Künstlerporträt
Brian Eno
Ein Nicht-Musiker, wie er selbst sagt, der das Studio zum Instrument machte und nebenbei die Ambient-Musik erfand.
Brian Eno hat nie richtig ein Instrument gelernt und ist trotzdem einer der einflussreichsten Musiker der letzten fünfzig Jahre. Er kam von der Kunsthochschule und dachte über Musik nach wie ein Maler: in Flächen, Farben und Räumen. Mit Tonbandschleifen und Synthesizern schuf er Musik, die nicht nach Aufmerksamkeit verlangt, und nannte sie Ambient. Als Produzent prägte er Alben von David Bowie, Talking Heads und U2 – oft, indem er die Musiker aus ihren Gewohnheiten holte.
In diesem Porträt
1948–1970
01 Suffolk
Brian Eno wurde am 15. Mai 1948 in Suffolk im Osten Englands geboren und wuchs in Woodbridge auf. Er studierte Kunst in Ipswich und Winchester.
Dort experimentierte er mit Tonbandgeräten und interessierte sich für die Ideen von Komponisten wie John Cage und Steve Reich, bei denen Zufall und Wiederholung eine große Rolle spielen.
1971–1974
02 Roxy Music
1971 stieß Eno zu Roxy Music, wo er Synthesizer spielte und den Klang der Band am Mischpult verfremdete. Mit Federboa und Glitzer wurde er zu einer auffälligen Figur des Glamrock. Nach zwei Alben verließ er die Band 1973.
Mit dem Gitarristen Robert Fripp von King Crimson nahm er Musik aus Tonbandschleifen auf. 1974 erschienen seine ersten Soloalben, darunter Here Come the Warm Jets.
1975–1976
03 Stille Musik
Im Januar 1975 wurde Eno von einem Taxi angefahren und lag wochenlang im Bett. Eine Platte mit Harfenmusik lief dabei so leise, dass sie mit den Geräuschen von draußen verschmolz. Daraus entstand die Idee für Discreet Music, das noch im selben Jahr erschien.
Mit dem Maler Peter Schmidt entwickelte er die Oblique Strategies, einen Kartensatz mit Anweisungen, die helfen sollen, festgefahrene Arbeit zu lösen. Er setzte sie später auch im Studio ein.
1977–1979
04 Music for Airports
Die Idee zu Music for Airports kam Eno, als er am Flughafen Köln/Bonn auf einen Flug wartete und sich über die gedankenlose Musik dort ärgerte. Er wollte etwas schaffen, das man überhören kann und das trotzdem interessant ist, wenn man zuhört.
Die vier Stücke tragen nur Nummern. In „1/1“ spielt Robert Wyatt Klavier, für „2/1“ und „1/2“ nahm Eno im Studio von Conny Plank bei Köln drei Sängerinnen auf. Er schnitt die Aufnahmen zu Tonbandschleifen unterschiedlicher Länge, die gegeneinander laufen, sodass sich die Klänge immer wieder neu begegnen. Als erstes Album seiner Ambient-Reihe gab es einer ganzen Musikrichtung den Namen.
1977–1991
05 Der Produzent
Parallel arbeitete Eno mit David Bowie an Low, Heroes und Lodger und produzierte ab 1978 drei Alben der Talking Heads. Mit David Byrne nahm er My Life in the Bush of Ghosts auf, gebaut aus gefundenen Stimmen.
Mit Daniel Lanois produzierte er für U2 The Unforgettable Fire, The Joshua Tree und Achtung Baby. Die beiden brachten die Band dazu, sich von reinem Stadionrock zu lösen.
1992–heute
06 Späte Jahre
Für Windows 95 komponierte er den Startklang, eine Tonfolge von wenigen Sekunden. 2008 produzierte er Coldplays Viva la Vida. Er beschäftigte sich zunehmend mit Musik, die Computer nach Regeln immer wieder neu erzeugen.
Mit FOREVERANDEVERNOMORE veröffentlichte er 2022 ein Album über die Klimakrise, auf dem er ungewöhnlich viel selbst singt. Bis heute erscheinen regelmäßig neue Arbeiten, oft in Zusammenarbeit mit jüngeren Musikern.
Hörtipp
Music for Airports eignet sich als Ankommen am Anfang oder als stilles Ende eines Hörabends – leise gespielt, ohne dass jemand still sitzen muss. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Talking Heads
Remain in Light
1980rund 40 Minuten
Eno produzierte Remain in Light und schichtete dafür mit Talking Heads lange Grooves übereinander.
Zur Album-Story → -
U2
The Joshua Tree
1987rund 50 Minuten
The Joshua Tree produzierte Eno gemeinsam mit Daniel Lanois für U2.
Zur Album-Story →
Brian Eno gemeinsam hören
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