Künstlerporträt
The Notorious B.I.G.
Ein Rapper aus Brooklyn mit tiefer, gelassener Stimme, der in nur wenigen Jahren zeigte, wie viel Erzählkunst in einem Hip-Hop-Album stecken kann.
Christopher Wallace, bekannt als The Notorious B.I.G. oder Biggie Smalls, wuchs in Brooklyn auf und wurde Anfang der Neunziger zur wichtigsten Stimme des New Yorker Hip-Hop. Er rappte scheinbar mühelos, mit einem dunklen Bariton, Humor und einem genauen Blick für Details. Seine Lieder erzählen vom Aufwachsen in einem harten Viertel, vom Traum vom Aufstieg und von den Zweifeln, die damit kommen. Er veröffentlichte zu Lebzeiten nur ein Album, Ready to Die. Es gilt bis heute als eines der wichtigsten Debüts der Hip-Hop-Geschichte.
In diesem Porträt
1972–1991
01 Brooklyn
Christopher George Latore Wallace wurde am 21. Mai 1972 in Brooklyn geboren. Seine Mutter war aus Jamaika eingewandert und arbeitete als Vorschullehrerin. Er wuchs in Clinton Hill auf, gleich neben Bedford-Stuyvesant.
Schon als Jugendlicher rappte er an Straßenecken und fiel durch seinen Wortwitz und seine ruhige, tiefe Stimme auf. Mit Freunden nahm er erste Aufnahmen auf einfachen Geräten auf.
1991–1993
02 Entdeckt
Ein Demo gelangte 1991 zum New Yorker DJ Mister Cee, der es weiterreichte. Im März 1992 stellte die Zeitschrift The Source den noch unbekannten Rapper in ihrer Rubrik „Unsigned Hype“ vor. Daraufhin nahm ihn Sean Combs bei Uptown Records unter Vertrag.
Erste Gastauftritte, etwa auf einem Remix von Mary J. Bliges „Real Love“, machten ihn bekannt. Als Combs 1993 sein eigenes Label Bad Boy gründete, nahm er Wallace mit.
1993–1994
03 Ready to Die
Ready to Die entstand zwischen Dezember 1993 und Juni 1994 in den New Yorker Studios Hit Factory und D&D. Die Beats kamen von mehreren Produzenten: Easy Mo Bee prägte die rauen Stücke, DJ Premier steuerte „Unbelievable“ bei, Lord Finesse „Suicidal Thoughts“. Method Man vom Wu-Tang Clan ist auf „The What“ zu Gast.
Das Album erschien am 13. September 1994. Es erzählt wie ein Film vom Aufwachsen bis zum ersten Erfolg. „Juicy“ mit einem Sample aus „Juicy Fruit“ von Mtume wurde zur Hymne auf den Aufstieg aus der Armut, „Big Poppa“ baut auf einem Stück der Isley Brothers auf.
„Big Poppa“ und „One More Chance“ kamen in die Top Ten der US-Charts, das Album verkaufte sich mehrere Millionen Mal. 2024 nahm die Library of Congress Ready to Die in ihr Archiv besonders bedeutender Tonaufnahmen auf.
1995–1996
04 Junior M.A.F.I.A.
Mit Freunden aus seinem Viertel, darunter Lil’ Kim, gründete er die Gruppe Junior M.A.F.I.A. und förderte ihre Karrieren. Er war nun einer der gefragtesten Gastrapper, auch auf Platten von R&B-Stars.
Gleichzeitig arbeitete er an einem ehrgeizigen Doppelalbum, das mehr Stile und Stimmungen zeigen sollte als sein Debüt.
1997
05 Life After Death
Christopher Wallace starb am 9. März 1997 in Los Angeles, mit nur 24 Jahren.
Gut zwei Wochen später erschien das Doppelalbum Life After Death. Es stieg auf Platz 1 der US-Charts ein, „Hypnotize“ und „Mo Money Mo Problems“ wurden Nummer-eins-Hits.
1997–heute
06 Was bleibt
Seine Art zu rappen – entspannt, rhythmisch genau, mit Reimen, die sich über mehrere Zeilen spannen – wird bis heute studiert und nachgeahmt. Viele spätere Rapper nennen ihn als Vorbild.
2020 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Ready to Die gilt als Maßstab dafür, wie ein Hip-Hop-Album als geschlossene Erzählung funktionieren kann.
Hörtipp
Ready to Die ist ein Album für eine Runde, die Hip-Hop als Erzählkunst hören möchte; die Texte sind rau und explizit, das sollte man vorher wissen und gemeinsam entscheiden. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Nas
Illmatic
1994rund 40 Minuten
Nas’ Illmatic erschien im selben Jahr in New York; DJ Premier produzierte für beide Alben.
Zur Album-Story → -
Wu-Tang Clan
Enter the Wu-Tang (36 Chambers)
1993rund 58 Minuten
Method Man vom Wu-Tang Clan rappt auf „The What“, einem der Höhepunkte von Ready to Die.
Zur Album-Story →
The Notorious B.I.G. gemeinsam hören
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