Liebeserklärung Nr. 4 von 5
An die Spulen.
Links wird es weniger. Rechts wird es mehr. Ganz langsam.
Wer vor einer Bandmaschine sitzt, schaut irgendwann auf die Spulen. Fast automatisch. Links wird es weniger. Rechts wird es mehr. Ganz langsam. So langsam, dass man es erst merkt, wenn man eine Weile nicht hingeschaut hat.
Die beiden drehen sich nicht gleich schnell. Die volle dreht sich gemächlich, die leere flink. Mit der Zeit tauschen sie die Rollen. Die eine wird ruhiger, die andere schneller. Es ist hypnotisch. Man kann dabei die Augen offen haben und trotzdem ganz nach innen hören.
Ein Album hat einen Anfang und ein Ende
An den Spulen sieht man die Zeit vergehen. Das Album hat eine Länge, und die liegt sichtbar vor einem. Man sieht, wie viel schon war und wie viel noch kommt.
Beim Streamen gibt es das nicht. Kein Anfang, kein Ende. Nur den nächsten Song und den übernächsten. Die Musik hört nie auf, und deshalb fängt sie auch nie richtig an.
An der Bandmaschine ist ein Album ein Ganzes. Mit einem ersten Ton und einem letzten. Die Reihenfolge hat sich jemand überlegt. Der ruhige Song steht nicht zufällig an siebter Stelle. Deshalb läuft bei meinen Hörabenden immer das ganze Album. Ohne Skip.
Dann ist es still
Irgendwann ist die linke Spule leer. Das Bandende läuft durch, die Spule dreht noch ein paar Runden mit einem leisen Flattern. Dann ist es still. Niemand muss etwas sagen. Alle haben gerade dasselbe gehört, von der ersten bis zur letzten Minute.
Irgendwann ist die Spule leer. Dann ist es vorbei.
Genau das macht jede Minute davor wertvoll.
Marcel