1978Albumvorschlag
Van Halen
Van Halen
Elf Songs, knapp sechsunddreißig Minuten, eine Band, die im Studio spielte wie im Club. Mit ihrem ersten Album zeigten Van Halen 1978, wie eine Rockplatte klingen kann, wenn man sie nicht glattpoliert.
Die Band hatte sich in Pasadena einen Namen gemacht und spielte schließlich im Starwood und im Whisky a Go Go in Hollywood. Im Februar 1977 sah Produzent Ted Templeman sie dort, kurz darauf hatten sie einen Vertrag bei Warner Bros. Im Spätsommer nahmen sie in wenigen Wochen ein Album auf, das in den USA später mehr als zehn Millionen Mal verkauft wurde.
- Laufzeitrund 36 Minuten
- Titel11
- Jahr1978
- AufgenommenSunset Sound Recorders, Hollywood (August–Oktober 1977)
Tracklist
- Runnin' with the Devil3:36
- Eruption1:42
- You Really Got Me2:38
- Ain't Talkin' 'bout Love3:50
- I'm the One3:47
- Jamie's Cryin'3:31
- Atomic Punk3:02
- Feel Your Love Tonight3:43
- Little Dreamer3:23
- Ice Cream Man3:20
- On Fire3:01
Zum Cover
Vier Musiker, jeder für sich, fotografiert auf der Bühne. Scheinwerfer blenden, die Bewegungen verwischen, Licht zieht farbige Spuren durchs Bild. Dazwischen steht das geflügelte VH-Logo. Man sieht sofort, worum es dieser Band ging: nicht um das Studio, sondern um den Auftritt.
Die Fotos machte Elliot Gilbert im Whisky a Go Go in West Hollywood, dem Club, in dem die Band groß geworden war. Die Gestaltung übernahm Dave Bhang, der dafür auch das Logo entwarf. Eddie Van Halens Gitarre auf dem Cover ist die selbst gebaute „Frankenstrat“, noch schwarz-weiß, bevor er sie später rot übermalte.
Die Plattenfirma hatte zuerst einen anderen Entwurf vorgeschlagen: ein zackiges Logo, ein unruhiges Gruppenfoto, eher im Stil der Punkbands, die damals auf dem Sunset Strip spielten. Die Band lehnte ab. Eddie Van Halen hat erzählt, sie hätten auf dem neuen Logo bestanden, damit klar sei, dass sie mit Punk nichts zu tun hatten.
Foto: Elliot Gilbert
Gestaltung: Dave Bhang
Label: Warner Bros. Records, 1978
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.
„The album is very live – there are few overdubs, which is the magic of Ted Templeman.“
In diesem Artikel
- 01Der besondere Moment
- 02Wie Van Halen entstand
- 03Der Klang
- 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
- 05Warum es einen Abend trägt
01Der besondere Moment
Eigentlich sollte „Eruption“ nie auf die Platte. Eddie Van Halen übte im Studio für einen Auftritt im Whisky, allein, ein Solo, das er vor Konzerten zum Aufwärmen spielte. Ted Templeman hörte zu und fragte, was das sei. Die Antwort laut Templeman: „No, it's nothing.“ Templeman sah das anders und rief seinem Toningenieur Donn Landee zu, er solle das Band laufen lassen.
„I'd never heard anything that brilliant“, sagte Templeman später. Das Stück dauert nicht einmal zwei Minuten und machte eine Spieltechnik bekannt, bei der die rechte Hand Töne direkt auf dem Griffbrett anschlägt.
Ein Fehler, der bleibt
Eddie Van Halen selbst war nie ganz zufrieden. Er hat gesagt, am oberen Ende sei ein Fehler drin, und jedes Mal, wenn er das Stück höre, denke er, er hätte es besser spielen können. Gerade das passt zu dieser Platte: Man hört Musiker, die spielen, und keine Aufnahme, die so lange bearbeitet wurde, bis nichts mehr passieren konnte.
02Wie Van Halen entstand
Ein erstes Demo hatte 1976 Gene Simmons von Kiss bezahlt, in Studios in Los Angeles und New York. Die Plattenfirmen interessierte das kaum. Den Durchbruch brachte ein Konzert im Starwood am 3. Februar 1977. Templeman kam, sah die Band und rief Warner-Chef Mo Ostin an: Er müsse am nächsten Abend mitkommen, man müsse diese Band unter Vertrag nehmen.
Die Aufnahmen begannen Ende August 1977 bei Sunset Sound in Hollywood, die Grundspuren waren in gut einer Woche fertig. Templeman sagte später, das Album sei in weniger als zwei Wochen entstanden: „We went in there and bang, bang, bang, bang, bang!“ Bassist Michael Anthony erinnert sich ähnlich, sie hätten gar nicht so viel Material gehabt.
Wie auf der Bühne
David Lee Roth sang in einer Kabine, während die anderen drei im Raum spielten. Templeman achtete darauf, dass Alex und Eddie Van Halen ihn durch die Scheibe sehen konnten, wie sie es von der Bühne gewohnt waren. Eddie spielte über dieselbe Anlage wie im Konzert. Nur wenige Soli wurden nachträglich eingespielt, dazu die Chorstimmen.
03Der Klang
Landee und Templeman nahmen die Band fast so auf, wie sie klang, wenn sie spielte. Das Album wirkt dadurch roh und laut, aber nicht verwaschen. Die Gitarre liegt nicht in der Mitte des Stereobilds, sondern an der Seite. Landee hat das so begründet: Weil man die Gitarre nicht doppeln wollte, hätte man in der Mitte die ganze Band in Mono gehabt. Den warmen, dichten Gitarrenton nannten Fans und Kritiker später den „Brown Sound“.
Robert Christgau schrieb in der Village Voice einen Satz, der die Größe dieses Klangs beschreibt: „This music belongs on an aircraft carrier.“
Genau hingehört
Hupen in der Kiste
Achten Sie auf den Anfang von „Runnin' with the Devil“. Bevor der Bass einsetzt, hört man tiefe, gedehnte Hupen. Es sind echte Autohupen aus den Wagen der Bandmitglieder, in eine Kiste montiert und mit Autobatterien betrieben. Templeman ließ sie für die Aufnahme langsamer abspielen, dadurch klingen sie tiefer und dunkler. Auf einer guten Anlage hört man danach gut, dass die Gitarre nicht in der Mitte steht, sondern seitlich, und wie viel Raum um sie herum bleibt.
04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
Kein Song auf Van Halen ist länger als vier Minuten. Neben eigenen Stücken stehen zwei ältere Lieder: „You Really Got Me“ von den Kinks, das direkt auf „Eruption“ folgt, und „Ice Cream Man“, ein Blues von John Brim, den Roth allein zur akustischen Gitarre beginnt, bevor die Band einsetzt. So hört man auf einer Platte, woher die Band kommt und wohin sie will.
Kein Vorbild
Charles M. Young schrieb 1978 im Rolling Stone, das Geheimnis dieser Band sei, nichts Originelles zu tun, es aber mit mehr Energie als alle anderen. Spätere Kritiker hörten es anders. AllMusic-Autor Stephen Thomas Erlewine fand, das Album klinge, als habe es keine Väter. „You Really Got Me“ kam als Single auf Platz 36, das Album auf Platz 19. 1996 wurde es in den USA mit Diamant ausgezeichnet.
05Warum es einen Abend trägt
Die beiden Seiten sind ungleich lang: rund fünfzehneinhalb Minuten auf der ersten, genau zwanzig auf der zweiten. Seite A enthält mit „Runnin' with the Devil“, „Eruption“ und „You Really Got Me“ die Stücke, die jeder kennt, und endet mit „I'm the One“. Seite B beginnt leichter mit „Jamie's Cryin'“, das Eddie Van Halen lieber als erste Single gesehen hätte.
Kurz und ohne Pause
Sechsunddreißig Minuten sind wenig für einen Abend. Aber diese Platte ist so dicht, dass man sie gut zweimal hören kann, einmal für die Songs und einmal nur für die Gitarre. Am Ende steht „On Fire“, drei Minuten, die klingen wie die Zugabe eines Clubkonzerts in Hollywood.
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