Künstlerporträt
The Strokes
Fünf junge New Yorker, die 2001 mit knappen Gitarrensongs und Lederjacken die Rockmusik eines ganzen Jahrzehnts wachrüttelten.
The Strokes kamen zu einer Zeit, in der Gitarrenrock als erledigt galt. Ihre Songs waren kurz, trocken und eng verzahnt: zwei Gitarren, die sich gegenseitig antworten, ein Schlagzeug wie eine Drum-Machine und darüber eine Stimme, die gelangweilt und sehnsüchtig zugleich klingt. Mit ihrem Debüt Is This It lösten sie eine Welle neuer Bands aus, auf beiden Seiten des Atlantiks. Seitdem haben sie sich Zeit gelassen, Pausen eingelegt und sind doch immer zusammengeblieben.
In diesem Porträt
1998–2001
01 Manhattan
Julian Casablancas, Nick Valensi und Fabrizio Moretti kannten sich von der Dwight School in Manhattan und spielten schon als Jugendliche zusammen. Nikolai Fraiture war ein Freund von Casablancas aus Kindertagen. Albert Hammond Jr. hatte Casablancas auf einem Internat in der Schweiz kennengelernt und zog später nach New York, wo die beiden eine Wohnung teilten. 1998 war die Band komplett.
Sie probten viel und spielten in kleinen Clubs der Lower East Side. Anfang 2001 erschien beim britischen Label Rough Trade ihre erste EP, The Modern Age. Die britische Musikpresse feierte die Band, bevor sie in den USA überhaupt jemand kannte, und mehrere Plattenfirmen bemühten sich um sie.
2001
02 Is This It
Aufgenommen wurde das Debüt im Frühjahr 2001 im Transporterraum, einem kleinen Studio im East Village, mit dem Produzenten Gordon Raphael. Die Band wollte klingen wie live im Proberaum, ohne Glanz und ohne Effekte. Die Gitarren von Valensi und Hammond sind sauber getrennt, Moretti spielt stoisch und präzise, und Casablancas’ Stimme klingt bewusst gedämpft, fast wie aus einem alten Radio.
Is This It erschien im Sommer 2001 zuerst in Australien und Großbritannien, wo es auf Platz zwei stieg. Elf Songs in nur 36 Minuten, darunter „Last Nite“, „Someday“ und „Hard to Explain“. In den USA kam das Album nach den Anschlägen vom 11. September etwas später heraus, mit einem anderen Cover und dem neuen Song „When It Started“ anstelle von „New York City Cops“. Viele Kritiker wählten es zum Album des Jahres.
2002–2006
03 Room on Fire
Der Druck auf das zweite Album war groß. Room on Fire erschien 2003, wieder mit Gordon Raphael, und blieb dem Stil des Debüts treu. „Reptilia“ und „12:51“ zeigten, dass die Band ihren Klang verfeinern konnte, ohne ihn aufzugeben.
First Impressions of Earth von 2006 war länger, lauter und vielschichtiger. Mit „You Only Live Once“ und „Juicebox“ enthielt es Songs, die bis heute fester Teil ihrer Konzerte sind. Danach gönnte sich die Band eine lange Pause.
2006–2013
04 Pause und Rückkehr
In den Jahren ohne neues Bandalbum gingen die Mitglieder eigene Wege. Albert Hammond Jr. veröffentlichte 2006 sein erstes Soloalbum, Julian Casablancas 2009 sein Solodebüt Phrazes for the Young.
2011 kehrten The Strokes mit Angles zurück, einem Album, an dem erstmals alle fünf als Songschreiber beteiligt waren. 2013 folgte Comedown Machine, mit hohen Falsettstimmen und Synthesizern, eine Platte, für die die Band kaum Werbung machte.
2014–2020
05 The New Abnormal
Julian Casablancas gründete mit anderen Musikern die Band The Voidz, die experimenteller und rauer klingt. Die Strokes spielten in dieser Zeit nur vereinzelt Konzerte.
Im April 2020 erschien The New Abnormal, produziert von Rick Rubin. Die Songs sind länger, melodischer und oft wehmütig. Das Album brachte der Band ihren ersten Grammy, als bestes Rockalbum.
2020–heute
06 Was bleibt
Im Juli 2026 erschien mit Reality Awaits das siebte Studioalbum der Band. Die fünf Musiker von damals sind bis heute die Band.
Der Einfluss der Strokes zeigt sich bei vielen Bands, die nach ihnen kamen, von den Libertines bis zu den Arctic Monkeys. Deren Sänger Alex Turner eröffnete 2018 ein Album mit der Zeile, er habe eigentlich nur einer der Strokes sein wollen.
Hörtipp
Is This It ist nach gut einer halben Stunde vorbei – perfekt als Auftakt eines Abends, wenn die Gäste noch stehen und die Stimmung erst in Schwung kommen soll. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Television
Marquee Moon
1977rund 45 Minuten
Television spielten in den Siebzigern in denselben New Yorker Clubs, und ihre verschlungenen Gitarrenlinien gelten als eines der großen Vorbilder der Strokes.
Zur Album-Story → -
The Velvet Underground & Nico
The Velvet Underground & Nico
1967rund 48 Minuten
Mit der Velvet Underground wurden The Strokes von Anfang an verglichen: dieselbe Stadt, dieselbe coole Distanz, dieselbe Liebe zum einfachen Rocksong.
Zur Album-Story →
The Strokes gemeinsam hören
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