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Künstlerporträt

Frank Ocean

Ein Sänger und Songschreiber, der R&B leiser, offener und rätselhafter machte – und sich dem Musikgeschäft fast vollständig entzog.

Frank Ocean veröffentlichte in zehn Jahren nur zwei Studioalben, und doch gehört er zu den einflussreichsten Musikern seiner Generation. Seine Lieder erzählen in kleinen, filmischen Bildern von Liebe, Erinnerung, Autos und Sommern. Er ließ Beats weg, wo andere sie brauchen, und sang Melodien, die sich fast wie Gedanken anfühlen. Dass er sich rar macht, kaum Interviews gibt und seine Musik selbst veröffentlicht, gehört zu seinem Bild dazu.

In diesem Porträt

  1. 01New Orleans 1987–2005
  2. 02Los Angeles 2006–2011
  3. 03Channel Orange 2012–2015
  4. 04Blonde 2013–2016
  5. 05Was bleibt 2017–heute

1987–2005

01 New Orleans

Christopher Edwin Breaux wurde am 28. Oktober 1987 in Long Beach in Kalifornien geboren. Als er fünf war, zog die Familie nach New Orleans, wo er mit der Musik der Stadt aufwuchs.

Im August 2005 zerstörte der Hurrikan Katrina das Haus der Familie und das Studio, in dem er aufgenommen hatte. Er wechselte die Universität, brach das Studium aber bald ab.

2006–2011

02 Los Angeles

2006 zog er nach Los Angeles, um Musik zu machen. Unter seinem Geburtsnamen schrieb er Songs für andere, unter anderem für Brandy, John Legend und Justin Bieber. Seinen Künstlernamen wählte er nach Frank Sinatra und dem Film Ocean’s Eleven.

Er schloss sich dem Hip-Hop-Kollektiv Odd Future um Tyler, the Creator an. Im Februar 2011 stellte er sein Mixtape Nostalgia, Ultra kostenlos ins Netz, mit „Novacane“ und „Swim Good“. Im selben Jahr sang er auf dem Album Watch the Throne von Jay-Z und Kanye West.

2012–2015

03 Channel Orange

Kurz vor seinem ersten Album schrieb Frank Ocean im Juli 2012 in einem offenen Brief, dass seine erste große Liebe ein Mann gewesen sei. In der R&B- und Hip-Hop-Welt wurde das als mutiger Schritt wahrgenommen.

Channel Orange erschien im Juli 2012 mit „Thinkin Bout You“, „Pyramids“ und „Bad Religion“ und gewann einen Grammy. Danach wurde es still um ihn. Jahrelang wartete die Welt auf ein neues Album.

2013–2016

04 Blonde

Cover von Blonde
Blonde · 2016

An Blonde arbeitete Frank Ocean mehrere Jahre, an verschiedenen Orten und mit vielen Mitwirkenden: Jon Brion, James Blake, Pharrell Williams, Rostam Batmanglij von Vampire Weekend und anderen. Beyoncé singt im Hintergrund von „Pink + White“, André 3000 hat einen eigenen Auftritt in „Solo (Reprise)“.

Am 19. August 2016 erschien zuerst das Videoalbum Endless, mit dem er seinen Plattenvertrag erfüllte. Einen Tag später, am 20. August, veröffentlichte er Blonde auf eigenem Label, dazu ein Magazin namens Boys Don’t Cry. Auf dem Cover, einem Foto von Wolfgang Tillmans, steht die Schreibweise blond.

Viele Stücke kommen fast ohne Schlagzeug aus: „Nikes“, „Ivy“, „Self Control“, „White Ferrari“, in dem Zeilen aus dem Beatles-Song „Here, There and Everywhere“ anklingen. „Nights“ bricht genau in der Mitte ab und wird ein anderes Lied. Blonde kam in den USA und Großbritannien auf Platz eins und wurde später in vielen Listen zum besten Album des Jahrzehnts gewählt.

2017–heute

05 Was bleibt

Nach Blonde veröffentlichte Frank Ocean nur noch einzelne Songs, gründete 2021 die Schmuck- und Modemarke Homer und trat kaum noch auf. 2023 spielte er als Hauptact beim Coachella-Festival, zum ersten Mal seit Jahren wieder live.

Sein Einfluss ist dennoch überall zu hören: bei Sängerinnen und Sängern, die R&B mit Indie und Elektronik verbinden, und bei allen, die Popmusik so persönlich schreiben wollen wie ein Tagebuch.

Hörtipp

Blonde gehört an das Ende eines Abends, wenn es ruhig geworden ist – ein Album, das man am besten ohne Nebengespräche hört, weil viel davon im Leisen passiert. Zur Album-Story →

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