Künstlerporträt
Paul Simon
Ein Songschreiber, der nach dem Ende von Simon & Garfunkel immer neue Rhythmen suchte – bis nach Südafrika und Brasilien.
Paul Simon gehört zu den genauesten Songschreibern der amerikanischen Popmusik. Nach der Trennung von Art Garfunkel suchte er nicht den sicheren Weg, sondern neue Klänge: Reggae in Jamaika, Soul in Alabama, Gospel und Jazz. Mitte der Achtziger, als seine Karriere zu stocken schien, fand er in der Musik Südafrikas einen neuen Anfang. Graceland wurde sein erfolgreichstes Album und brachte vielen Hörern Musiker nahe, die sie sonst nie gehört hätten.
In diesem Porträt
1941–1970
01 Queens
Paul Simon wurde am 13. Oktober 1941 in Newark im Bundesstaat New Jersey geboren und wuchs in Queens auf. Sein Vater war Bassist und Bandleader.
Schon als Schüler sang er mit Art Garfunkel. Als Simon & Garfunkel schrieben sie in den Sechzigern Musikgeschichte, bis sich das Duo 1970 nach Bridge Over Troubled Water trennte.
1971–1976
02 Allein
Sein Soloalbum Paul Simon erschien 1972. Die Single „Mother and Child Reunion“ nahm er in Kingston mit jamaikanischen Musikern auf, lange bevor Reggae in den USA bekannt war. Für There Goes Rhymin’ Simon arbeitete er 1973 mit den Studiomusikern aus Muscle Shoals in Alabama, darauf stehen „Kodachrome“ und „Loves Me Like a Rock“.
Still Crazy After All These Years von 1975 mit „50 Ways to Leave Your Lover“ gewann den Grammy als Album des Jahres. Simon war jetzt auch ohne Garfunkel ein Star.
1977–1984
03 Krise
Für den Film One-Trick Pony, der 1980 erschien, schrieb er das Drehbuch, spielte die Hauptrolle und lieferte die Musik. Der Film fand kaum Publikum.
Nach dem großen Konzert mit Garfunkel im Central Park 1981 war eine neue gemeinsame Platte geplant. Am Ende erschien Hearts and Bones 1983 als Soloalbum und verkaufte sich schlecht. Simon wusste nicht recht, wie es weitergehen sollte.
1984–1987
04 Graceland
1984 hörte Simon eine Kassette mit Mbaqanga, einer tanzbaren Straßenmusik aus den Townships Südafrikas. Im Februar 1985 reiste er mit dem Toningenieur Roy Halee nach Johannesburg und nahm dort zwei Wochen lang mit einheimischen Musikern auf. Weil er damit den kulturellen Boykott gegen das Apartheidregime brach, wurde er scharf kritisiert. Simon hielt dagegen, dass hier schwarze und weiße Musiker gleichberechtigt zusammenarbeiteten.
Die Texte schrieb er erst zu den fertigen Aufnahmen. In New York kamen weitere Stücke dazu, mit dem Gitarristen Ray Phiri und dem Bassisten Bakithi Kumalo, dessen Lauf in „You Can Call Me Al“ berühmt wurde. Der Chor Ladysmith Black Mambazo singt auf „Homeless“ und „Diamonds on the Soles of Her Shoes“, die Everly Brothers auf dem Titelsong, dazu kommen Los Lobos und Musiker aus Louisiana. Graceland erschien am 25. August 1986 und gewann den Grammy als Album des Jahres. Auf der Tournee 1987 standen Miriam Makeba und Hugh Masekela mit auf der Bühne.
1988–2006
05 Neue Rhythmen
Für The Rhythm of the Saints arbeitete er 1990 mit Trommlern aus Brasilien, darunter die Gruppe Olodum aus Salvador da Bahia. 1991 spielte er allein ein großes Konzert im Central Park.
Sein Broadway-Musical The Capeman floppte 1998. Für das Album Surprise holte er sich 2006 Brian Eno als Partner für Klangflächen und Elektronik.
2007–heute
06 Späte Jahre
2007 erhielt er als Erster den Gershwin-Preis der Library of Congress für populäre Musik. Mit Stranger to Stranger von 2016 kam er noch einmal an die Spitze der britischen Charts. Im September 2018 beendete er seine letzte große Tournee mit einem Konzert in Queens, nicht weit von dort, wo er aufgewachsen war.
2023 veröffentlichte er Seven Psalms, ein ruhiges, 33 Minuten langes Werk, das ohne Pausen durchläuft.
Hörtipp
Graceland ist ein Album für einen geselligen Abend, der ruhig lebhaft werden darf – die Rhythmen tragen, und die Texte belohnen alle, die genauer hinhören. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Mit Art Garfunkel wurde Paul Simon in den Sechzigern berühmt; fast alle Lieder des Duos stammen von ihm.
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Brian Eno arbeitete 2006 als Partner für Klang und Elektronik an Simons Album Surprise mit.
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