Künstlerporträt
Supertramp
Eine britische Band mit zwei ungleichen Songschreibern, die aus Progressive Rock eingängige, wehmütige Popsongs mit Klavier und Saxofon machte.
Supertramp lebte von einem Gegensatz: Roger Hodgson mit seiner hellen, fast kindlichen Stimme und seinen Sehnsuchtsliedern, Rick Davies mit bluesigem Bariton, Wurlitzer-Klavier und trockenem Humor. Dazu kamen John Helliwells Saxofon und eine Produktion, in der jedes Instrument seinen Platz hat. Nach zwei Fehlstarts gelang 1974 mit Crime of the Century der Durchbruch, fünf Jahre später mit Breakfast in America der Welterfolg. Bis heute sind ihre Alben Standard für alle, die zu Hause Lautsprecher ausprobieren wollen.
In diesem Porträt
1969–1972
01 Ein Mäzen und zwei Songschreiber
Rick Davies aus Swindon suchte 1969 per Anzeige Musiker für eine neue Band. Finanziert wurde das Projekt von dem niederländischen Millionär Stanley August Miesegaes. Unter den Bewerbern war der junge Roger Hodgson, und die beiden wurden die Songschreiber der Gruppe.
Den Namen entlieh die Band einem Buch des Dichters W. H. Davies, The Autobiography of a Super-Tramp. Das Debüt von 1970 und Indelibly Stamped von 1971 verkauften sich kaum, die Besetzung wechselte, und 1972 zog sich der Geldgeber zurück.
1973–1974
02 Crime of the Century
Davies und Hodgson stellten eine neue Band zusammen: Dougie Thomson am Bass, Bob Siebenberg am Schlagzeug und John Helliwell an Saxofon und Klarinette. Vor den Aufnahmen probten sie monatelang auf einem alten Bauernhof in Dorset und wählten aus Dutzenden Demos acht Songs aus. Aufgenommen wurde von Februar bis Juni 1974 in Londoner Studios, darunter Trident und Ramport, mit Ken Scott als Koproduzent, der zuvor mit David Bowie gearbeitet hatte.
Crime of the Century erschien im Oktober 1974 und ist als zusammenhängende Geschichte angelegt, von „School“ über „Hide in Your Shell“ und „Asylum“ bis zum Titelstück. Die Single „Dreamer“ wurde ein Hit in Großbritannien, das Album erreichte dort Platz 4 und in Kanada später Diamant-Status. Auf dem Cover schweben Hände an Gitterstäben durch den Sternenhimmel.
1975–1978
03 Aufstieg
Schon 1975 folgte Crisis? What Crisis?, entstanden in der knappen Zeit zwischen zwei Tourneen. Mitte der Siebziger verlegte die Band ihren Sitz nach Los Angeles.
Even in the Quietest Moments… von 1977 enthielt „Give a Little Bit“, Hodgsons fröhlichen Aufruf zu mehr Mitmenschlichkeit, der in Nordamerika zum Hit wurde.
1979–1983
04 Breakfast in America
Breakfast in America erschien 1979 und stand in den USA mehrere Wochen auf Platz 1. „The Logical Song“, „Goodbye Stranger“, „Take the Long Way Home“ und das Titelstück liefen weltweit im Radio. Das Album wurde eines der meistverkauften seiner Zeit.
1980 folgte das Livealbum Paris, 1982 …Famous Last Words… mit „It’s Raining Again“. Danach verließ Roger Hodgson die Band 1983, um solo weiterzumachen.
1985–2002
05 Ohne Hodgson
Rick Davies führte Supertramp allein weiter. Auf Brother Where You Bound von 1985 spielt David Gilmour von Pink Floyd ein Gitarrensolo, 1987 folgte Free as a Bird.
Nach einer langen Pause kam die Band 1997 mit Some Things Never Change zurück, 2002 erschien mit Slow Motion das letzte Studioalbum.
2002–heute
06 Was bleibt
2010 ging Supertramp noch einmal auf große Europatournee. Rick Davies starb am 6. September 2025 mit 81 Jahren. Roger Hodgson spielte die Lieder aus seiner Zeit in der Band auch als Solokünstler weiter auf seinen Konzerten.
Die Alben der Siebziger gelten als Musterbeispiele für sorgfältige Klangproduktion. Das Klavier von „Dreamer“ und das Saxofon von „The Logical Song“ erkennt man nach wenigen Tönen.
Hörtipp
Crime of the Century ist ein Album für eine gute Anlage und einen Abend, an dem man beide Seiten ohne Unterbrechung hört – vom Mundharmonika-Beginn von „School“ bis zum großen Finale des Titelstücks. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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1972rund 39 Minuten
Ken Scott, Koproduzent von Crime of the Century, hatte kurz zuvor Ziggy Stardust für David Bowie mitproduziert.
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