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Künstlerporträt

Buena Vista Social Club

Eine Handvoll fast vergessener Musiker aus Havanna, die mit über siebzig noch einmal auf die großen Bühnen der Welt kamen.

Buena Vista Social Club war eigentlich keine Band, sondern ein Zufall: Ein geplantes Projekt platzte, und stattdessen trafen sich in einem alten Studio in Havanna Sänger und Instrumentalisten, deren große Zeit Jahrzehnte zurücklag. Sie spielten Son, Boleros und Guajiras, die Musik der kubanischen Tanzsäle der Vierziger und Fünfziger. Das Album wurde zur meistverkauften Platte der sogenannten Weltmusik. Wim Wenders’ Film machte die Gesichter dazu berühmt, und plötzlich kannte die halbe Welt Compay Segundo, Rubén González, Ibrahim Ferrer und Omara Portuondo.

In diesem Porträt

  1. 01Der Club 1932–1962
  2. 02Vergessen 1962–1995
  3. 03Die Aufnahmen 1996–1997
  4. 04Der Film 1998–1999
  5. 05Späte Solokarrieren 1999–2005
  6. 06Was bleibt 2005–heute

1932–1962

01 Der Club

Den Buenavista Social Club gab es wirklich. Er wurde 1932 in Havanna gegründet, als Treffpunkt der schwarzen Bevölkerung mit Tanzabenden und Livemusik, und zog 1939 in den Stadtteil Marianao. Nach der Revolution wurden solche Vereine aufgelöst, der Club verschwand Anfang der Sechziger.

Die Musiker, die später unter diesem Namen bekannt wurden, hatten ihre Laufbahn in genau dieser Welt begonnen. Compay Segundo, geboren 1907, spielte seit den Zwanzigern Gitarre und Tres. Der Pianist Rubén González und der Sänger Ibrahim Ferrer standen in den Fünfzigern mit bekannten Orchestern auf der Bühne.

1962–1995

02 Vergessen

In den folgenden Jahrzehnten gerieten viele von ihnen in Vergessenheit. Der Geschmack in Kuba änderte sich, neue Stile wie Salsa und Timba bestimmten die Tanzflächen. Ibrahim Ferrer hatte sich weitgehend aus der Musik zurückgezogen, Rubén González besaß zeitweise nicht einmal mehr ein eigenes Klavier.

Der junge Bandleader und Arrangeur Juan de Marcos González kannte die alten Meister und wollte ihre Musik noch einmal aufnehmen. Beim Londoner Label World Circuit fand er in Nick Gold einen Partner, der gerade ein ganz anderes Projekt plante.

1996–1997

03 Die Aufnahmen

Cover von Buena Vista Social Club
Buena Vista Social Club · 1997

Nick Gold wollte kubanische Musiker mit zwei Gitarristen aus Mali zusammenbringen, der amerikanische Gitarrist Ry Cooder sollte produzieren. Doch die Musiker aus Mali bekamen keine Visa. Im März 1996 stand Cooder in den alten Egrem-Studios in Havanna, deren Technik und Stimmung sich seit den Fünfzigern kaum verändert hatten – und nahm mit den Kubanern stattdessen ihre eigene Musik auf.

Juan de Marcos González holte die Musiker zusammen: Compay Segundo, Rubén González, Ibrahim Ferrer, Eliades Ochoa, Omara Portuondo, den Bassisten Orlando „Cachaíto“ López, den Laúd-Spieler Barbarito Torres und viele mehr. Das Album erschien 1997 mit vierzehn Stücken, darunter „Chan Chan“ von Compay Segundo, „El cuarto de Tula“ und „Dos gardenias“. Den Titel lieferte ein Stück von Israel „Cachao“ López, dem Onkel von Cachaíto. 1998 gewann das Album einen Grammy.

1998–1999

04 Der Film

Ry Cooder kehrte mit dem Regisseur Wim Wenders nach Havanna zurück. Wenders filmte die Musiker in ihrem Alltag und bei den ersten großen Konzerten, im April 1998 in Amsterdam und am 1. Juli 1998 in der Carnegie Hall in New York. Die Musiker, viele weit über siebzig, wurden gefeiert wie Popstars.

Der Dokumentarfilm kam 1999 in die Kinos und wurde für einen Oscar nominiert. Er löste eine weltweite Begeisterung für kubanische Musik aus, und das Album verkaufte sich millionenfach.

1999–2005

05 Späte Solokarrieren

Unter dem Namen „Buena Vista Social Club presents“ erschienen Soloalben der beteiligten Musiker, als erstes das von Ibrahim Ferrer. Die Musiker gingen gemeinsam und einzeln auf Tournee und spielten vor Zehntausenden.

Die späten Erfolge kamen für viele gerade noch rechtzeitig. Compay Segundo starb 2003 mit 95 Jahren, Rubén González im selben Jahr, Ibrahim Ferrer 2005.

2005–heute

06 Was bleibt

Omara Portuondo, die einzige Frau der ursprünglichen Runde, trat noch viele Jahre mit der Musik des Buena Vista Social Club auf. Das Album verkaufte sich weltweit mehr als acht Millionen Mal.

Die Geschichte der Aufnahmen wurde sogar zum Musical: 2025 kam „Buena Vista Social Club“ an den Broadway und gewann vier Tony Awards. Die Platte selbst ist für viele bis heute der erste Zugang zur Musik Kubas.

Hörtipp

Buena Vista Social Club passt zu einem warmen Sommerabend, wenn die Gespräche leiser werden dürfen und „Chan Chan“ den Raum ganz allmählich zum Schwingen bringt. Zur Album-Story →

Das Album bei Musik Ungestört

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