßstab. Spät in seiner Karriere fand er mit neuen Produzenten zu alter Form zurück und gewann seinen ersten Grammy.
In diesem Porträt
1973–1990
01 Queensbridge
Nasir Jones wurde am 14. September 1973 in Brooklyn geboren und wuchs in den Queensbridge Houses auf, einer großen Sozialsiedlung im Stadtteil Queens. Sein Vater Olu Dara ist Jazz- und Bluesmusiker und spielt Kornett.
Nas verließ die Schule früh und brachte sich vieles selbst bei, las viel und schrieb Reime. In Queensbridge lebten damals mehrere Rapper und Produzenten, von denen er lernte.
1991–1993
02 Erste Verse
Seinen ersten Auftritt auf Platte hatte er 1991 als Gast auf „Live at the Barbeque“ der Gruppe Main Source, deren Produzent Large Professor ihn förderte. Sein Vers machte ihn in der New Yorker Szene sofort bekannt.
Der Rapper MC Serch holte ihn zu Columbia Records. 1992 erschien seine erste Solosingle „Halftime“ auf dem Soundtrack des Films Zebrahead.
1994
03 Illmatic
Für sein Debüt arbeitete Nas mit gleich mehreren der wichtigsten Produzenten New Yorks: DJ Premier, Pete Rock, Large Professor und Q-Tip von A Tribe Called Quest. Aufgenommen wurde 1992 und 1993 in Studios in Manhattan. Auf einem Stück spielt sein Vater Olu Dara ein Solo auf der Trompete, auf einem anderen rappt sein Freund AZ.
Illmatic erschien am 19. April 1994: zehn Stücke, knapp 40 Minuten. „N.Y. State of Mind“, „The World Is Yours“, „Memory Lane“ und „One Love“ erzählen vom Alltag in Queensbridge, „It Ain’t Hard to Tell“ baut auf Michael Jacksons „Human Nature“ auf. Das Album verkaufte sich anfangs nur mäßig, wurde aber zu einem der meistgelobten Hip-Hop-Alben überhaupt. 2021 nahm die Library of Congress es in ihr nationales Tonarchiv auf.
1996–2002
04 It Was Written
It Was Written stieg 1996 auf Platz eins der amerikanischen Charts ein. Die Single „If I Ruled the World (Imagine That)“ mit Lauryn Hill brachte ihn auch ins Radio.
Nach einigen weniger geschätzten Platten meldete er sich 2001 mit Stillmatic zurück, 2002 folgte God’s Son. Beide gelten als Höhepunkte seiner mittleren Jahre.
2006–2019
05 Hip Hop Is Dead
Mit Hip Hop Is Dead stellte er 2006 die Frage, wohin sich das Genre entwickelte, und landete erneut auf Platz eins.
Life Is Good von 2012 wurde für einen Grammy nominiert. 2013 richtete die Harvard University ein Stipendium in seinem Namen ein, und zum 20. Jahrestag von Illmatic kam 2014 der Dokumentarfilm Time Is Illmatic in die Kinos.
2020–heute
06 Späte Blüte
Mit dem Produzenten Hit-Boy nahm Nas ab 2020 eine Reihe von Alben auf. Für King’s Disease bekam er 2021 seinen ersten Grammy – nach dreizehn Nominierungen.
Ende 2025 erschien Light-Years, ein gemeinsames Album mit DJ Premier, der schon an Illmatic mitgearbeitet hatte.
Hörtipp
Illmatic ist kurz und dicht, mit Jazz- und Soulsamples, die auch Hörern ohne Hip-Hop-Erfahrung gefallen – am besten mitten am Abend, wenn man auf die Texte achten kann. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Lauryn Hill
The Miseducation of Lauryn Hill
1998rund 78 Minuten
Lauryn Hill sang 1996 auf seiner Single „If I Ruled the World (Imagine That)“, zwei Jahre vor ihrem Soloalbum.
Zur Album-Story → -
Michael Jackson
Thriller
1982rund 42 Minuten
Das Schlussstück von Illmatic, „It Ain’t Hard to Tell“, baut auf „Human Nature“ von Thriller auf.
Zur Album-Story →
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