Künstlerporträt
Burial
Ein Produzent aus Südlondon, der aus Knistern, Regen und verwehten Stimmen die Musik einer schlafenden Großstadt baute.
Burial ist William Bevan, ein Produzent aus Südlondon, der lange Zeit anonym blieb. Seine Musik kommt aus der britischen Rave-Kultur, aus Jungle, Garage und Dubstep, klingt aber, als hätte man die Party verpasst und liefe allein im Nachtbus nach Hause. Knisternde Schallplatten, verhallte Stimmen und gedämpfte Rhythmen ergeben eine Stimmung zwischen Melancholie und Trost. Sein zweites Album Untrue gilt vielen als eines der wichtigsten elektronischen Alben seiner Zeit.
In diesem Porträt
bis 2005
01 Südlondon
William Bevan wuchs in Südlondon auf und besuchte die Elliott School in Putney, an der auch Kieran Hebden alias Four Tet und später die Mitglieder von The xx lernten. Seine älteren Brüder brachten ihm die Rave-Kultur nahe: Jungle- und Garage-Platten, die er zu Hause hörte, lange bevor er selbst in Clubs ging.
Besonders die dunkleren Stücke dieser Szenen faszinierten ihn. 2005 nahm ihn der Produzent Kode9 für sein kleines Label Hyperdub unter Vertrag.
2006
02 Das Debüt
2006 erschien das Debütalbum Burial. Es klang wie ein Nachruf auf die Raves der Neunziger: Bässe aus dem Dubstep, dazu Knistern und Rauschen, als würde man durch Wände hindurch hören.
Wer hinter dem Namen steckte, wusste kaum jemand. Burial gab keine Interviews mit Foto und trat nicht auf. Das Album wurde in Fachkreisen hoch gelobt, blieb aber zunächst ein Geheimtipp.
2007–2008
03 Untrue
Untrue entstand 2007, fast vollständig mit dem Audio-Editor Sound Forge statt mit einer üblichen Musiksoftware. Bevan arbeitete nachts und setzte die Stücke aus kleinen Klangschnipseln zusammen. Die Stimmen stammen aus A-cappella-Aufnahmen, die er Wort für Wort neu zusammensetzte und in der Tonhöhe verschob, bis sie weder männlich noch weiblich klangen.
Das Album erschien am 5. November 2007 bei Hyperdub, mit Stücken wie „Archangel“, „Near Dark“, „Ghost Hardware“ und dem Titelstück. 2008 wurde es für den Mercury Prize nominiert, die Verkäufe schnellten in die Höhe.
2008
04 Ein Name
Die Nominierung machte die Neugier auf den Menschen hinter der Musik groß. Im August 2008 nannte Bevan selbst seinen Namen und stellte ein Foto ins Netz. Er sei ein zurückhaltender Mensch, schrieb er, und wolle einfach nur Musik machen.
Daran hielt er sich. Auch danach gab er nur wenige Interviews und spielte keine Konzerte.
2009–2013
05 Kurze Formen
Statt weiterer Alben veröffentlichte Burial einzelne Stücke und EPs. Mit seinem früheren Mitschüler Four Tet nahm er 2009 „Moth“ und „Wolf Cub“ auf, 2011 kam Thom Yorke von Radiohead für „Ego“ und „Mirror“ dazu. Im selben Jahr bearbeitete er Stücke von Massive Attack.
Die EPs Street Halo, Kindred und Rival Dealer wurden immer länger und freier, einzelne Stücke dauern über zehn Minuten.
2014–heute
06 Was bleibt
Burial blieb bei kurzen Veröffentlichungen, darunter 2022 Antidawn, sein ruhigstes Werk, fast ohne Beats. 2024 folgte mit Dreamfear eine Rückkehr zur schnellen Rave-Energie.
Sein Klang hat eine ganze Generation von Produzentinnen und Produzenten geprägt. Untrue ist die Platte, auf die man sich einigt, wenn es um die Stimmung einer Stadt bei Nacht geht.
Hörtipp
Untrue gehört in die späte Stunde eines Abends, bei gedämpftem Licht, wenn der Regen draußen gut zu den knisternden Stimmen passt. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Künstlerporträt
Four Tet
1 Album auf dieser Seite
Four Tet und Burial besuchten dieselbe Schule in Südlondon und nahmen 2009 gemeinsam „Moth“ und „Wolf Cub“ auf.
Zum Porträt → -
Massive Attack
Mezzanine
1998rund 63 Minuten
Burial arbeitete 2011 mit Massive Attack zusammen, deren dunkler, nächtlicher Bristol-Sound gut neben Untrue steht.
Zur Album-Story →
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