Künstlerporträt
Frank Sinatra
Der Sänger, der zuhören ließ, als würde er jedes Wort zum ersten Mal meinen – und der aus Einzelsongs ganze Stimmungen machte.
Frank Sinatra hat das Singen populärer Lieder verändert. Er phrasierte wie ein Instrumentalist, atmete an den richtigen Stellen und erzählte jede Zeile, statt sie nur zu singen. In den Vierzigern war er ein Teenageridol, Anfang der Fünfziger schien seine Karriere vorbei. Mit dem Arrangeur Nelson Riddle und dem neuen Format der Langspielplatte fand er zurück und nahm Alben auf, die jeweils eine Stimmung durchhalten – In the Wee Small Hours ist das erste große davon.
In diesem Porträt
1915–1939
01 Hoboken
Francis Albert Sinatra wurde am 12. Dezember 1915 in Hoboken im Bundesstaat New Jersey geboren, als Sohn italienischer Einwanderer. Sein großes Vorbild war der Sänger Bing Crosby.
1935 gewann er mit dem Gesangsquartett Hoboken Four einen Radiowettbewerb. 1939 holte ihn der Trompeter Harry James in seine Big Band.
1940–1949
02 Das Idol
Schon 1940 wechselte er zum Orchester von Tommy Dorsey. Mit „I’ll Never Smile Again“ hatte er dort seinen ersten Nummer-eins-Hit. Von Dorseys Posaunenspiel lernte er, lange Bögen ohne hörbares Atemholen zu singen.
Ab 1942 sang er solo. Seine Auftritte im New Yorker Paramount Theatre lösten eine Hysterie unter jugendlichen Fans aus, wie es sie vorher kaum gegeben hatte. Bei Columbia nahm er Balladen mit Arrangements von Axel Stordahl auf und drehte Filme.
1950–1954
03 Absturz und Rückkehr
Um 1950 ging es bergab: Der Geschmack des Publikums änderte sich, seine Stimme litt, die Presse schrieb über seine Beziehung zur Schauspielerin Ava Gardner. Columbia trennte sich von ihm.
1953 unterschrieb er bei Capitol Records und begann die Zusammenarbeit mit Nelson Riddle. Im selben Jahr spielte er im Film Verdammt in alle Ewigkeit, und 1954 gewann er dafür den Oscar als bester Nebendarsteller.
1954–1955
04 In the Wee Small Hours
Die Aufnahmen fanden vor allem im Februar und März 1955 in den KHJ-Studios in Hollywood statt, ein Stück stammt schon aus dem Vorjahr. Nelson Riddle schrieb die Arrangements für ein kleines Orchester mit Streichern, Celesta und gedämpften Bläsern. Alle Lieder handeln von Einsamkeit und verlorener Liebe, darunter „Mood Indigo“, „Glad to Be Unhappy“, „When Your Lover Has Gone“ und „I Get Along Without You Very Well“. Nur der Titelsong wurde eigens neu geschrieben.
Das Album erschien im April 1955, zuerst auf zwei 10-Zoll-Platten und bald als eine der ersten 12-Zoll-Langspielplatten der Popmusik, mit 16 Liedern. Es kam in den USA auf Platz zwei. Viele sehen in ihm eines der ersten Konzeptalben, und viele hörten darin Sinatras Trennung von Ava Gardner mit.
1956–1971
05 Capitol und Reprise
Es folgten Songs for Swingin’ Lovers! mit schwungvollen Liedern und 1958 Only the Lonely mit Balladen, dazwischen Come Fly with Me, arrangiert von Billy May. Sinatra wechselte zwischen ausgelassenen und nachdenklichen Alben.
1960 gründete er seine eigene Plattenfirma Reprise. Dort entstanden „Strangers in the Night“, 1966 ein Nummer-eins-Hit, und 1969 „My Way“ mit dem englischen Text von Paul Anka. 1967 nahm er ein Album mit dem brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Jobim auf.
1971–heute
06 Was bleibt
1971 verabschiedete er sich von der Bühne, doch schon 1973 kam er zurück. Auf dem Album Trilogy von 1980 steht „Theme from New York, New York“, das zu einem seiner bekanntesten Lieder wurde.
Frank Sinatra starb am 14. Mai 1998 in Los Angeles mit 82 Jahren. Die Art, wie er Lieder erzählte, prägt Jazz- und Popsänger bis heute.
Hörtipp
In the Wee Small Hours gehört spät in den Abend, wenn das Licht schon gedämpft ist und nur noch wenige zusammensitzen – ein Glas, ein Sessel, und die Nacht erzählt sich von allein. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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