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Tricks aus dem Presswerk4 Minuten Lesezeit

Die Schallplatte mit zwei Rillen

Zwei Personen legen dieselbe Plattenseite auf denselben Plattenspieler – und hören zwei komplett unterschiedliche Programme. Kein Fehler, sondern Absicht.

Normalerweise hat eine Plattenseite eine Rille, die von außen nach innen läuft, unveränderlich, für jeden gleich. 1973 durchbrach Monty Python dieses Prinzip mit einem Presswerk-Trick, der bis heute als eines der cleversten Beispiele analoger Verspieltheit gilt.

Steckbrief

Album
The Monty Python Matching Tie and Handkerchief, 1973
Trick
zwei konzentrische Rillen auf Seite zwei, dadurch inoffiziell eine „dritte Seite“
Ausführung
Mastering-Ingenieur George „Porky“ Peckham
Chartplatzierung
Platz 49 in Großbritannien, Platz 82 in Australien

„A FREE RECORD Given away with the Monty Python Matching Tie and Handkerchief – Side 2.“

Labeltext auf beiden Etiketten der Seite zwei absichtlich identisch, um die Rille nicht zu verraten

In diesem Artikel

  1. 01Eine Platte ohne Titelliste
  2. 02Wie man zwei Rillen auf eine Seite presst
  3. 03Warum niemand es kommen sah

01Eine Platte ohne Titelliste

Illustration einer Schallplatte mit abwechselnd roten und dunklen konzentrischen Rillen, im Flat-Icon-Stil der Seite.
Zwei ineinander verschachtelte Spiralrillen auf derselben Plattenseite – welche die Nadel erwischt, ist reiner Zufall.

Am 7. Dezember 1973 erschien in Großbritannien The Monty Python Matching Tie and Handkerchief, veröffentlicht bei Charisma Records. Auf den ersten Blick ein gewöhnliches Comedy-Album mit Sketchen der britischen Gruppe. Ungewöhnlich war, dass auf dem Cover bewusst keine Titelliste für Seite zwei abgedruckt war – ein erstes, unauffälliges Signal dafür, dass mit dieser Seite etwas nicht stimmte.

02Wie man zwei Rillen auf eine Seite presst

Der eigentliche Trick steckte im Presswerk: Mastering-Ingenieur George „Porky“ Peckham schnitt auf der zweiten Seite nicht eine durchgehende Rille, sondern zwei separate, ineinander verschachtelte Spiralrillen, deutlich weiter auseinander gesetzt als üblich – wodurch sich zugleich die Spielzeit jeder einzelnen Rille etwa halbierte. Setzte man die Nadel auf, landete sie durch reinen Zufall in der einen oder der anderen Rille und spielte damit ein jeweils anderes Programm an Sketchen ab.

Weil beide Rillen dieselbe Fläche der Platte belegen, wirkte Seite zwei dadurch inoffiziell wie eine dritte Seite – ein Effekt, den Sammler bis heute als „three-sided record“ bezeichnen, obwohl die Platte physisch ganz normal zwei Seiten hat.

03Warum niemand es kommen sah

Damit der Überraschungseffekt nicht durch das Etikett verraten wurde, ließ die Band beide Label-Aufdrucke von Seite zwei absichtlich identisch gestalten: Beide trugen denselben Text – die einzige Möglichkeit, die tatsächlich gepresste Rille zu erkennen, waren winzige, kaum lesbare Matrixnummern am Plattenrand. Wer die Platte zum zweiten Mal auflegte, konnte deshalb plötzlich Sketche hören, die beim ersten Durchlauf gar nicht vorkamen – für viele Käufer ein Moment ehrlicher Verwirrung, genau wie es die Band beabsichtigt hatte.

Bei späteren Neuauflagen auf CD verschwand der Trick zwangsläufig: Digitale Formate kennen keine Nadel, die zufällig in die eine oder andere Rille fällt. Was bleibt, ist eines der frühesten Beispiele dafür, dass eine Schallplatte mehr sein kann als ein Tonträger – nämlich ein physisches Objekt mit eigenen, nicht vollständig kontrollierbaren Eigenheiten.

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