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Künstlerporträt

The Clash

Die Punkband, die mehr wollte als drei Akkorde – politisch, neugierig und offen für Reggae, Rockabilly, Soul und Dub.

The Clash kamen 1976 mit der ersten Welle des Punk, doch sie blieben nicht lange bei schnellen, lauten Zwei-Minuten-Songs. Joe Strummer und Mick Jones schrieben über Arbeitslosigkeit, Rassismus, Polizeigewalt und Krieg, und sie hörten dabei weit über den Tellerrand: Reggae aus Jamaika, amerikanischen Rock ’n’ Roll, Jazz und später Hip-Hop. Paul Simonon brachte den Bass des Reggae mit, Topper Headon konnte fast jeden Stil trommeln. So wurde aus einer Punkband eine Gruppe, die in wenigen Jahren mehr Musikrichtungen verband als die meisten Bands in ihrer ganzen Laufbahn.

In diesem Porträt

  1. 01London 1952–1976
  2. 02White Riot 1976–1977
  3. 03Rock Against Racism 1978
  4. 04London Calling 1979
  5. 05Sandinista! und das Ende 1980–1986
  6. 06Was bleibt 1986–heute

1952–1976

01 London

Joe Strummer hieß eigentlich John Mellor und wurde 1952 in Ankara geboren, als Sohn eines britischen Diplomaten. Mitte der Siebziger sang er in London bei der Pub-Rock-Band The 101ers.

Mick Jones spielte Gitarre in der Band London SS, Paul Simonon besuchte eine Kunstschule und lernte den Bass erst in der neuen Gruppe. Der Manager Bernard Rhodes brachte sie 1976 mit Strummer zusammen. Nachdem Strummer die Sex Pistols gesehen hatte, verließ er die 101ers und stieg ein.

1976–1977

02 White Riot

Am 4. Juli 1976 spielten The Clash ihr erstes Konzert, im Vorprogramm der Sex Pistols in Sheffield. Im Dezember waren sie mit den Pistols auf der berüchtigten Anarchy Tour unterwegs.

Im Januar 1977 unterschrieben sie bei CBS, im März erschien die Single „White Riot“, im April das Debütalbum The Clash. Darauf steht schon eine Reggae-Coverversion: „Police and Thieves“ von Junior Murvin. Noch im selben Jahr kam Topper Headon als fester Schlagzeuger, und für die Single „Complete Control“ holten sie den jamaikanischen Produzenten Lee Perry.

1978

03 Rock Against Racism

Am 30. April 1978 spielten The Clash vor Zehntausenden im Londoner Victoria Park, beim ersten großen Konzert von Rock Against Racism. Im selben Jahr erschien „(White Man) In Hammersmith Palais“, ein Song über einen Reggae-Abend, der Punk und Reggae ganz selbstverständlich verbindet.

Das zweite Album Give ’Em Enough Rope produzierte der Amerikaner Sandy Pearlman, es erschien im November 1978 und kam in Großbritannien auf Platz zwei. Anfang 1979 tourten The Clash zum ersten Mal durch die USA.

1979

04 London Calling

Cover von London Calling
London Calling · 1979

Im Sommer 1979 probte die Band in einem kleinen Raum in Pimlico und nahm danach in den Wessex Studios in London auf. Produzent war Guy Stevens, der unberechenbar arbeitete, aber die Band anspornte, mit voller Energie zu spielen. Der Organist Mickey Gallagher und eine Bläsergruppe ergänzten die vier.

Heraus kam ein Doppelalbum mit 19 Songs, das Rockabilly, Ska, Reggae, Soul und Jazz zusammenbringt. Der Titelsong warnt vor Überschwemmung und Atomunfall, „Spanish Bombs“ erinnert an den Spanischen Bürgerkrieg, „The Guns of Brixton“ schrieb und sang Paul Simonon. „Lost in the Supermarket“, „Clampdown“ und „Rudie Can’t Fail“ zeigen, wie weit die Band inzwischen gekommen war.

London Calling erschien im Dezember 1979 in Großbritannien und wurde zum Preis einer einfachen LP verkauft. Das Cover zeigt ein Foto von Pennie Smith: Simonon, der in New York seinen Bass auf die Bühne schlägt, dazu rosa und grüne Schrift nach dem Vorbild von Elvis Presleys erstem Album. „Train in Vain“, das nicht auf der Hülle stand, wurde 1980 der erste Hit der Band in den USA.

1980–1986

05 Sandinista! und das Ende

Im Dezember 1980 folgte mit Sandinista! sogar ein Dreifachalbum voller Dub, Gospel, Funk und früher Hip-Hop-Einflüsse. Combat Rock brachte 1982 den größten Erfolg: „Rock the Casbah“ kam in den USA in die Top Ten, dazu „Should I Stay or Should I Go“. Im Herbst spielten The Clash im Vorprogramm von The Who im Shea Stadium in New York.

Doch die Band zerfiel. Topper Headon musste 1982 gehen, im September 1983 wurde auch Mick Jones entlassen. Mit neuen Musikern erschien 1985 noch ein Album, Anfang 1986 lösten sich The Clash auf.

1986–heute

06 Was bleibt

Mick Jones gründete Big Audio Dynamite, Joe Strummer spielte später mit seiner Band The Mescaleros. 1991 kam „Should I Stay or Should I Go“ durch einen Werbespot in Großbritannien auf Platz eins.

Joe Strummer starb im Dezember 2002 mit 50 Jahren. Wenige Monate später wurden The Clash in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Viele Bands nach ihnen, vom Britpop bis zum Punkrock der Neunziger, beriefen sich auf ihre Haltung und ihre Offenheit.

Hörtipp

London Calling ist lang und vielseitig – ideal für einen Abend, an dem man nach jeder Seite kurz aufsteht, nachschenkt und sich darüber wundert, wie viele Stile auf eine einzige Platte passen. Zur Album-Story →

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