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1975Albumvorschlag

Born to Run

Bruce Springsteen

Acht Songs, neununddreißig Minuten, anderthalb Jahre im Studio. Born to Run ist das Album, mit dem ein junger Musiker aus New Jersey alles auf eine Karte setzte und gewann.

Nach zwei Alben, die von der Kritik gelobt, aber kaum gekauft wurden, stand Bruce Springsteen 1974 bei Columbia Records auf der Kippe. Er bekam eine letzte Chance und nutzte sie mit einer Besessenheit, die ihn selbst fast zermürbte. Das Ergebnis ist eine Platte über Autos, Nächte und das Weggehen, gebaut wie eine Wand aus Klang.

  • Laufzeitrund 39 Minuten
  • Titel8
  • Jahr1975
  • Aufgenommen914 Sound Studios, Blauvelt, und Record Plant, New York (Januar 1974 – Juli 1975)
Das Albumcover von Born to Run: ein Schwarz-Weiß-Foto, Bruce Springsteen mit Gitarre lehnt lachend an der Schulter von Clarence Clemons.
Bruce Springsteen, Born to Run, Columbia Records 1975. Foto Eric Meola. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Thunder Road4:49
  2. Tenth Avenue Freeze-Out3:11
  3. Night3:00
  4. Backstreets6:30
  5. Born to Run4:31
  6. She's the One4:30
  7. Meeting Across the River3:18
  8. Jungleland9:34

Zum Cover

Ein Schwarz-Weiß-Foto vor hellem Grund. Bruce Springsteen in Lederjacke, die Gitarre umgehängt, lehnt lachend an der Schulter eines Mannes, der auf der Vorderseite nur angeschnitten zu sehen ist. Erst wenn man die Hülle aufklappt, zeigt sich, wer das ist: Saxofonist Clarence Clemons, mit Hut, das Instrument in den Händen. Am Gitarrengurt steckt ein Anstecker des Elvis-Presley-Fanclubs.

Das Foto machte Eric Meola am 20. Juni 1975 in seinem Studio. Er arbeitete ohne Assistenten, ohne Stylisten, nur mit den beiden Musikern, während Clemons spielte. Columbias Art Director John Berg wählte das Bild aus und legte es über Vorder- und Rückseite, sodass das Motiv erst im Ganzen vollständig wird. Meola hat später gesagt, Berg habe eines seiner Fotos genommen, in der Mitte gefaltet und daraus ein Cover gemacht.

Das Bild zeigt die beiden als gleichwertige Partner, und genau so standen sie auch auf der Bühne. Springsteen selbst sagte, das Abenteuer habe mit diesem doppelt breiten Foto im Fenster jedes Plattenladens in Amerika begonnen.

Foto: Eric Meola
Gestaltung: John Berg (Art Direction), Andy Engel (Schrift)
Label: Columbia Records, 1975
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„I wanted to make the greatest rock record that I'd ever heard. I wanted it to sound enormous, to grab you by your throat.“

Bruce Springsteen Über das, was er mit dem Album wollte

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Born to Run entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Am 9. Mai 1974 spielte Springsteen im Harvard Square Theater in Cambridge, Massachusetts, als Vorgruppe von Bonnie Raitt. Im Publikum saß der Musikkritiker Jon Landau. Zwei Wochen später erschien in der Bostoner Wochenzeitung The Real Paper seine Kritik, und darin der Satz, der Springsteens Karriere begleiten sollte: „I saw rock and roll future and its name is Bruce Springsteen.“

Landau schrieb nicht, Springsteen sei die Zukunft des Rock, sondern er habe die Zukunft des Rock gesehen. Im selben Text heißt es, Springsteen habe ihn an diesem Abend fühlen lassen, als höre er Musik zum allerersten Mal.

Vom Kritiker zum Produzenten

Columbia nutzte den Satz später für eine große Werbekampagne. Wichtiger war, dass Landau und Springsteen Freunde wurden. Anfang 1975 stieg Landau als Koproduzent in die festgefahrenen Aufnahmen ein, neben Springsteen und seinem damaligen Manager Mike Appel.

02Wie Born to Run entstand

Die Arbeit begann im Januar 1974 in den 914 Sound Studios in Blauvelt, nördlich von New York. Das Studio hatte nur sechzehn Spuren, Springsteen aber wollte einen Klang, der an Phil Spectors „Wall of Sound“ erinnert. Allein am Titelsong arbeitete er rund sechs Monate. Gitarren, Streicher, Saxofon, Glockenspiel, Keyboards und Stimmen wurden immer wieder übereinandergelegt und auf die wenigen Spuren zusammengefasst.

Im November 1974 gab Mike Appel eine Vorabfassung von „Born to Run“ an Radiosender im Nordosten der USA. Der Song lief im Radio, lange bevor es ein Album gab.

Neustart in Manhattan

Die übrigen Songs kamen in Blauvelt kaum voran. Im Frühjahr 1975 verlegte Landau die Aufnahmen in das Record Plant in Manhattan, ein deutlich besser ausgestattetes Studio. Dort saß ein junger Toningenieur am Pult, Jimmy Iovine. Von März bis Juli entstanden die restlichen Songs, oft von nachmittags bis in den frühen Morgen. Die Mischungen wurden erst kurz vor Beginn einer Tournee fertig. Springsteen hat erzählt, er habe eine fertige Pressung aus Angst in einen Pool geworfen, weil er sich nicht festlegen wollte.

03Der Klang

In der Zwischenzeit hatte sich die E Street Band verändert. Pianist Roy Bittan und Schlagzeuger Max Weinberg kamen im Sommer 1974 dazu. Bittans Klavier prägt das Album von den ersten Tönen von „Thunder Road“ an. Clarence Clemons' Saxofon gibt vielen Songs ihren Höhepunkt, Suki Lahav spielt die Geige am Anfang von „Jungleland“.

Für „Tenth Avenue Freeze-Out“ waren Bläser gebucht, doch die geschriebenen Arrangements funktionierten nicht. Steven Van Zandt, damals noch kein festes Bandmitglied, sang den Musikern ihre Parts kurzerhand vor.

Genau hingehört

Ein Album wie ein Panzer

Springsteen sagte 2005 dem Rolling Stone, man sei beim Aufbau und Spielen der Songs bis zum Äußersten gegangen. Das Album sei gebaut wie ein Panzer: „It was indestructible.“ Man hört das. Nichts ist dem Zufall überlassen, und trotzdem klingt es nach einer Band, die in einem Raum steht und spielt.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Born to Run erschien am 25. August 1975 und erreichte Platz drei der amerikanischen Albumcharts. Die Single „Born to Run“ wurde Springsteens erster Top-40-Hit. Am 27. Oktober 1975 war er gleichzeitig auf dem Titel von Time und Newsweek, als erster Rockmusiker überhaupt. Time feierte ihn als neue Sensation, Newsweek fragte eher skeptisch, wie viel davon die Werbung der Plattenfirma gemacht hatte.

Ein Sommer, eine Nacht

Die Songs erzählen von jungen Leuten, die aus ihrer Stadt herauswollen. Es geht um Autos, Straßen, Liebe und die Angst, stecken zu bleiben. Das Album beginnt am Morgen mit dem Klappen einer Fliegengittertür in „Thunder Road“ und endet tief in der Nacht, in den Straßen von „Jungleland“. Dazwischen liegt eine einzige lange Fahrt.

05Warum es einen Abend trägt

Born to Run ist für das Hören am Stück gemacht. Die erste Seite beginnt mit „Thunder Road“ und endet mit den sechseinhalb Minuten von „Backstreets“, einem der dunkelsten Songs der Platte. Wer die Seite wechselt, wird sofort vom Titelsong empfangen. So beginnt die zweite Hälfte mit einem Aufbruch.

Bis zum Ende von Jungleland

Danach wird es ruhiger: „She's the One“, dann „Meeting Across the River“, fast nur Trompete, Klavier und Stimme. Es ist die Stille vor dem letzten Stück. „Jungleland“ dauert mehr als neuneinhalb Minuten, mit Geige, Klavier und einem langen Saxofonsolo von Clarence Clemons. Wenn es verklingt, hat man ein ganzes Leben in einer Nacht gehört.

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