Künstlerporträt
RAYE
Eine Songschreiberin aus Südlondon, die jahrelang Hits für andere schrieb und erst nach dem Bruch mit ihrem Label ihre eigene Stimme durchsetzte.
RAYE, mit bürgerlichem Namen Rachel Keen, hat eine lange Lehrzeit hinter sich. Schon als Teenager unterschrieb sie bei einem großen Label, schrieb Songs für Beyoncé, Little Mix und John Legend und sang auf Tanzhits anderer Leute. Ihr eigenes Album aber kam jahrelang nicht heraus – bis sie sich 2021 öffentlich von ihrer Plattenfirma trennte. Seitdem gehören ihr die eigenen Aufnahmen, und ihre Musik greift weit aus: Soul, Jazz, Swing, House und Orchester, oft in einem einzigen Album. Mit dem Debüt My 21st Century Blues und dem zweiten Album This Music May Contain Hope. wurde sie zu einer der wichtigsten britischen Künstlerinnen ihrer Generation.
In diesem Porträt
1997–2014
01 Tooting und Croydon
Rachel Agatha Keen wurde am 24. Oktober 1997 in Tooting im Süden Londons geboren. Ihre Mutter hat ghanaische und schweizerische Wurzeln, ihr Vater stammt aus Yorkshire. Sie wuchs in Croydon auf, als älteste von vier Schwestern; zwei von ihnen, Absolutely und Amma, machen heute selbst Musik.
Mit 14 kam sie an die BRIT School in Croydon, die Kunstschule, an der auch Amy Winehouse und Adele gelernt hatten, verließ sie aber nach zwei Jahren. Im November 2014 stellte sie mit 17 ihre erste EP, Welcome to the Winter, selbst ins Netz.
2014–2020
02 Songs für andere
Noch als Jugendliche unterschrieb sie bei Polydor. Unter eigenem Namen erschienen zunächst nur EPs und Singles. Bekannt wurde ihre Stimme vor allem durch andere: 2016 sang sie auf „You Don’t Know Me“ von Jax Jones, das in Großbritannien auf Platz 3 kam, und die BBC nahm sie in ihre Liste der Talente für 2017 auf.
Gleichzeitig wurde sie eine gefragte Songschreiberin. Sie schrieb mit an Liedern für Charli XCX, Ellie Goulding, Little Mix, John Legend, Mabel und Rita Ora, 2019 auch an „Bigger“ für Beyoncés Album The Lion King: The Gift. Als Gastsängerin landete sie weitere Hits, 2020 etwa „Secrets“ mit Regard und 2021 „Bed“ mit Joel Corry und David Guetta.
2021–2022
03 Der Bruch mit Polydor
Im Juni 2021 machte RAYE öffentlich, dass Polydor ihr Debütalbum seit Jahren zurückhielt, obwohl sie längst genug Songs dafür hatte. Kurz darauf trennte sie sich vom Label. Für eine Künstlerin, die mit Auftragssongs und Gastauftritten Geld verdiente, war das ein Risiko.
2022 begann sie die Zusammenarbeit mit Human Re Sources, einer Firma, bei der sie die Rechte an ihren Aufnahmen selbst behält. Im Juni erschien „Hard Out Here“, eine wütende Abrechnung mit der Musikindustrie, im Oktober „Escapism“ mit 070 Shake. Der Song verbreitete sich langsam über soziale Netzwerke und stand Anfang 2023 auf Platz 1 der britischen Charts – ihr erster Nummer-eins-Hit unter eigenem Namen.
2023–2024
04 My 21st Century Blues
Am 3. Februar 2023 erschien endlich ihr Debütalbum My 21st Century Blues, zum großen Teil produziert mit Mike Sabath. Es springt zwischen House, Blues, R&B, Hip-Hop und Jazz und erzählt offen von schwierigen Erfahrungen, auch von Sucht und Gewalt. Das Album kam auf Platz 2 der britischen Charts und stand auf der Shortlist des Mercury Prize. Im Herbst folgte ein Live-Album mit Orchester aus der Royal Albert Hall.
Bei den Brit Awards im März 2024 gewann RAYE sechs Preise an einem Abend, so viele wie niemand zuvor – darunter Künstlerin des Jahres, Album des Jahres und als erste Frau den Preis für Songwriting. Im selben Jahr schrieb sie an „Riiverdance“ für Beyoncés Cowboy Carter mit, und im September 2024 veröffentlichte sie überraschend einen Mitschnitt vom Montreux Jazz Festival.
2025–2026
05 This Music May Contain Hope.
Die Arbeit am zweiten Album begann schon Ende 2023, zwischen zwei Jahren fast ohne Tourpause. Anfang 2025 zog sie sich mit Mike Sabath für zehn Tage in ein gemietetes Ferienhaus in Big Bear Lake in Kalifornien zurück. Dort entstanden unter anderem „Where Is My Husband!“, „Joy“ und „Skin & Bones“. Im Mai 2025 schickte sie Hans Zimmer eine grobe Demo – daraus wurde „Click Clack Symphony“, eingespielt mit dem Nashville Music Scoring Orchestra.
Das Album erschien am 27. März 2026 und ist in vier Jahreszeiten gebaut, vom Herbst bis zum Sommer. Das London Symphony Orchestra spielt auf fünf Titeln, Al Green singt auf „Goodbye Henry“, ihre Schwestern auf „Joy“, und für „Fields“ kam ihr Großvater nach London, um den Song mit ihr zu schreiben und aufzunehmen. In „I Will Overcome“ singt sie gegen die ständigen Vergleiche mit Amy Winehouse an.
„Where Is My Husband!“ war schon im September 2025 ihre zweite Nummer eins in Großbritannien geworden. Das Album stieg ebenfalls auf Platz 1 ein, ihr erstes Nummer-eins-Album, und erreichte auch in den Niederlanden und der Schweiz die Spitze, in Deutschland Platz 3. Viele große britische Zeitungen und Magazine gaben die Höchstwertung.
2026–heute
06 Was bleibt
Anfang 2025 war RAYE für drei Grammys nominiert, darunter als beste Neuentdeckung. 2026 zeichnete die amerikanische Songwriters Hall of Fame sie mit dem Hal David Starlight Award aus, einem Preis für junge Songschreiber.
Ihre Geschichte hat in der britischen Musikbranche etwas verschoben: Sie zeigte, dass eine Künstlerin ohne großes Label die wichtigsten Preise gewinnen kann und dass Ehrgeiz im Popsong wieder Platz hat – mit Orchester, langen Alben und ganz eigener Handschrift.
Hörtipp
This Music May Contain Hope. dauert 73 Minuten und ist auf Vinyl in vier Seiten für vier Jahreszeiten geteilt – am schönsten an einem langen Abend, bei dem nach jeder Seite kurz Pause ist. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Künstlerporträt
Amy Winehouse
1 Album auf dieser Seite
Die Vergleiche mit Amy Winehouse begleiten RAYE seit Jahren – beide Londonerinnen, beide an der BRIT School, beide mit Soul, Jazz und schonungslos ehrlichen Texten.
Zum Porträt → -
Beyonce
Lemonade
2016rund 46 Minuten
RAYE schrieb für Beyoncé mit, an „Bigger“ und „Riiverdance“; Lemonade ist wie ihr zweites Album eine Erzählung in Kapiteln, von der Kränkung bis zur Versöhnung.
Zur Album-Story →
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