Musik im Weltraum5 Minuten Lesezeit
Die goldene Schallplatte im All
Seit 1977 tragen zwei Raumsonden eine goldene Schallplatte mit Musik von der Erde durchs All – mitsamt eingravierter Anleitung, wie man sie überhaupt abspielt.
Von allen Schallplatten, die je gepresst wurden, wird eine mit ziemlicher Sicherheit am längsten existieren: die Voyager Golden Record. Sie wurde nie für ein Publikum aus Menschen gemacht – sondern für die kleine, aber nicht auszuschließende Möglichkeit, dass jemand anderes sie eines Tages findet.
Steckbrief
- Start
- 1977, an Bord von Voyager 1 und Voyager 2
- Inhalt
- 115 Bilder, 55 Sprachgrüße, rund 90 Minuten Musik, Naturklänge
- Leitung
- Carl Sagan (Vorsitz), Ann Druyan (Kreativdirektion), Frank Drake, Timothy Ferris
- Heutiger Stand
- Voyager 1 erreicht im November 2026 ein Lichttag Entfernung von der Erde
„Diese Schallplatte wird von der Erde aus fast ausschließlich im Vakuum des interstellaren Raums existieren – wo sie so gut wie unzerstörbar ist, mit einer Lebensdauer von über einer Milliarde Jahren.“
In diesem Artikel
- 01Eine Nachricht, die niemand vor 2030 lesen wird
- 02Was auf die Platte kam – und wer das entschied
- 03Eine Bedienungsanleitung für Fremde
- 04Wo die Platten heute sind
01Eine Nachricht, die niemand vor 2030 lesen wird
1977 schickte die NASA die beiden Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 ins All, offiziell um die äußeren Planeten des Sonnensystems zu erforschen. An Bord beider Sonden befestigte die NASA jeweils eine vergoldete Kupferschallplatte in einer schützenden Aluminiumhülle – für den unwahrscheinlichen, aber nicht ausgeschlossenen Fall, dass eine der Sonden Jahrmillionen später von einer außerirdischen Intelligenz gefunden wird.
02Was auf die Platte kam – und wer das entschied
Ein Komitee unter Leitung des Astronomen Carl Sagan wählte den Inhalt aus: 115 in analoge Bildsignale codierte Fotografien, Grußbotschaften in 55 Sprachen – vom mehrere Jahrtausende alten Akkadisch bis zum modernen Chinesischen Wu –, Naturklänge wie Brandung, Wind, Donner sowie Vogel- und Walgesänge, dazu rund 90 Minuten Musik aus aller Welt, von westlicher Klassik bis zu traditioneller Musik verschiedenster Kulturen. Ann Druyan war für die künstlerische Leitung verantwortlich, Frank Drake für die technische Umsetzung, Timothy Ferris für die musikalische Produktion.
03Eine Bedienungsanleitung für Fremde
Damit ein Finder, der niemals einen Plattenspieler gesehen hat, überhaupt eine Chance hat, die Aufnahme zu hören, liegt jeder Platte eine eigene Abspielvorrichtung samt Nadel bei sowie eine in Symbolsprache eingravierte Anleitung, die sowohl die richtige Abspielgeschwindigkeit – 16⅔ Umdrehungen pro Minute – als auch die Position der Erde im Sonnensystem beschreibt. Ob diese Bildsprache tatsächlich für eine fremde Intelligenz verständlich wäre, ist naturgemäß reine Spekulation; das ausführliche Begleitbuch Murmurs of Earth von 1978 dokumentiert bis heute jede einzelne Entscheidung des Auswahlkomitees.
04Wo die Platten heute sind
Beide Sonden haben unser Sonnensystem längst verlassen und befinden sich im interstellaren Raum. Voyager 1 sendet bis heute, fast fünfzig Jahre nach dem Start, noch immer Messdaten zur Erde – wenn auch mit stetig schwächer werdender Energie, weshalb die NASA einzelne Instrumente nacheinander abschaltet, um den verbleibenden Strom auf die wichtigsten Systeme zu konzentrieren. Am 18. November 2026 erreicht Voyager 1 einen symbolischen Meilenstein: eine Entfernung von einem Lichttag, umgerechnet rund 25,9 Milliarden Kilometer – ein Funksignal von der Erde würde dann volle 24 Stunden brauchen, um die Sonde zu erreichen.
Beide Goldenen Schallplatten werden diese Reise weit überdauern: Selbst wenn beide Sonden irgendwann für immer verstummen, werden ihre Schallplatten Schätzungen der NASA zufolge noch in über einer Milliarde Jahren lesbar sein – länger, als es die Menschheit bislang überhaupt gibt.
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