Künstlerporträt
Kendrick Lamar
Ein Rapper aus Compton, der seine Alben wie Filme und Romane baut – und als erster Rapper den Pulitzer-Preis gewann.
Kendrick Lamar erzählt in seinen Alben Geschichten, die weit über einzelne Songs hinausgehen. Er wechselt Stimmen und Perspektiven, lässt Figuren zu Wort kommen und verbindet Rap mit Jazz, Funk und gesprochenem Wort. Dabei geht es um die Straßen von Compton, um Schuld, Glauben und Ruhm – und um die Frage, was es heißt, als junger schwarzer Mann in Amerika erwachsen zu werden.
In diesem Porträt
1987–2009
01 Compton
Kendrick Lamar Duckworth wurde am 17. Juni 1987 in Compton geboren, einer Stadt südlich von Los Angeles, die durch Hip-Hop-Gruppen wie N.W.A weltbekannt geworden war. Als er acht war, sah er zu, wie Dr. Dre und Tupac Shakur in seiner Nachbarschaft das Video zu „California Love“ drehten.
Er schrieb schon als Schüler Texte und veröffentlichte als Teenager unter dem Namen K.Dot erste Mixtapes. Mitte der Nullerjahre nahm ihn das unabhängige Label Top Dawg Entertainment aus dem benachbarten Carson unter Vertrag.
2010–2011
02 Section.80
Ab 2010 trat er unter seinem eigenen Namen auf. Das Mixtape Overly Dedicated machte die Szene auf ihn aufmerksam, auch Dr. Dre.
Section.80 erschien im Juli 2011 und erzählt von seiner Generation, den in den Achtzigern Geborenen, von Drogen, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Bei einem Konzert in Los Angeles erklärten ihn Dr. Dre, Snoop Dogg und The Game im selben Jahr zum neuen König der Westküste.
Zum Umfeld von Top Dawg gehörten auch die Rapper Ab-Soul, Jay Rock und ScHoolboy Q, mit denen er die Gruppe Black Hippy bildete. Die vier unterstützten sich gegenseitig und tauchten immer wieder auf den Alben der anderen auf.
2012–2014
03 good kid, m.A.A.d city
Sein erstes Album bei einem großen Label erschien im Oktober 2012 mit dem Untertitel „a short film by Kendrick Lamar“. Es erzählt einen einzigen Tag aus seiner Jugend: ein Mädchen, Freunde, der Van seiner Mutter, eine Nacht, in der Gewalt plötzlich eskaliert. Zwischen den Songs laufen Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und Dialoge, die die Geschichte vorantreiben.
Man kann das Album wie ein Hörspiel hören, von vorne bis hinten. „Swimming Pools“ handelt vom Druck, zu trinken, „Money Trees“ vom Traum vom schnellen Geld, und das über zwölfminütige „Sing About Me, I’m Dying of Thirst“ ist ein Wendepunkt der Geschichte. Am Ende steht „Compton“ mit Dr. Dre.
2015–2016
04 To Pimp a Butterfly
To Pimp a Butterfly erschien im März 2015 und klang völlig anders als alles, was im Hip-Hop gerade lief: Jazz, Funk, Soul und Spoken Word, eingespielt mit Musikern wie dem Bassisten Thundercat, dem Saxofonisten Kamasi Washington und dem Produzenten Terrace Martin, dazu George Clinton. Durch das Album zieht sich ein Gedicht, das Lamar Stück für Stück weiterspricht.
Am Ende führt er ein Gespräch mit Tupac Shakur, zusammengesetzt aus einem alten Interview. „Alright“ wurde auf Demonstrationen gegen Polizeigewalt als Hymne gesungen. Das Album bekam elf Grammy-Nominierungen und gilt vielen als das wichtigste Hip-Hop-Album seines Jahrzehnts.
2017–2022
05 DAMN. und der Pulitzer-Preis
DAMN. von 2017 war direkter und härter, mit „HUMBLE.“ als großem Hit. Im April 2018 erhielt Kendrick Lamar dafür den Pulitzer-Preis für Musik – als erster Musiker außerhalb von Klassik und Jazz.
2018 kuratierte er den Soundtrack zum Film Black Panther. Mr. Morale & the Big Steppers von 2022 war sein persönlichstes Album, eine Auseinandersetzung mit Familie, Verantwortung und den eigenen Schwächen.
2024–heute
06 Auf dem Gipfel
2024 lieferte er sich einen öffentlichen Schlagabtausch mit dem Rapper Drake, aus dem „Not Like Us“ hervorging, einer der größten Hits des Jahres. Im November erschien überraschend das Album GNX.
Im Februar 2025 trat Kendrick Lamar als erster Solo-Rapper in der Halbzeitshow des Super Bowl auf. „Not Like Us“ gewann die Grammys für die Aufnahme und den Song des Jahres.
Seine Auftritte, oft wie kleine Theaterstücke inszeniert, setzen politische Zeichen, und er hat über die Jahre mehr als zwanzig Grammys gewonnen. Kaum ein Musiker seiner Generation wird so ernst genommen – von Fans, Kritikern und anderen Künstlern gleichermaßen.
Womit anfangen?
good kid, m.A.A.d city: eine durchgehende Geschichte, wie gemacht dafür, sie am Stück zu hören. To Pimp a Butterfly ist dichter und fordernder – und für Jazzfans vielleicht sogar der bessere Einstieg. Zur Album-Story →
Die Alben bei Musik Ungestört
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Kendrick Lamar
good kid, m.A.A.d city
2012rund 68 Minuten
Ein Compton-Tag als Kurzfilm mit den echten Voicemails seiner Eltern als roter Faden.
Zur Album-Story → -
Kendrick Lamar
To Pimp a Butterfly
2015rund 79 Minuten
Rap mit echter Band im Raum. Und ein Schlussstück, das zwölf Minuten dauert und auf niemanden wartet.
Zur Album-Story →
Weiterhören
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Herbie Hancock
Head Hunters
1973rund 42 Minuten
Jazz und Funk treffen sich auch hier: Herbie Hancocks Head Hunters ist einer der Urväter des Klangs von To Pimp a Butterfly.
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Künstlerporträt
Miles Davis
2 Alben auf dieser Seite
Wie Miles Davis mit Bitches Brew holte Kendrick Lamar mit To Pimp a Butterfly eine ganze Generation zum Jazz.
Zum Porträt →
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