Künstlerporträt
The Velvet Underground
Eine New Yorker Band aus Warhols Factory, die zu Lebzeiten kaum Platten verkaufte und trotzdem fast alles vorwegnahm, was später Punk und Indie-Rock wurde.
The Velvet Underground verbanden Rock ’n’ Roll mit der Avantgarde der New Yorker Kunstszene. Lou Reed brachte die Songs und die Geschichten, John Cale die Bratsche und das Interesse an Klang und Wiederholung. Andy Warhol machte sie zur Hausband seiner Factory und stellte ihnen die Sängerin Nico zur Seite. Ihr Debüt mit der berühmten Banane auf dem Cover verkaufte sich zunächst schlecht. Heute gilt es als eines der einflussreichsten Alben der Rockgeschichte.
In diesem Porträt
1964–1965
01 Reed und Cale
Die Band begann 1964 in New York mit einer ungewöhnlichen Begegnung. Lou Reed schrieb Auftragssongs für ein kleines Label, John Cale kam aus Wales, war klassisch ausgebildet und spielte in der Minimal-Music-Szene um La Monte Young lange Dauertöne auf der Bratsche. Beide wollten Rockmusik mit dieser Klangforschung verbinden.
Mit dem Gitarristen Sterling Morrison, einem Studienfreund von Reed, und dem Schlagzeuger Angus MacLise entstand eine Band, die den Namen eines Taschenbuchs übernahm: The Velvet Underground. Als MacLise ausstieg, kam Maureen Tucker dazu. Sie spielte im Stehen, mit Schlegeln auf wenigen Trommeln, und gab der Band ihren schlichten, stoischen Puls.
1965–1966
02 Warhol und die Factory
Ende 1965 spielte die Band im Café Bizarre in Greenwich Village. Dort sah sie Andy Warhol, der gerade nach einer Band für seine Projekte suchte. Er wurde ihr Mentor und Manager, und The Velvet Underground probten fortan in seinem Atelier, der Factory.
Warhol stellte der Band die deutsche Sängerin und Schauspielerin Nico zur Seite. Ab April 1966 traten sie gemeinsam in seiner Multimedia-Show Exploding Plastic Inevitable auf, mit Filmprojektionen, Lichteffekten und Tänzern. Es war eine der ersten Veranstaltungen, bei denen Rockmusik, Film und bildende Kunst zu einem Gesamterlebnis verschmolzen.
1966–1967
03 Die Banane
Im April 1966 nahm die Band den Großteil der Songs in wenigen Tagen in den Scepter Studios in Manhattan auf, im Mai wurden einige Stücke in Hollywood neu eingespielt. Warhol war als Produzent genannt und bezahlte die Aufnahmen, die technische Arbeit lag vor allem bei Tom Wilson, der zuvor Bob Dylan produziert hatte. Im November kam als letzter Song „Sunday Morning“ dazu, mit einer Celesta, die John Cale spielte.
Das Album erschien im März 1967 bei Verve. Nico sang „Femme Fatale“, „All Tomorrow’s Parties“ und „I’ll Be Your Mirror“, Lou Reed den Rest, darunter „There She Goes Again“ und „Run Run Run“. Das Cover gestaltete Warhol selbst: eine gelbe Banane als Aufkleber zum Abziehen, darunter die Aufforderung „Peel slowly and see“.
In den USA kam das Album nur auf Platz 129. Brian Eno sagte später, von den wenigen tausend Exemplaren, die sich anfangs verkauften, habe jeder Käufer eine Band gegründet.
1968–1969
04 Ohne Warhol, ohne Cale
Nach dem Debüt trennte sich die Band von Warhol und von Nico. Im Januar 1968 erschien White Light/White Heat, laut, roh und mit langen improvisierten Passagen. Im September 1968 verließ John Cale die Band, für ihn kam der Bassist und Sänger Doug Yule.
Das dritte Album The Velvet Underground von 1969 klang überraschend leise und intim. Darauf stehen Balladen wie „Pale Blue Eyes“ und „I’m Set Free“, und Maureen Tucker singt zum Abschluss das kindlich schlichte „After Hours“.
1970
05 Loaded
Für das Label Cotillion nahm die Band 1970 Loaded auf, ihr zugänglichstes Album. Es enthält zwei der bekanntesten Reed-Songs überhaupt: „Sweet Jane“ und „Rock & Roll“, eine Liebeserklärung an das Radio, das einem Mädchen in der Vorstadt die Welt öffnet.
Im Sommer 1970 spielte die Band wochenlang im New Yorker Club Max’s Kansas City. Noch vor der Veröffentlichung von Loaded verließ Lou Reed im August 1970 die Band. Doug Yule führte den Namen noch kurz weiter, doch die eigentliche Geschichte war zu Ende.
1990–heute
06 Was bleibt
Reed und Cale fanden 1990 mit Songs for Drella, ihrem Album für den verstorbenen Andy Warhol, wieder zusammen. 1993 ging die klassische Besetzung mit Reed, Cale, Morrison und Tucker auf Tournee durch Europa. Nico war bereits 1988 gestorben, Sterling Morrison starb 1995, Lou Reed 2013.
1996 wurde The Velvet Underground in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, die Laudatio hielt Patti Smith. David Bowie, R.E.M., Joy Division und unzählige Indie-Bands haben ihre Songs gespielt. Kaum eine Band hat zu ihrer Zeit so wenig verkauft und danach so viele Musiker geprägt.
Hörtipp
The Velvet Underground & Nico entfaltet sich am besten spätabends, wenn es ruhig geworden ist – von der Celesta in „Sunday Morning“ bis zu Nicos tiefer Stimme, dazu die Banane von Andy Warhol auf dem Tisch. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Patti Smith
Horses
1975rund 43 Minuten
John Cale, Gründungsmitglied der Velvet Underground, produzierte 1975 das Debütalbum Horses von Patti Smith.
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Künstlerporträt
Lou Reed
1 Album auf dieser Seite
Lou Reed schrieb und sang fast alle Songs der Velvet Underground und nahm einige davon später auf seinen Soloalben wieder auf.
Zum Porträt →
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