Künstlerporträt
Steely Dan
Zwei Perfektionisten aus New York, die im Studio Jazz, Rock und bissige Geschichten so glatt polierten, dass man die Kanten erst beim zweiten Hören bemerkt.
Hinter Steely Dan standen im Kern nur zwei Menschen: der Keyboarder und Sänger Donald Fagen und der Bassist und Gitarrist Walter Becker. Sie schrieben Popsongs mit Jazzharmonien, erzählten darin von Verlierern, Gaunern und Träumern und holten sich für jede Spur die besten Studiomusiker, die sie finden konnten. Ab 1974 spielten sie keine Konzerte mehr und arbeiteten nur noch im Studio, oft monatelang an einem einzigen Song. Das Ergebnis klingt bis heute so sauber, dass viele Hi-Fi-Liebhaber ihre Anlagen mit diesen Platten testen.
In diesem Porträt
1967–1971
01 Bard College
Walter Becker und Donald Fagen lernten sich 1967 am Bard College kennen, einer kleinen Hochschule im Hudson Valley nördlich von New York. Beide liebten Jazz, schwarzen Humor und die Literatur der Beat-Generation.
Nach dem Studium versuchten sie, in New York als Songschreiber Fuß zu fassen, und spielten eine Weile in der Begleitband der Gruppe Jay and the Americans. Kaum jemand wollte ihre verschachtelten Lieder singen.
1971–1974
02 Los Angeles
Der Produzent Gary Katz holte die beiden als Hausautoren zur Plattenfirma ABC nach Los Angeles. Weil ihre Songs für andere zu sperrig waren, gründeten sie eine eigene Band. Den Namen entliehen sie einem Roman von William S. Burroughs. Das Debüt Can’t Buy a Thrill erschien 1972 mit den Hits „Do It Again“ und „Reelin’ in the Years“.
Es folgten Countdown to Ecstasy und 1974 Pretzel Logic mit „Rikki Don’t Lose That Number“. Ende 1974 hörten Becker und Fagen auf zu touren. Die Band löste sich praktisch auf, Steely Dan waren fortan die beiden und wer gerade im Studio saß.
1975–1976
03 Nur noch Studio
Auf Katy Lied und The Royal Scam spielten wechselnde Studiomusiker aus Los Angeles und New York, darunter der Gitarrist Larry Carlton. Gary Katz blieb Produzent, Roger Nichols der Toningenieur, der den Klang der Band prägte.
In „Everything You Did“ von The Royal Scam heißt es, man solle die Eagles lauter drehen, weil die Nachbarn zuhören. Die Eagles antworteten ein Jahr später in „Hotel California“ mit einer Zeile über „steely knives“.
1977
04 Aja
Für Aja gingen Becker und Fagen durch mehrere Studios in Los Angeles und New York und ließen manche Parts von mehreren Musikern einspielen, bis ein Take genau so klang, wie sie ihn hören wollten – das Gitarrensolo in „Peg“ bekam erst Jay Graydon, nachdem sich mehrere andere Gitarristen daran versucht hatten. Im Titelstück spielen Steve Gadd am Schlagzeug und Wayne Shorter am Saxofon, in „Home at Last“ legt Bernard Purdie seinen typischen schleppenden Shuffle hin.
Das Album erschien am 23. September 1977 mit nur sieben Stücken, darunter „Deacon Blues“, „Peg“ und „Josie“. Es stieg in den USA auf Platz drei, wurde das erfolgreichste der Band und gewann 1978 den Grammy für die beste Tontechnik. Viele Jazzmusiker, die sonst wenig mit Pop anfangen konnten, nahmen Steely Dan von da an ernst.
1978–1999
05 Pause
Die Arbeit an Gaucho zog sich über zwei Jahre, das Album erschien 1980. Im Juni 1981 trennten sich Becker und Fagen.
Fagen veröffentlichte 1982 sein Soloalbum The Nightfly, Becker zog sich nach Hawaii zurück und arbeitete als Produzent. 1993 standen die beiden wieder gemeinsam auf der Bühne und gingen zum ersten Mal seit fast zwanzig Jahren auf Tournee.
2000–heute
06 Späte Jahre
Two Against Nature erschien im Jahr 2000 und gewann vier Grammys, darunter den als Album des Jahres. Im selben Jahr wurden Steely Dan in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. 2003 folgte Everything Must Go.
Walter Becker starb am 3. September 2017. Donald Fagen führt Steely Dan seitdem mit einer großen Band auf der Bühne weiter.
Hörtipp
Aja ist ein Album für eine gute Anlage und einen späten Abend. Wer genau hinhört, entdeckt bei jedem Durchgang ein neues Detail. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
Weiterhören
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Eagles
Hotel California
1976rund 43 Minuten
Steely Dan und die Eagles grüßten sich gegenseitig in ihren Songtexten – die „steely knives“ in „Hotel California“ sind eine Antwort auf Becker und Fagen.
Zur Album-Story → -
Miles Davis
Bitches Brew
1970rund 94 Minuten
Wayne Shorter, der auf Aja das Saxofonsolo im Titelstück spielt, gehört auch zur Besetzung von Miles Davis’ Bitches Brew.
Zur Album-Story →
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