Künstlerporträt
Bruce Springsteen
Der Songschreiber aus New Jersey, der kleine Leben in Autos, Fabriken und Kleinstädten so groß klingen lässt wie Kinofilme.
Bruce Springsteen erzählt seit über fünfzig Jahren von Menschen, die raus wollen aus ihrer Stadt, und von denen, die geblieben sind. Er ist ein Rockstar, der Stadien füllt, und zugleich ein Erzähler, der einzelne Figuren so genau zeichnet wie ein Schriftsteller. Seine Konzerte mit der E Street Band dauern oft über drei Stunden – und das Publikum geht trotzdem mit dem Gefühl nach Hause, es seien zu wenige gewesen.
In diesem Porträt
1949–1972
01 Freehold
Bruce Frederick Joseph Springsteen wurde am 23. September 1949 in Long Branch, New Jersey, geboren und wuchs im Städtchen Freehold auf. Als er 1956 Elvis Presley in der Ed Sullivan Show sah, wusste er, was er werden wollte. Bald danach bekam er seine erste Gitarre.
In den Sechzigern spielte er in Bands wie The Castiles und Steel Mill und wurde zur festen Größe in den Bars und Clubs von Asbury Park an der Küste von New Jersey. 1972 spielte er John Hammond vor, dem legendären Talentsucher von Columbia, der schon Billie Holiday und Bob Dylan entdeckt hatte. Hammond nahm ihn unter Vertrag.
Asbury Park war ein in die Jahre gekommener Badeort mit Promenade, Spielhallen und Bars, und die Musikszene dort wurde zu Springsteens Schule. Viele Musiker, die er dort kennenlernte, spielten später in seiner E Street Band – benannt nach einer Straße im Nachbarort Belmar, in der die Band anfangs probte.
1973–1974
02 Der neue Dylan
Columbia vermarktete Springsteen als „neuen Dylan“. Seine ersten beiden Alben, Greetings from Asbury Park, N.J. und The Wild, the Innocent & the E Street Shuffle, erschienen beide 1973, voller wortreicher Songs über Straßen, Nächte und Freunde. Die Kritik war begeistert, die Verkäufe blieben enttäuschend.
Im Mai 1974 schrieb der Musikkritiker Jon Landau nach einem Konzert einen Satz, der berühmt wurde: Er habe die Zukunft des Rock ’n’ Roll gesehen. Landau wurde bald Springsteens Freund, Koproduzent und Manager. Die Plattenfirma gab ihm noch eine Chance.
Ich habe die Zukunft des Rock ’n’ Roll gesehen, und ihr Name ist Bruce Springsteen.
1975
03 Born to Run
Springsteen arbeitete rund ein halbes Jahr allein am Titelsong Born to Run. Er wollte klingen wie die Klangwände von Phil Spector und die Gitarren von Duane Eddy zugleich, schichtete Gitarren, Streicher, Glockenspiel und Saxofon übereinander. Das ganze Album dauerte über ein Jahr. „Jungleland“ am Ende enthält ein langes Saxofonsolo von Clarence Clemons, das für viele zum Herzstück der Platte wurde.
Born to Run erschien im August 1975. Im Oktober war Springsteen in derselben Woche auf den Titelseiten der Nachrichtenmagazine Time und Newsweek. Das Coverfoto, auf dem er sich lachend an Clarence Clemons lehnt, wurde zum Sinnbild der Freundschaft in der E Street Band.
1976–1981
04 Darkness und The River
Ein Rechtsstreit mit seinem früheren Manager hinderte Springsteen fast ein Jahr lang daran, neue Aufnahmen zu machen. Er schrieb in dieser Zeit Dutzende Songs. Darkness on the Edge of Town von 1978 war ernster und karger als Born to Run, erzählt von Arbeit, Enttäuschung und Trotz.
The River erschien im Oktober 1980 als Doppelalbum mit zwanzig Songs, zwischen ausgelassenen Barsongs und stillen Balladen über Ehe, Arbeit und frühes Erwachsenwerden. „Hungry Heart“ wurde sein erster großer Single-Hit, und The River sein erstes Nummer-eins-Album in den USA.
1982–1985
05 Nebraska und Born in the U.S.A.
Anfang 1982 nahm Springsteen zu Hause in seinem Schlafzimmer neue Songs auf einem einfachen Vierspurgerät auf, nur mit Gitarre, Mundharmonika und Stimme. Die Versuche mit Band klangen falsch, also erschienen die Demos fast unverändert als Album: Nebraska, düster und still.
Aus derselben Zeit stammen die Songs von Born in the U.S.A., das 1984 erschien und sieben Top-Ten-Singles hervorbrachte. Der Titelsong erzählt von einem Vietnamveteranen, der zu Hause keinen Platz mehr findet – und wurde trotzdem oft als patriotische Hymne missverstanden, auch von Politikern.
Die Tournee zu Born in the U.S.A. machte Springsteen zum Weltstar, mit Stadionkonzerten auf mehreren Kontinenten. Das Bild von ihm in Jeans und mit Stirnband wurde so stark, dass es seine Songs zeitweise überdeckte – obwohl viele von ihnen von Menschen erzählen, die vom amerikanischen Traum nichts abbekommen haben.
1987–heute
06 Weiter erzählen
Nach Jahren mit anderen Musikern kehrte Springsteen Ende der Neunziger zur E Street Band zurück. „Streets of Philadelphia“ gewann 1994 den Oscar. The Rising von 2002 war seine Antwort auf die Anschläge vom 11. September.
2011 starb Clarence Clemons, der „Big Man“ an seiner Seite. 2017 spielte Springsteen über ein Jahr lang am Broadway ein Soloprogramm, in dem er aus seinem Leben erzählte und dazwischen Lieder sang. Er ist bis heute auf Tournee, mit Konzerten, die kaum kürzer geworden sind.
Womit anfangen?
Born to Run: acht Songs, keine Pause im Druck, und am Ende steht „Jungleland“. The River braucht mehr Zeit und belohnt die, die sie sich nehmen. Zur Album-Story →
Die Alben bei Musik Ungestört
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Bruce Springsteen
Born to Run
1975rund 39 Minuten
Acht Songs, zwei Studios, sechs Monate allein für den Titelsong. Die letzte Chance bei der Plattenfirma, genutzt bis zur letzten Spur.
Zur Album-Story → -
Bruce Springsteen
The River
1980rund 83 Minuten
Springsteen verwarf eine fertig gemischte Einzel-LP und machte daraus ein zwanzig Tracks starkes Doppelalbum.
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Patti Smith
Horses
1975rund 43 Minuten
Patti Smith und Bruce Springsteen schrieben gemeinsam „Because the Night“ – Horses ist ihr Debüt von 1975, demselben Jahr wie Born to Run.
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Künstlerporträt
Bob Dylan
3 Alben auf dieser Seite
Als „neuer Dylan“ wurde Springsteen anfangs vermarktet – entdeckt vom selben Talentsucher, John Hammond.
Zum Porträt →
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