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Künstlerporträt

Tyler, the Creator

Vom provokanten Jungstar des Internet-Rap zum Produzenten, der seine Alben als farbige, verspielte Gesamtkunstwerke entwirft.

Tyler, the Creator ist Rapper, Produzent, Arrangeur und Modedesigner, und er macht fast alles selbst. Er begann als Anführer eines lauten Jugendkollektivs aus Los Angeles, dessen Musik vor allem schockieren wollte. Mit den Jahren wurde seine Musik weicher, melodischer und persönlicher, beeinflusst von Soul, Jazz und den Harmonien der Siebziger. Jedes Album bekommt bei ihm eine eigene Figur, eigene Farben und eine eigene Garderobe. IGOR war der Moment, in dem das alles zusammenkam.

In diesem Porträt

  1. 01Hawthorne 1991–2006
  2. 02Odd Future 2007–2012
  3. 03Flower Boy 2012–2017
  4. 04IGOR 2017–2019
  5. 05Call Me If You Get Lost 2020–2024
  6. 06Was bleibt 2025–heute

1991–2006

01 Hawthorne

Tyler Gregory Okonma wurde am 6. März 1991 in Hawthorne, Kalifornien, geboren und wuchs im Großraum Los Angeles auf. Schon als Kind zeichnete er Cover für Alben, die es noch gar nicht gab.

Er brachte sich selbst bei, Beats am Computer zu bauen. Sein großes Vorbild war Pharrell Williams mit seiner Band N.E.R.D und den Produktionen der Neptunes – deren Akkorde und Klangfarben hört man in Tylers Musik bis heute.

2007–2012

02 Odd Future

2007 gründete er mit Freunden das Kollektiv Odd Future, zu dem auch Frank Ocean, Earl Sweatshirt und Syd gehörten. Die Gruppe stellte ihre Musik kostenlos ins Netz. 2009 erschien so Tylers erstes Mixtape Bastard.

Mit dem Album Goblin beim Londoner Label XL und dem Video zu „Yonkers“ wurde er 2011 schlagartig bekannt. Die frühen Texte waren bewusst grell und provokant, ein Ton, den er in späteren Jahren hinter sich ließ.

2012–2017

03 Flower Boy

Tyler gründete die Modemarke Golf Wang und 2012 sein eigenes Festival, das Camp Flog Gnaw Carnival in Los Angeles. Auf Wolf (2013) und Cherry Bomb (2015) wurden die Harmonien reicher, die Arrangements verspielter.

Flower Boy von 2017 war ein Wendepunkt: warm, verletzlich, mit Gastauftritten von Frank Ocean und Streicherklängen. Das Album brachte ihm seine erste Grammy-Nominierung als bestes Rapalbum.

2017–2019

04 IGOR

Cover von IGOR
IGOR · 2019

An IGOR arbeitete Tyler zwischen 2017 und 2019 in Studios in Los Angeles und Atlanta sowie in einer Villa am Comer See in Italien. Er schrieb, arrangierte und produzierte das Album komplett selbst. Es erzählt eine Liebesgeschichte in Etappen: Verliebtheit, Eifersucht, Abschied. Gesungen wird fast mehr als gerappt, oft mit verfremdeter Stimme über analogen Synthesizern.

IGOR erschien am 17. Mai 2019. Solange singt auf „I Think“, Kanye West ist auf „Puppet“ zu hören, der Komiker Jerrod Carmichael führt als Erzähler durch die Geschichte. „Earfquake“ hatte Tyler eigentlich für Justin Bieber und Rihanna geschrieben, beide lehnten ab. In „Gone, Gone / Thank You“ steckt ein Sample des japanischen Musikers Tatsuro Yamashita.

Auf der Bühne und in den Videos trat Tyler als Figur IGOR auf, mit blonder Pagenkopf-Perücke und pastellfarbenen Anzügen. Das Album stieg als sein erstes auf Platz eins der US-Charts und gewann 2020 den Grammy als bestes Rapalbum.

2020–2024

05 Call Me If You Get Lost

Auf Call Me If You Get Lost kehrte er 2021 zum Rap zurück, begleitet vom Mixtape-DJ DJ Drama, und erzählte vom Reisen und vom Erwachsenwerden. Auch dieses Album gewann den Grammy als bestes Rapalbum.

Chromakopia erschien im Oktober 2024, ein Album über Herkunft, Familie und das Älterwerden. Es erzielte die stärkste Startwoche seiner Laufbahn.

2025–heute

06 Was bleibt

Schon im Juli 2025 folgte Don’t Tap the Glass, eine kurze, tanzbare Platte mit Einflüssen aus House und Techno. Im selben Jahr gab er sein Debüt als Schauspieler in einem Kinofilm.

Anfang 2026 erhielt er den erstmals vergebenen Grammy für das beste Albumcover, für Chromakopia. Tyler gilt heute als einer der einflussreichsten Künstler seiner Generation – weil er nie aufgehört hat, sich neu zu erfinden.

Hörtipp

IGOR erzählt eine Geschichte von Anfang bis Ende und sollte genau so gehört werden: am Stück, laut genug, dass die Synthesizer den Raum füllen. Zur Album-Story →

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