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1987Albumvorschlag

Appetite for Destruction

Guns N' Roses

Zwölf Songs, dreiundfünfzig Minuten, fünf Musiker in Los Angeles, die ihre Stadt so klingen ließen, wie sie sie erlebten. Appetite for Destruction ist laut, schmutzig und genau gebaut, ein Debüt, das ein Jahr brauchte, bis es jemand hören wollte.

Guns N' Roses waren 1986 bei Geffen unter Vertrag gekommen. Produzent Mike Clink nahm die Band im Frühjahr 1987 in Los Angeles auf, weitgehend so, wie sie auf der Bühne klang. Das Album erschien im Juli 1987, stand im August 1988 an der Spitze der US-Charts und wurde zum meistverkauften Debüt in der Geschichte der USA.

  • Laufzeitrund 53 Minuten
  • Titel12
  • Jahr1987
  • AufgenommenRumbo Recorders, Canoga Park, Take One Studio, Burbank, und weitere Studios in Los Angeles (Januar–Juni 1987)
Das Albumcover von Appetite for Destruction: ein keltisches Kreuz mit Knotenmuster, darauf fünf Totenköpfe, die für die fünf Bandmitglieder stehen.
Guns N' Roses, Appetite for Destruction, Geffen 1987. Gestaltung Billy White Jr. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Welcome to the Jungle4:31
  2. It's So Easy3:21
  3. Nightrain4:26
  4. Out ta Get Me4:20
  5. Mr. Brownstone3:46
  6. Paradise City6:46
  7. My Michelle3:39
  8. Think About You3:50
  9. Sweet Child o' Mine5:55
  10. You're Crazy3:16
  11. Anything Goes3:25
  12. Rocket Queen6:13

Zum Cover

Ein keltisches Kreuz mit verschlungenem Knotenmuster, darauf fünf Totenköpfe. Jeder steht für ein Bandmitglied: oben Izzy Stradlin, links Steven Adler, in der Mitte Axl Rose, rechts Duff McKagan, unten Slash.

Das Motiv war zuerst gar nicht als Cover gedacht. Axl Rose hatte bei dem Kunststudenten Billy White Jr. aus Long Beach ein Tattoo-Motiv bestellt, nachdem er eine Zeichnung von ihm an der Wand eines Cousins gesehen hatte. Die Idee mit dem Kreuz und den Köpfen kam von Rose, die Ausführung von White. Das Knotenmuster war eine Verbeugung vor Thin Lizzy, die beide verehrten.

Die ersten Pressungen trugen ein anderes Bild: ein Gemälde von Robert Williams, das dem Album seinen Namen gab. Weil sich Plattenhändler weigerten, es zu verkaufen, wanderte es ins Innere der Hülle. Whites Kreuz kam nach vorn und wurde zum Zeichen der Band.

Gestaltung: Billy White Jr. (Kreuz), Michael Hodgson (Art Direction)
Label: Geffen Records, 1987
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„The cross and skulls that looked like the band was Axl's idea, the rest was me.“

Billy White Jr. Über das Kreuz mit den fünf Totenköpfen

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Appetite for Destruction entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Am Anfang der Aufnahmen fand Slash seinen Klang nicht. Manager Alan Niven sah, wie frustriert er im Take One Studio in Burbank war, und kaufte ihm für rund 2.500 Dollar eine Gitarre, die er in einem Musikladen in Redondo Beach entdeckt hatte: den Nachbau einer Gibson Les Paul, gebaut von dem Gitarrenbauer Kris Derrig in einem Wohnwagen hinter dem Laden.

Mike Clink hörte den Unterschied sofort: „We knew instantly that was the tone for the record. It wasn't, 'Oh, let me think about it.'“

Eine Kopie, die zum Original wurde

Die Gitarre wurde für Jahre Slashs Hauptinstrument. Derrig selbst erlebte den Erfolg nicht mehr, er starb innerhalb eines Jahres nach dem Verkauf. Clink meint, Slash habe mit dieser Platte die Les Paul wieder populär gemacht: Nach Appetite wollten Gitarristen genau diesen Klang, eine Les Paul direkt in einen Marshall.

02Wie Appetite for Destruction entstand

Die Suche nach einem Produzenten war nicht einfach. Paul Stanley von Kiss wollte Adlers Schlagzeug und die Songs verändern, Robert „Mutt“ Lange war zu teuer. Mike Clink bekam den Auftrag, weil er bereit war, die Band so aufzunehmen, wie sie klingen wollte. Im Januar 1987 ging es in die Rumbo Recorders in Canoga Park.

Zwei Wochen lang entstanden die Grundspuren. Clink schnitt aus mehreren Durchgängen die besten Teile zusammen. Danach arbeitete er einen Monat lang achtzehn Stunden am Tag: nachmittags und abends spielte Slash seine Overdubs ein, dann sang Rose.

Zeile für Zeile

Laut Steven Adler waren die Schlagzeugspuren in sechs Tagen fertig. Rose dagegen nahm seinen Gesang Zeile für Zeile auf und ließ sich viel Zeit. Der Rest der Band blieb deshalb irgendwann dem Studio fern. Insgesamt kostete die Produktion etwa 370.000 Dollar, für ein Debüt eine enorme Summe.

03Der Klang

Das Rezept war schlicht. „When we did Appetite, it was that Les Paul into a Marshall“, sagt Clink. Vor den Verstärker stellte er Shure-SM57-Mikrofone, und ein einziges Hallgerät prägte das ganze Album: „A big part of the sound was that Roland SRV-2000. I used that for guitars, vocals, everything.“ Der Marshall war gemietet und von dem Techniker Frank Levi umgebaut.

Dazu kommen zwei Gitarren, die sich ergänzen: Izzy Stradlins trockene Rhythmusarbeit und Slashs Soli, die er stundenlang mit Clink gekürzt und geordnet hat. Nichts klingt poliert, aber jede Stelle sitzt.

Genau hingehört

Ein einziges Tasteninstrument

„Paradise City“ ist der einzige Song des Albums mit einem Synthesizer, gespielt von Axl Rose, von dem auch das Pfeifen stammt. Auf einer guten Anlage lohnt es sich, nach ihm zu suchen: Es ist das einzige Tasteninstrument in zwölf Songs voller Gitarren. In den letzten zwei Minuten verdoppelt die Band dann das Tempo, und Slash soliert über den immer wiederkehrenden Refrain.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Die Seiten heißen nicht A und B, sondern G und R, für Guns und Roses. Seite G erzählt vom harten Leben in der Stadt, von Alkohol und Drogen. „Nightrain“ ist nach einem billigen Wein benannt, „Mr. Brownstone“ handelt offen von Heroinabhängigkeit, die Slash und Izzy Stradlin damals selbst kannten. Seite R dreht sich um Liebe, Sex und Beziehungen.

Viele Songs entstanden schnell und aus dem Zusammenspiel. „Welcome to the Jungle“ baute die Band in etwa drei Stunden um ein Riff, das Slash im Keller seiner Mutter gespielt hatte. „Paradise City“ entstand hinten in einem Mietwagen auf der Rückfahrt von einem Konzert in San Francisco.

Ein Scherz wird zum Hit

„Sweet Child o' Mine“ begann als Spaß: Slash spielte bei einer Probe eine Zirkusmelodie und schnitt dabei Grimassen. Izzy Stradlin bat ihn, sie noch einmal zu spielen, und legte Akkorde darunter. Rose hörte oben im Haus zu und schrieb bis zum nächsten Nachmittag den Text, über seine Freundin Erin Everly. Die Single wurde im Sommer 1988 ein Nummer-eins-Hit in den USA.

05Warum es einen Abend trägt

Zwei gleich große Hälften mit je sechs Songs, jede zwischen sechsundzwanzig und siebenundzwanzig Minuten lang. Seite G beginnt mit „Welcome to the Jungle“ und endet mit „Paradise City“. Seite R endet mit „Rocket Queen“, einem Song in zwei Teilen: erst Angeberei, dann, nach einer Brücke, eine Botschaft voller Zuneigung. Rose nannte den Schluss seine Nachricht an einen Menschen, „or anybody else who can get something out of it“.

Ein Jahr Geduld

Zunächst interessierte sich kaum jemand für die Platte. Sie stieg auf Platz 182 der Billboard-Charts ein, MTV zeigte „Welcome to the Jungle“ erst, als David Geffen persönlich darum bat, einmal, um fünf Uhr an einem Sonntagmorgen. Danach kamen so viele Anfragen, dass der Sender das Video ins Programm nahm. Am 6. August 1988 stand das Album auf Platz eins. „We thought we'd made a record that might do as well as, say, Motörhead“, sagte Slash später.

Wie klingt eine Stadt, wenn fünf Menschen sie ohne Filter aufnehmen?

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