Künstlerporträt
Wu-Tang Clan
Neun Rapper aus Staten Island, ein Produzent mit Liebe zu Kung-Fu-Filmen und Soulplatten – und ein Geschäftsmodell, das den Hip-Hop veränderte.
Der Wu-Tang Clan war mehr als eine Gruppe, eher eine Familie mit gemeinsamer Mythologie. Der Produzent RZA verband staubige Soulsamples mit Dialogen aus alten Kung-Fu-Filmen, darüber wechselten sich neun sehr unterschiedliche Stimmen ab. Ihr Debüt Enter the Wu-Tang (36 Chambers) klang roh und düster und brachte den Hip-Hop der Ostküste 1993 zurück ins Rampenlicht. Weil sich die Mitglieder das Recht auf eigene Solo-Verträge sicherten, folgte eine ganze Reihe von Soloalben, von denen mehrere selbst zu Klassikern wurden.
In diesem Porträt
1969–1991
01 Shaolin
Robert Diggs, später RZA, wurde 1969 geboren. Mit seinen Cousins Gary Grice (GZA) und Russell Jones (Ol’ Dirty Bastard) rappte er schon als Jugendlicher. Die drei verbrachten viel Zeit in den Kinos am Times Square, wo billige Kung-Fu-Filme aus Hongkong liefen. Ihre Heimat Staten Island nannten sie bald „Shaolin“.
RZA und GZA versuchten es 1991 zunächst mit Solo-Platten bei etablierten Labels, doch beide hatten keinen Erfolg. RZA zog daraus eine Lehre: Beim nächsten Mal wollte er alles selbst in der Hand haben.
1992
02 Protect Ya Neck
RZA versammelte Freunde aus Staten Island und Brooklyn um sich: Method Man, Raekwon, Ghostface Killah, Inspectah Deck, U-God und Masta Killa. Er versprach ihnen, sie in wenigen Jahren an die Spitze zu führen, wenn sie ihm die Leitung überließen.
Im Dezember 1992 veröffentlichten sie „Protect Ya Neck“ auf eigene Faust, ein Song, auf dem ein Rapper nach dem anderen seine Strophe abliefert. Die Single verbreitete sich über DJs und Radioshows in New York so schnell, dass die Plattenfirmen aufmerksam wurden.
1993
03 Enter the Wu-Tang
Der Wu-Tang Clan unterschrieb bei Loud Records – mit der ungewöhnlichen Bedingung, dass jedes Mitglied auch bei anderen Labels Soloverträge abschließen durfte. Aufgenommen wurde das Album von Ende 1992 bis Anfang 1993 im kleinen Firehouse Studio in New York, oft mit acht Rappern gleichzeitig im Raum. RZA produzierte alles mit einfacher, günstiger Technik, was dem Album seinen rauen, staubigen Klang gab.
Zwischen den Songs laufen Dialoge aus dem Kung-Fu-Film Shaolin and Wu Tang, daher auch der Name der Gruppe. Enter the Wu-Tang (36 Chambers) erschien am 9. November 1993. „C.R.E.A.M.“ mit seinem melancholischen Soul-Klavier, „Method Man“, „Can It Be All So Simple“ und „Da Mystery of Chessboxin’“ wurden Klassiker. Das Album verkaufte sich über Jahre hinweg immer weiter und wurde zum Vorbild für unzählige Produzenten.
1994–1997
04 Die Solo-Jahre
Nun ging RZAs Plan auf: 1994 erschien Method Mans Tical, 1995 folgten Soloalben von Ol’ Dirty Bastard, Raekwon und GZA, 1996 Ghostface Killahs Ironman. RZA produzierte fast alle davon. Vor allem Raekwons Only Built 4 Cuban Linx… und GZAs Liquid Swords gelten heute als eigenständige Meisterwerke.
1997 fanden alle wieder zusammen. Das Doppelalbum Wu-Tang Forever stieg in den USA auf Platz eins. Mit der Modemarke Wu Wear war die Gruppe auch ein Unternehmen geworden.
1998–2015
05 Zusammenhalt
RZA schrieb Filmmusik, etwa für Jim Jarmuschs Ghost Dog, und arbeitete später mit Quentin Tarantino an Kill Bill. Die Gruppe veröffentlichte The W (2000) und Iron Flag (2001).
Ol’ Dirty Bastard starb 2004. Als Gruppe machte der Clan weiter, mit 8 Diagrams (2007) und A Better Tomorrow (2014). 2015 wurde das Album Once Upon a Time in Shaolin in nur einem einzigen Exemplar gebaut und verkauft.
2016–heute
06 Was bleibt
Ab 2019 erzählte die Fernsehserie Wu-Tang: An American Saga die Anfangsjahre der Gruppe. 2025 ging der Clan auf eine große Abschiedstournee durch Nordamerika.
2026 wurde der Wu-Tang Clan in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. RZAs Art, Samples zu schichten, prägte Produzenten weit über New York hinaus.
Hörtipp
Enter the Wu-Tang (36 Chambers) lebt von seiner rauen Atmosphäre und sollte laut und über gute Boxen laufen – am besten zu später Stunde, wenn die Runde bereit ist, einfach zuzuhören. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Nas
Illmatic
1994rund 40 Minuten
Nas nahm Illmatic zur selben Zeit in New York auf und war 1995 der einzige Gastrapper außerhalb des Clans auf Raekwons Soloalbum.
Zur Album-Story → -
The Notorious B.I.G.
Ready to Die
1994rund 69 Minuten
Method Man rappt auf Ready to Die im Song „The What“ an der Seite von The Notorious B.I.G.
Zur Album-Story →
Wu-Tang Clan gemeinsam hören
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