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Künstlerporträt

The Blue Nile

Drei Männer aus Glasgow, die in dreißig Jahren nur vier Alben machten – jedes davon still, geduldig und voller nächtlicher Großstadtsehnsucht.

The Blue Nile waren eine Band, die sich Zeit ließ wie kaum eine andere. Paul Buchanan, Robert Bell und Paul Joseph Moore bauten ihre Lieder aus Synthesizern, sparsamem Schlagzeug und einer Stimme, die zugleich müde und hoffnungsvoll klingt. Es geht um Straßenlaternen, Regen, späte Züge und die Frage, ob Liebe den Alltag übersteht. Die Band spielte selten live und gab kaum Interviews. Gerade deshalb haben ihre wenigen Platten eine treue, fast verschworene Hörerschaft.

In diesem Porträt

  1. 01Glasgow 1981–1983
  2. 02Ein Vertrag vom Hi-Fi-Hersteller 1983–1984
  3. 03Hats 1985–1989
  4. 04Peace at Last 1990–1996
  5. 05High und das leise Ende 2004–2012
  6. 06Was bleibt 2012–heute

1981–1983

01 Glasgow

Paul Buchanan und Robert Bell kannten sich von der Universität Glasgow, Paul Joseph Moore hatte dort Elektronik studiert. 1981 gründeten die drei The Blue Nile und brachten auf einem eigenen kleinen Label die Single „I Love This Life“ heraus.

Die Single bekam kurz einen Vertrieb über das Label RSO, doch das Unternehmen ging bald darauf pleite, und die Platte verschwand fast spurlos. Die Band arbeitete weiter an Demos, ohne Plattenvertrag und ohne Eile.

1983–1984

02 Ein Vertrag vom Hi-Fi-Hersteller

Der Toningenieur Calum Malcolm spielte in seinem Studio Castlesound Leuten der schottischen Hi-Fi-Firma Linn ein Demo von „Tinseltown in the Rain“ vor. Linn war beeindruckt und bot der Band einen Vertrag an.

Im Mai 1984 erschien A Walk Across the Rooftops. Das Album mit nur sieben Stücken erreichte Platz 12 in Großbritannien und wurde von Kritikern gefeiert. Die Musik klang wie nichts anderes aus dieser Zeit: elektronisch, aber warm, fast kammermusikalisch.

1985–1989

03 Hats

Cover von Hats
Hats · 1989

Die Arbeit am zweiten Album wurde zur Geduldsprobe. Die ersten Sitzungen ab 1985 in Gullane an der schottischen Ostküste brachten kaum Ergebnisse, die Band hatte zu wenig Material, dazu kamen Spannungen und Geldsorgen. Erst zurück in Glasgow löste sich Buchanans Schreibblockade, und die drei entwickelten neue Ideen auf einfachen Vierspurgeräten.

1988 gingen sie wieder zu Calum Malcolm in die Castlesound-Studios, und nun ging es schnell. Hats erschien im Oktober 1989 mit sieben Liedern, von „Over the Hillside“ über „The Downtown Lights“ bis „Saturday Night“. Buchanan singt, spielt Gitarre und Synthesizer, Bell und Moore bauen die Klangflächen dazu.

Das Album erreichte wie sein Vorgänger Platz 12 in Großbritannien, und „The Downtown Lights“ kam in den USA in die Top Ten der Modern-Rock-Charts. Hats wirkt wie ein einziger Spaziergang durch eine Stadt bei Nacht, vom ersten Licht bis zum Samstagabend.

1990–1996

04 Peace at Last

Nach Hats wurde es wieder still um die Band. Die drei gaben kaum Interviews und ließen sich erneut viel Zeit.

1995 nahm Annie Lennox „The Downtown Lights“ für ihr Album Medusa auf. Ein Jahr später erschien Peace at Last bei Warner, mit mehr akustischen Gitarren – wärmer und direkter als alles davor. Es erreichte Platz 13 in Großbritannien.

2004–2012

05 High und das leise Ende

Wieder vergingen acht Jahre, bis 2004 High herauskam. Es wurde mit Platz 10 die höchstplatzierte Platte der Band in Großbritannien.

Kurz vor einer geplanten Tournee Anfang 2005 brach der Kontakt zwischen Moore und den beiden anderen ab. Eine offizielle Trennung wurde nie verkündet, doch die Band machte keine weiteren Aufnahmen. Paul Buchanan veröffentlichte 2012 das Soloalbum Mid Air, fast nur Stimme und Klavier.

2012–heute

06 Was bleibt

The Blue Nile gelten heute als Geheimtipp, den viele Musiker weitergeben. Matty Healy von The 1975 nannte Hats seine liebste Platte der Achtzigerjahre.

2024 erwähnte Taylor Swift die Band in ihrem Lied „Guilty as Sin?“ – danach wurde „The Downtown Lights“ plötzlich um ein Vielfaches häufiger gestreamt. So fanden die leisen Lieder aus Glasgow Jahrzehnte später ein ganz neues Publikum.

Hörtipp

Hats gehört in die späten Abendstunden, am besten bei gedimmtem Licht – die sieben Lieder ergeben zusammen eine einzige Nacht in der Stadt. Zur Album-Story →

Das Album bei Musik Ungestört

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