Künstlerporträt
Jon Hopkins
Ein klassisch ausgebildeter Pianist aus London, der Techno so baut, dass er gleichzeitig wuchtig und zärtlich klingt.
Jon Hopkins kommt vom Klavier, und das hört man auch in seinen härtesten Stücken. Seine Musik verbindet knisternde, fast körperliche Beats mit langsamen Harmonien, die eher an Filmmusik oder Kammermusik erinnern. Lange arbeitete er im Hintergrund, als Keyboarder, Produzent und Partner von Brian Eno. Mit Immunity fand er 2013 seinen eigenen Ton und wurde zu einer der wichtigsten Stimmen der elektronischen Musik in Großbritannien.
In diesem Porträt
1979–1998
01 Wimbledon
Jon Hopkins wurde am 15. August 1979 in Kingston upon Thames geboren und wuchs in Wimbledon im Südwesten Londons auf. Schon als kleiner Junge faszinierten ihn die Synthesizer von Depeche Mode und den Pet Shop Boys.
Parallel lernte er klassisches Klavier und besuchte als Jugendlicher Kurse am Royal College of Music, wo er sogar Ravels Klavierkonzert in G-Dur mit Orchester spielte. Doch die Welt der Konzertsäle war ihm zu steif. Mit 17 stieg er als Keyboarder in die Band der Sängerin Imogen Heap ein und ging 1998 mit ihr auf Tournee.
2001–2009
02 Im Hintergrund
Seine ersten eigenen Alben, Opalescent von 2001 und Contact Note von 2004, blieben ruhig und fanden nur ein kleines Publikum. Wichtiger wurde eine Begegnung: Brian Eno hörte Aufnahmen von ihm, lud ihn zum gemeinsamen Improvisieren ein und holte ihn für sein Album Another Day on Earth ins Studio.
Über Eno kam Hopkins zu Coldplay. Eigentlich war nur ein Tag im Studio geplant, doch er blieb fast ein Jahr, spielte Orgel und Keyboards auf Viva la Vida, und sein Stück „Light Through the Veins“ wurde Teil des Albumanfangs. 2009 erschien bei Domino sein Album Insides.
2010–2012
03 Partnerschaften
2010 veröffentlichte er mit Brian Eno und dem Gitarristen Leo Abrahams das Album Small Craft on a Milk Sea. Im selben Jahr schrieb er die Musik für den Film Monsters.
Mit dem schottischen Sänger King Creosote arbeitete er jahrelang an Diamond Mine, einer stillen Platte über das Leben in einem Fischerdorf in Fife. Sie wurde 2011 für den Mercury Prize nominiert.
2013
04 Immunity
Immunity erschien im Juni 2013 bei Domino. Hopkins nahm es in seinem Londoner Studio auf und nutzte dafür auch Geräusche aus dem Raum selbst: Klopfen auf Tischplatten, das Knarzen der Einrichtung, bearbeitete Feldaufnahmen. Aus diesem Material baute er acht lange Stücke, die wie ein Bogen durch eine Nacht angelegt sind – vom treibenden „Open Eye Signal“ und „Collider“ bis zu den leisen Klavierflächen am Ende.
Im Titelstück singt King Creosote, fast verschluckt vom Hall. Kritiker lobten, dass das Album als Ganzes gehört werden will, und es wurde für den Mercury Prize nominiert. Das Video zu „Open Eye Signal“ wurde als Musikvideo ausgezeichnet. Für viele Hörer war Immunity der Beweis, dass Clubmusik auch zu Hause auf dem Sofa berühren kann.
2018–2021
05 Singularity
Fünf Jahre später folgte Singularity, ein Album, das wieder zwischen Tanzfläche und Meditation pendelt. Es brachte ihm eine Grammy-Nominierung für das beste Dance- und Electronic-Album.
2021 ging er mit Music for Psychedelic Therapy einen anderen Weg: ein Album ganz ohne Beats, inspiriert von einer Reise in eine Höhle in Ecuador, gedacht als Klangraum zum Loslassen.
2024–heute
06 Ritual
Im August 2024 erschien Ritual, ein durchgehendes Werk von gut vierzig Minuten, das Ambient, Trommeln und elektronische Wucht verbindet.
Jon Hopkins spielt heute in großen Konzertsälen ebenso wie auf Festivals. Seine Musik hat eine ganze Generation von Produzenten geprägt, die elektronische Klänge nicht als Gegensatz zu Gefühl verstehen.
Hörtipp
Immunity entfaltet sich am besten spät am Abend und laut genug, dass die Bässe den Raum füllen – von vorne bis hinten, ohne Unterbrechung. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Künstlerporträt
Brian Eno
1 Album auf dieser Seite
Brian Eno entdeckte Hopkins, holte ihn in seine Projekte und nahm 2010 mit ihm Small Craft on a Milk Sea auf.
Zum Porträt → -
Depeche Mode
Violator
199047 Minuten
Depeche Mode gehörte zu den ersten elektronischen Klängen, die Hopkins als Kind in den Bann zogen.
Zur Album-Story →
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