Liebeserklärung Nr. 5 von 5
An das, was es mit mir macht.
Warum es Musik Ungestört gibt.
Warum das alles? Es gäbe doch Streaming. Und eine gute Box. Und jeden Song der Welt in drei Sekunden. Die Frage ist berechtigt. Die ehrliche Antwort ist kurz: Weil ich mich dabei anders fühle.
Ich drücke Tasten, die einen Widerstand haben. Ich lege Band ein, mit beiden Händen. Ich drehe an Reglern, die Gewicht haben. Ich sehe Zeiger ausschlagen und Spulen kreisen. Mein ganzer Körper ist beim Hören dabei. Nicht nur die Ohren.
Wie ich das Zuhören verloren habe
Ich war bei jedem neuen Format vorne mit dabei. CD, MiniDisc, MP3, einer der ersten Musikserver im Wohnzimmer. Und dann hatte ich Zugriff auf alle Musik der Welt und keine Lust mehr, welche zu hören.
Ein Freund sagte irgendwann zu mir: Du brauchst einen Plattenspieler. Er hatte recht. Über die alten Geräte kam die Lust zurück. Am Ende stand die Bandmaschine.
Nach ein paar Minuten wird es ruhig
Und dann passiert etwas, das ich schwer erklären kann. Nach ein paar Minuten werde ich ruhig. Die Liste im Kopf wird kürzer. Ich denke nicht mehr an morgen. Ich denke nicht an gestern. Ich höre einfach.
Das schaffe ich sonst kaum. Nicht beim Spazierengehen mit Kopfhörern. Nicht auf dem Sofa mit dem Handy daneben. Irgendetwas zieht immer. Eine Nachricht. Ein Gedanke. Der nächste Song, der schon wartet.
Vor der Bandmaschine zieht nichts. Das Handy liegt in der Box. Das Album läuft durch. Man kann nicht skippen, also versucht man es gar nicht erst.
Warum es diesen Abend gibt
„Musik hören war einmal etwas, das man in Ruhe genoss. Irgendwann lief sie nur noch nebenbei, über blechernen Smartphone-Sound. Diesen Abend gibt es, damit wir es wieder gemeinsam genießen.“
Nicht für mich allein
Das ist der eigentliche Grund für Musik Ungestört. Ich will dieses Gefühl nicht für mich behalten. Ich will es teilen. Mit Teams, die das ganze Jahr nebeneinander arbeiten und selten zusammen still sind. Mit Freunden, die sich viel zu selten wirklich zuhören. Mit Menschen, die vergessen haben, wie sich ein ganzes Album anfühlt.
Man braucht dafür keine Anleitung. Kein Technikwissen. Keinen Plattenschrank. Nur zwei Stunden, einen Raum und die Bereitschaft, das Handy wegzulegen. Den Rest bringe ich mit.
Man braucht dafür nicht viel.
Nur zwei Stunden und eine Maschine, die man anfassen kann.
Marcel