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Künstlerporträt

The Knife

Ein Geschwisterpaar aus Schweden, das hinter Masken elektronische Popmusik machte – kühl, unheimlich und voller Fragen an die Welt.

The Knife waren Karin Dreijer und Olof Dreijer, Schwester und Bruder aus Göteborg. Ihre Musik verbindet Synthesizer-Pop, Techno und experimentelle Klänge mit Stimmen, die oft verfremdet sind, sodass man nicht weiß, wer eigentlich singt. Die beiden zeigten sich kaum öffentlich, trugen Masken und gründeten ihr eigenes Label, um unabhängig zu bleiben. Ihre Lieder handeln von Familie, Macht und Geschlechterrollen, meist in rätselhaften Bildern. Silent Shout von 2006 ist ihr dunkelstes und geschlossenstes Werk.

In diesem Porträt

  1. 01Göteborg 1999–2002
  2. 02Deep Cuts und „Heartbeats“ 2003–2005
  3. 03Silent Shout 2004–2006
  4. 04Fever Ray und eine Oper 2007–2010
  5. 05Shaking the Habitual 2013–2014
  6. 06Was bleibt 2014–heute

1999–2002

01 Göteborg

Karin und Olof Dreijer gründeten The Knife 1999 in Göteborg. Gleichzeitig riefen sie das Label Rabid Records ins Leben, auf dem fortan alle ihre Platten erschienen.

2001 kam das erste Album The Knife heraus, eine verspielte Mischung aus Elektronik und Pop. In Schweden fiel das Duo schnell auf, auch weil es sich dem üblichen Betrieb der Musikindustrie verweigerte.

2003–2005

02 Deep Cuts und „Heartbeats“

Mit Deep Cuts wurde das Duo 2003 in Schweden bekannt, vor allem mit „Heartbeats“ und „Pass This On“. Beim schwedischen Musikpreis Grammis gewannen die beiden in der Kategorie Popgruppe des Jahres, kamen aber nicht selbst: Stattdessen schickten sie Vertreterinnen der Künstlerinnengruppe Guerrilla Girls, als Protest gegen die männlich geprägte Musikbranche.

Der Sänger José González nahm „Heartbeats“ 2003 als leise Akustikversion auf. Als Sony diese Fassung in einem Fernsehspot für Bravia-Fernseher verwendete, wurde das Lied weltweit bekannt – und The Knife bekamen Geld, das sie in ihr Label steckten.

2004–2006

03 Silent Shout

Cover von Silent Shout
Silent Shout · 2006

Silent Shout entstand zwischen März 2004 und November 2005 in Stockholm. Nach Deep Cuts, für das sie viel mit Software gearbeitet hatten, wollten die beiden nun analoge Geräte: im Kern zwei Synthesizer und ein Drumcomputer, dazu viel Ausprobieren. Olof Dreijer brachte Arpeggios aus dem Trance mit, Karin Dreijer verfremdete die eigene Stimme, um wie eine Figur zu klingen, die man nicht zuordnen kann.

Das Album erschien am 17. Februar 2006. Stücke wie „Silent Shout“, „Marble House“, „We Share Our Mothers’ Health“ und „Like a Pen“ wurden als Singles veröffentlicht. Als Anregungen nannten die beiden den Trickfilmpionier Oskar Fischinger und den Comiczeichner Charles Burns.

Das Onlinemagazin Pitchfork kürte Silent Shout zum besten Album des Jahres 2006. Zum ersten Mal ging das Duo auf Tournee, mit Projektionen des Künstlers Andreas Nilsson, sodass die Konzerte eher wie Filme wirkten. Bei den Grammis 2007 wurde die Platte mehrfach ausgezeichnet; die beiden blieben der Feier erneut fern.

2007–2010

04 Fever Ray und eine Oper

Karin Dreijer veröffentlichte 2009 unter dem Namen Fever Ray ein erstes Soloalbum, noch düsterer und langsamer als The Knife.

Gemeinsam mit den Musikern Mt. Sims und Planningtorock schrieben die Geschwister die Oper Tomorrow, in a Year, die 2010 als Album erschien. Sie beruht auf den Ideen von Charles Darwin und ist mehr Klangkunst als Pop.

2013–2014

05 Shaking the Habitual

Shaking the Habitual von 2013 war lang, sperrig und politisch, mit Stücken von fast zwanzig Minuten. Die Konzerte dazu waren eher Tanzperformances als klassische Auftritte.

Am 8. November 2014 spielten The Knife in Reykjavík ihr letztes Konzert und beendeten die Band.

2014–heute

06 Was bleibt

Karin Dreijer machte als Fever Ray weiter, mit den Alben Plunge (2017) und Radical Romantics (2023). 2019 tauschten Björk, Fever Ray und The Knife Remixe aus – dabei bearbeiteten die Geschwister noch einmal gemeinsam ein Stück von Björk.

The Knife haben gezeigt, dass elektronische Popmusik unbequem, klug und trotzdem eingängig sein kann. Ihre Haltung – eigenes Label, keine Starrolle, klare Worte zur Branche – hat viele jüngere Künstlerinnen und Künstler geprägt.

Hörtipp

Silent Shout braucht Dunkelheit und eine gute Anlage – ein Album für späte Stunden, wenn die Runde bereit ist, sich auf etwas Fremdes einzulassen. Zur Album-Story →

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