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2001Albumvorschlag

Is This It

The Strokes

Elf Songs, sechsunddreißig Minuten, aufgenommen in einem Keller in Manhattan. Is This It klingt, als hätte eine Band aus den Siebzigern kurz vorbeigeschaut, um die Zukunft aufzunehmen.

The Strokes kannten sich zum Teil seit der Schulzeit an der Upper West Side. Anfang 2001 erschien ihre erste EP The Modern Age beim britischen Label Rough Trade, und plötzlich wollten viele Plattenfirmen die fünf New Yorker haben. Mit dem Produzenten Gordon Raphael nahmen sie im Frühjahr 2001 ihr Debüt auf, schnell, knapp und mit sehr genauen Vorstellungen davon, wie es klingen sollte.

  • Laufzeitrund 36 Minuten
  • Titel11
  • Jahr2001
  • AufgenommenTransporterraum, New York (März–April 2001)
Das Albumcover von Is This It, je nach Ausgabe das Foto von Colin Lane oder die farbige Aufnahme von Teilchenspuren in einer Blasenkammer.
The Strokes, Is This It, Rough Trade/RCA 2001. Foto der internationalen Ausgabe Colin Lane. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Is This It2:35
  2. The Modern Age3:32
  3. Soma2:37
  4. Barely Legal3:58
  5. Someday3:07
  6. Alone, Together3:12
  7. Last Nite3:17
  8. Hard to Explain3:47
  9. New York City Cops3:36
  10. Trying Your Luck3:27
  11. Take It or Leave It3:16

Zum Cover

Von Is This It gibt es zwei Cover. Die US-Ausgabe zeigt ein psychedelisch wirkendes Bild: farbige, geschwungene und spiralförmige Linien, die Spuren subatomarer Teilchen in einer Blasenkammer. Das Motiv ist eine wissenschaftliche Aufnahme und war schon 1988 auf dem Album The Nature of Things von Bruce BecVar zu sehen. Auf der Rückseite der US-Ausgabe ist ein Gemälde von Jacques Carlu aus dem Jahr 1924 abgebildet.

International erschien das Album mit einem Foto von Colin Lane: eine Hüfte im Profil, auf der eine Hand in einem Lederhandschuh liegt. Lane sagte, es habe keine große Idee dahinter gegeben, die Aufnahme sei spontan entstanden. In Großbritannien gab es Einwände von Händlern, das Album wurde aber unverändert verkauft. Für den US-Markt entschied man sich für ein anderes Bild. Julian Casablancas soll dem Manager gesagt haben, er habe etwas gefunden, das noch besser sei als das Foto.

Auch der Titel ist eine kleine Gestaltungsentscheidung: Die Band ließ das Fragezeichen bewusst weg, weil es optisch nicht passte.

Foto: Colin Lane (internationale Ausgabe)
Gestaltung: US-Ausgabe: Blasenkammer-Aufnahme (Urheber nicht sicher belegt), Rückseite Gemälde von Jacques Carlu
Label: RCA (USA), Rough Trade (UK), 2001
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„We want to sound like a band from the past that took a time trip into the future to make their record.“

Julian Casablancas Über den Klang, den die Band suchte

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Is This It entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Gordon Raphael betrieb im Frühjahr 2001 ein kleines Studio im Keller eines Hauses an der Lower East Side, einen Raum von etwa acht mal acht Metern mit schlechtem Licht, aber einem Pro-Tools-System. Die Strokes kamen zunächst nur für ein Demo: drei Songs in drei Tagen. Daraus wurde ein Monat und ein ganzes Album.

Casablancas beschrieb Raphael, was die Band wollte, in einem einzigen Satz: wie eine Band aus der Vergangenheit, die für ihre Platte eine Zeitreise in die Zukunft gemacht hat. Raphael, der aus der Industrial-Musik kam, verstand das als Auftrag, alten Klang mit neuen Mitteln zu bauen.

Bilder statt Fachbegriffe

Casablancas sprach selten in Technik. Ein Klang müsse die Krawatte lockern, sagte er etwa, oder der Gesang solle klingen wie eine Bluejeans. Raphael übersetzte das in Mikrofone und Regler. Er hat erzählt, dass er jede Einstellung vor den Augen der Band vornahm, ganz langsam, und dabei auf ihre Gesichter achtete.

02Wie Is This It entstand

Das Label RCA hatte die Band unter Vertrag genommen, doch der zuständige A&R-Mann war von den ersten Aufnahmen nicht begeistert. Sie klangen ihm zu roh, zu wenig professionell. Casablancas spielte ihm neue Songs auf einem Ghettoblaster vor und überzeugte ihn. Danach hatten Band und Produzent freie Hand.

Raphael wollte möglichst viel live aufnehmen. Schlagzeuger Fabrizio Moretti bestand aber auf Präzision: Das Gefühl einer Liveband solle bleiben, doch er wolle keinen Moment hören, in dem er schneller oder langsamer werde. Die meisten Songs nahm die Band nur einmal auf, weil Casablancas das so wollte. An „Alone, Together“ dagegen arbeiteten sie drei fast vollständige Fassungen lang.

Ein Song fällt heraus

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nahm die Band „New York City Cops“ von der amerikanischen CD. An seine Stelle trat „When It Started“. Auf der Vinyl-Ausgabe blieb der ursprüngliche Song erhalten. In den USA erschien das Album am 9. Oktober 2001, einige Wochen nach Europa und Australien.

03Der Klang

Is This It klingt trocken, dicht und nah. Die beiden Gitarristen Nick Valensi und Albert Hammond Jr. spielten über zwei gleiche Fender-Verstärker, die an entgegengesetzten Seiten des Raums standen. Vor jedem hing ein einzelnes Mikrofon, das ohne Klangregelung direkt in einen Vorverstärker lief. Die Gitarren greifen ineinander wie Zahnräder, eine spielt die Melodie, die andere den Rhythmus, oft wechseln sie.

Das Schlagzeug nahm Raphael mit wenigen Mikrofonen auf, eines davon frei im Raum. Das Ziel war ein komprimierter, explosiver Klang. Oft wurde bemerkt, dass Morettis Spiel an frühe Drumcomputer der Achtziger erinnert: knapp, gleichmäßig, ohne Schnörkel.

Genau hingehört

Eine Stimme aus dem Übungsverstärker

Casablancas' Gesang klingt auf vielen Songs, als käme er aus einem Nebenraum oder aus einem alten Radio. Das ist Absicht. Er sang zum Teil durch seinen eigenen Peavey-Übungsverstärker, laut Raphael etwa zwanzig Zentimeter hoch, und Raphael nahm den Verstärker mit einem Mikrofon ab. Auf einer guten Anlage hört man, wie die Stimme leicht verzerrt und schmal bleibt, während die Gitarren daneben breit und klar stehen.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Kein Song ist länger als vier Minuten, keiner verliert Zeit. Die Platte beginnt mit dem Titelsong, fast lässig, mit einem federnden Bass von Nikolai Fraiture, und endet mit „Take It or Leave It“, dem lautesten Stück. Dazwischen stehen „Someday“, „Last Nite“ und „Hard to Explain“, Songs, die man nach einmal Hören wiedererkennt.

Die Band hörte viel Velvet Underground, Casablancas übernahm einiges von Lou Reeds Art zu singen. Dazu kommt die Direktheit der Ramones. Trotzdem klingt Is This It nicht nach Nachahmung, sondern nach einer Band, die genau weiß, was sie weglässt.

Ein Neuanfang für die Gitarrenmusik

In Großbritannien stieg das Album auf Platz zwei ein, in den USA wuchs es langsam und erreichte Platz 33. Zahlreiche Magazine wählten es zum Album des Jahres 2001, darunter NME, Time und Billboard. In den Jahren danach unterschrieben viele New Yorker Gitarrenbands bei großen Labels. Is This It gilt als Startpunkt dieser Welle.

05Warum es einen Abend trägt

Sechsunddreißig Minuten sind kaum mehr als die Dauer einer Serienfolge. Gerade deshalb eignet sich Is This It als Auftakt eines Abends oder als Platte, die man gleich zweimal hört. Seite A mit fünf Songs endet mit „Someday“, Seite B beginnt mit „Alone, Together“ und steigert sich bis zum Schluss.

Nah am Raum

Wer die Platte laut hört, merkt, wie wenig zwischen Band und Hörer steht. Keine Hallräume, keine Effektwände, kaum Nachbearbeitung. Man hört fünf Musiker in einem kleinen Kellerraum, die sehr genau aufeinander hören und nichts dem Zufall überlassen, auch wenn alles zufällig klingen soll.

Wie viel braucht ein Song eigentlich, um vollständig zu sein?

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