Künstlerporträt
The Who
Vier Musiker aus dem Westen Londons, die Lautstärke, Wut und große Ideen zusammenbrachten – und die Rockoper erfanden.
The Who waren auf der Bühne eine der lautesten und wildesten Bands ihrer Zeit: ein Sänger, der das Mikrofon am Kabel kreisen ließ, ein Gitarrist, der seine Instrumente zertrümmerte, ein Schlagzeuger ohne jede Zurückhaltung und ein Bassist, der fast reglos dastand und trotzdem wie eine zweite Leadgitarre spielte. Hinter dem Lärm steckte aber Pete Townshend, ein Songschreiber mit großen Plänen. Er schrieb Hymnen über Jugend und Identität und dachte in ganzen Geschichten statt in einzelnen Singles. Mit Tommy und Quadrophenia machte er das Rockalbum zur Bühne für Erzählungen, und auf Who’s Next gab er dem Synthesizer im Rock eine tragende Rolle.
In diesem Porträt
1944–1964
01 Shepherd’s Bush
Roger Daltrey, Pete Townshend und John Entwistle wuchsen im Westen Londons auf, in Shepherd’s Bush und Acton. Daltrey gründete um 1959 eine Band namens The Detours, in der bald auch Entwistle am Bass und Townshend an der Gitarre spielten.
Anfang 1964 nannte sich die Gruppe The Who, kurz darauf für einige Monate The High Numbers. Im Frühjahr stieß der junge Schlagzeuger Keith Moon dazu. Damit stand die Besetzung, die die Band berühmt machen sollte.
1964–1967
02 My Generation
Im Sommer 1964 stieß Townshend bei einem Konzert im Railway Hotel in Harrow mit dem Gitarrenhals an die niedrige Decke und brach ihn ab. Statt aufzuhören, zertrümmerte er die Gitarre ganz. Aus dem Zufall wurde ein Markenzeichen. Die Manager Kit Lambert und Chris Stamp machten The Who zur Band der Mods, der jungen, modebewussten Londoner Szene.
1965 kam „I Can’t Explain“ in die britischen Top Ten, im Herbst folgte „My Generation“ mit Daltreys gestottertem Gesang und bis auf Platz zwei. 1967 spielten The Who beim Monterey Pop Festival in Kalifornien. Wer vor Jimi Hendrix auftreten durfte, wurde per Münzwurf entschieden – The Who gewannen und zerlegten am Ende ihre Instrumente.
1968–1970
03 Tommy
Im Mai 1969 erschien Tommy, ein Doppelalbum über einen Jungen, der nach einem Kindheitstrauma taub, stumm und blind ist und zum Flipperkönig und Heilsbringer wird. Townshend nannte es eine Rockoper. Mit „Pinball Wizard“ und „See Me, Feel Me“ wurde es ein Welterfolg, und plötzlich wurde über eine Rockband in Feuilletons geschrieben.
Im selben Sommer spielten The Who in Woodstock und beim Isle of Wight Festival. Im Februar 1970 nahmen sie ein Konzert an der Universität Leeds auf. Live at Leeds zeigt, wie viel Wucht diese vier Musiker auf einer Bühne entfalten konnten.
1970–1971
04 Who’s Next
Nach Tommy plante Townshend etwas noch Größeres: Lifehouse, eine Geschichte über eine Zukunft, in der die Menschen in Anzügen leben, die ihnen alle Erlebnisse künstlich zuspielen – bis die Musik sie befreit. Er probte mit der Band öffentlich im Londoner Young Vic Theatre und begann Aufnahmen in New York. Doch niemand außer ihm verstand das Konzept ganz, und das Projekt zerfiel.
Mit dem Toningenieur Glyn Johns nahmen The Who im Frühjahr 1971 in den Olympic Studios in London und mit dem mobilen Studio der Rolling Stones auf dem Landsitz Stargroves neu auf. Aus den Lifehouse-Songs wurde ein einzelnes Album mit neun Stücken. „Baba O’Riley“ und „Won’t Get Fooled Again“ bauen auf pulsierenden Orgel- und Synthesizerschleifen auf, die damals völlig neu klangen. Nicky Hopkins spielt Klavier, Dave Arbus die Geige am Ende von „Baba O’Riley“.
Dazu kommen „Behind Blue Eyes“, „Bargain“ und „Going Mobile“. Who’s Next erschien im August 1971 und wurde in Großbritannien das einzige Nummer-eins-Album der Band. Der Schrei, mit dem Daltrey am Ende von „Won’t Get Fooled Again“ aus dem Synthesizer-Zwischenspiel bricht, gehört zu den bekanntesten Momenten der Rockmusik.
1972–1982
05 Quadrophenia
1973 folgte mit Quadrophenia eine zweite Rockoper, diesmal über einen jungen Mod namens Jimmy im London der Sechziger – also über die eigene Herkunft der Band. 1979 kam die Verfilmung in die Kinos.
1978 erschien Who Are You. Wenige Wochen später starb Keith Moon mit 32 Jahren. Kenney Jones, früher bei den Small Faces, übernahm das Schlagzeug. 1982 gingen The Who auf eine als Abschied angekündigte Tournee durch Nordamerika, mit The Clash im Vorprogramm.
1983–heute
06 Was bleibt
1985 kamen The Who für Live Aid noch einmal zusammen, und in den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Tourneen. 1990 wurde die Band in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
John Entwistle starb 2002, am Vorabend einer Tournee. Daltrey und Townshend machten zu zweit weiter, mit Gastmusikern: 2006 erschien Endless Wire, 2010 spielten sie in der Halbzeitpause des Super Bowl, 2019 folgte das Album Who. Townshends Songs, allen voran „My Generation“ und „Baba O’Riley“, gehören bis heute zum Grundbestand der Rockmusik.
Hörtipp
Who’s Next verlangt nach Lautstärke – am besten gleich zu Beginn des Abends auflegen und „Baba O’Riley“ so aufdrehen, dass die Orgelschleifen den ganzen Raum füllen. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Künstlerporträt
Jimi Hendrix
1 Album auf dieser Seite
Beim Monterey Pop Festival 1967 entschied ein Münzwurf, ob The Who oder Jimi Hendrix zuerst spielten – beide Auftritte endeten mit zerstörten Gitarren.
Zum Porträt → -
The Rolling Stones
Exile on Main St.
1972rund 67 Minuten
Nicky Hopkins, der auf Who’s Next Klavier spielt, prägt auch den Klang von Exile on Main St. der Rolling Stones.
Zur Album-Story →
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