Künstlerporträt
Pink Floyd
Die Band, bei der das Album selbst zum Instrument wurde – mit Übergängen, Geräuschen und Stimmen, die man nur am Stück versteht.
Pink Floyd haben Musik gemacht, die man nicht nebenbei hören kann. Ihre Alben sind Räume, durch die man hindurchgeht: Songs fließen ineinander, Uhren ticken, Kassen klingeln, Stimmen tauchen aus dem Hintergrund auf. Dass zwei ihrer Platten zu den meistverkauften aller Zeiten gehören, obwohl sie von Wahnsinn, Verlust und Entfremdung handeln, sagt viel darüber, wie sehr diese Musik die Menschen berührt.
In diesem Porträt
1965–1968
01 Die Zeit mit Syd Barrett
Roger Waters, Nick Mason und Richard Wright lernten sich als Architekturstudenten in London kennen. Mit Syd Barrett, einem Freund von Waters aus Cambridge, gründeten sie Mitte der Sechziger eine Band und nannten sie nach zwei amerikanischen Bluesmusikern, Pink Anderson und Floyd Council. Mit langen Improvisationen und bunten Lichtprojektionen wurden sie zur Hausband der Londoner Psychedelic-Szene.
Ihr erstes Album The Piper at the Gates of Dawn nahmen sie 1967 in den Abbey Road Studios auf, während im Nachbarraum die Beatles an Sgt. Pepper arbeiteten. Barrett schrieb fast alle Songs, verspielt und rätselhaft. Doch er wurde zunehmend unberechenbar und war auf der Bühne kaum noch ansprechbar. Anfang 1968 kam David Gilmour als zweiter Gitarrist dazu, kurz darauf verließ Barrett die Band.
1968–1972
02 Auf der Suche
Ohne ihren Songschreiber mussten die vier sich neu erfinden. Es folgten Jahre des Experimentierens mit Filmmusik, Klangcollagen und langen Instrumentalstücken. Atom Heart Mother von 1970, mit einer Kuh auf dem Cover und einem Orchester auf der ersten Seite, wurde ihr erstes Nummer-eins-Album in Großbritannien.
Auf Meddle von 1971 fanden sie mit „Echoes“, einem über zwanzigminütigen Stück, zu ihrem eigenen Klang: langsam, weiträumig, getragen von Gilmours singender Gitarre und Wrights Orgel. Im Herbst desselben Jahres filmten sie im leeren Amphitheater von Pompeji ein Konzert ohne Publikum.
1972–1974
03 The Dark Side of the Moon
Das neue Material spielten Pink Floyd zunächst monatelang live, bevor sie es aufnahmen. In den Abbey Road Studios arbeiteten sie mit dem jungen Toningenieur Alan Parsons und nutzten alles, was die Technik hergab: Tonbandschleifen, Synthesizer, Mehrspuraufnahmen. Für die gesprochenen Einwürfe befragte Waters Roadies, Studiomitarbeiter und den Türsteher des Studios zu Themen wie Tod, Gewalt und Wahnsinn.
The Dark Side of the Moon erschien im März 1973, mit dem Prisma-Cover des Designstudios Hipgnosis. Die Sängerin Clare Torry improvisierte für „The Great Gig in the Sky“ einen wortlosen Gesang, der bis heute Gänsehaut macht. Das Album blieb mehr als 900 Wochen in den amerikanischen Albumcharts und wurde zu einer der meistverkauften Platten der Geschichte.
1974–1975
04 Wish You Were Here
Nach dem riesigen Erfolg wusste die Band nicht recht, wie es weitergehen sollte. Die Arbeit am nächsten Album war zäh. Schließlich wurde es ein Album über Abwesenheit – über die Leere im Musikgeschäft und über Syd Barrett, dem „Shine On You Crazy Diamond“ gewidmet ist, das die Platte umrahmt.
Im Juni 1975 stand bei den Aufnahmen plötzlich ein Mann im Studio, so verändert, dass ihn zunächst niemand erkannte: Syd Barrett. Er blieb eine Weile und verschwand wieder. Für das Cover ließ Hipgnosis in Los Angeles zwei Männer in Anzügen einander die Hand geben, während einer von ihnen tatsächlich brannte – ein Stuntman. Wish You Were Here erschien im September 1975.
1976–1985
05 Die Mauer
Für das Cover von Animals ließen Pink Floyd im Dezember 1976 ein riesiges aufblasbares Schwein über dem Kraftwerk Battersea in London steigen. Es riss sich los und trieb davon, Flugzeuge wurden gewarnt. Das Album erschien 1977 und war ihr wütendstes.
The Wall von 1979 erzählt die Geschichte eines Rockstars, der sich hinter einer Mauer von der Welt abschottet. „Another Brick in the Wall (Part 2)“ mit einem Chor von Londoner Schulkindern wurde ein weltweiter Hit. In der Band gab es inzwischen heftigen Streit. Richard Wright musste während der Aufnahmen gehen, und nach The Final Cut von 1983 verließ auch Roger Waters 1985 die Gruppe.
1987–2014
06 Nach Waters
Gilmour und Mason machten unter dem Namen Pink Floyd weiter, bald wieder mit Wright. A Momentary Lapse of Reason von 1987 und The Division Bell von 1994 füllten Stadien auf der ganzen Welt. Waters und die anderen stritten lange öffentlich und vor Gericht.
Am 2. Juli 2005 standen die vier beim Benefizkonzert Live 8 in London noch einmal gemeinsam auf der Bühne, zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren. Richard Wright starb 2008. Aus alten Aufnahmen mit ihm entstand 2014 The Endless River, das letzte Album unter dem Namen Pink Floyd.
Womit anfangen?
Wish You Were Here: nur fünf Stücke, ruhig im Tempo und doch voller Spannung. Es ist das Album, mit dem auch Gäste gut einsteigen, die sonst nie ganze Platten hören. The Dark Side of the Moon ist der Abend, an dem die Anlage zeigen darf, was sie kann. Zur Album-Story →
Die Alben bei Musik Ungestört
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Pink Floyd
The Dark Side of the Moon
1973rund 43 Minuten
Zehn Titel ohne Pause, sechzehn Spuren, Verzögerungen über sechs Bandmaschinen. Die Nahtlosigkeit entstand am letzten Tag, mit der Rasierklinge.
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Pink Floyd
Wish You Were Here
197544 Minuten
Ein Album über einen abwesenden Freund. Sein längstes Stück ist in zwei Hälften geteilt und liegt am Anfang und am Ende.
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Künstlerporträt
The Beatles
2 Alben auf dieser Seite
Nachbarn im Studio: Während Pink Floyd 1967 ihr Debüt aufnahmen, entstand nebenan Sgt. Pepper.
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Mike Oldfield
Tubular Bells
1973rund 49 Minuten
Ein Album, das wie Pink Floyd als Ganzes gehört werden will: Mike Oldfields Tubular Bells von 1973.
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Pink Floyd gemeinsam hören
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