Musik Ungestört – ungestört & analog Termin anfragen

1991Albumvorschlag

Damn Right, I've Got the Blues

Buddy Guy

Ein Bluesmann aus Chicago ohne amerikanischen Plattenvertrag, ein Studio im Londoner Nordwesten und drei berühmte Gäste. Buddy Guy spielt, als wolle er an einem Abend nachholen, was man ihm jahrelang nicht zugetraut hatte.

1991 war Buddy Guy 54 Jahre alt und für Gitarristen wie Eric Clapton längst ein Vorbild – in den USA aber hatte er keinen Plattenvertrag mehr. Damn Right, I've Got the Blues änderte das: Das Album brachte ihm seinen ersten Grammy, eine Goldene Schallplatte und eine zweite Karriere.

  • Laufzeitrund 54 Minuten
  • Titel10
  • Jahr1991
  • AufgenommenBattery Studios, London (1991)
Das Albumcover von Damn Right, I've Got the Blues: eine Nahaufnahme von Buddy Guys Gesicht am Mikrofon vor dunklem Hintergrund, darüber sein Name in einem blauen Feld.
Buddy Guy, Damn Right, I've Got the Blues, Silvertone 1991. Foto Richard A. Siciliano. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Damn Right, I've Got the Blues4:31
  2. Where Is the Next One Coming From?4:38
  3. Five Long Years8:26
  4. Mustang Sally4:40
  5. There Is Something on Your Mind4:47
  6. Early in the Morning3:11
  7. Too Broke to Spend the Night5:03
  8. Black Night7:46
  9. Let Me Love You Baby3:59
  10. Rememberin' Stevie6:56

Gesamtlänge rund 54 Minuten53:57

Zum Cover

Das Cover rückt Buddy Guy ganz nah heran: Sein Gesicht füllt fast das ganze Bild, vor ihm das Mikrofon, dahinter nur Dunkelheit. Oben steht sein Name in einem blauen Feld, darunter der Titel in goldener Schreibschrift. Er klingt wie eine trotzige Antwort an alle, die ihn abgeschrieben hatten: Verdammt richtig, ich habe den Blues.

Das Foto von Guy am Mikrofon stammt laut den Credits von Richard A. Siciliano. Weitere Bilder im Heft lieferte Herb Snitzer, der vor allem als Jazzfotograf bekannt wurde und Guy schon in jungen Jahren zusammen mit Junior Wells fotografiert hatte. Gestaltet haben die Hülle Ben Wilson und Zombart.

Auf der Rückseite mancher Ausgaben ist außerdem Stevie Ray Vaughan zu sehen, der ein knappes Jahr vor der Veröffentlichung ums Leben gekommen war. Guy lag viel daran, ihn auf dem Album zu haben – als Bild und mit dem Instrumental, das die Platte beschließt.

Fotos: Richard A. Siciliano, Herb Snitzer
Gestaltung: Ben Wilson, Zombart
Label: Silvertone, 1991
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„Mir sind so viele Jahre im Studio entgangen, weil niemand glaubte, ich hätte etwas zu bieten.“

Buddy Guy im Interview 1997, über die Zeit vor seinem Comeback

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Damn Right, I've Got the Blues entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

London, Anfang 1990. Eric Clapton spielt eine lange Konzertreihe in der Royal Albert Hall, und an den Bluesabenden holt er sich Gäste auf die Bühne, darunter Robert Cray und Buddy Guy. Im Jahr darauf wiederholt sich das. Für Clapton ist Guy seit den Sechzigern ein Vorbild. Für das Londoner Publikum ist er eine Entdeckung.

Der Produzent John Porter kennt Andrew Lauder vom jungen Label Silvertone und schlägt ihm vor, eine Platte mit Guy zu machen. Nach Guys Auftritten mit Clapton in London sagt Lauder zu. Guy selbst hat später keinen Zweifel daran gelassen, wem er das verdankte: Clapton habe ihn in die Albert Hall geholt, und dort sei seine Plattenfirma auf ihn zugekommen.

Ein Abend in Wisconsin

Dazwischen liegt eine Nacht, die Guy nicht vergessen hat. Am 26. August 1990 steht er in Alpine Valley, Wisconsin, bei der Zugabe mit Clapton, Robert Cray, Jimmie Vaughan und dessen Bruder Stevie Ray auf der Bühne. Wenige Stunden später stirbt Stevie Ray Vaughan bei einem Hubschrauberabsturz. Das Album endet mit einem Instrumental für ihn: „Rememberin' Stevie“.

02Wie Damn Right, I've Got the Blues entstand

Porter war gerade nach Los Angeles gezogen, doch aufgenommen wurde in London, in den Battery Studios im Stadtteil Willesden. Sie gehörten Zomba, der Mutterfirma von Silvertone. Am Mischpult saß Toningenieur Tony Platt.

Um Guy herum stellte Porter eine feste Band zusammen: Greg Rzab, Guys eigener Bassist, Richie Hayward, Schlagzeuger von Little Feat, dazu Mick Weaver und Pete Wingfield an den Tasten und Neil Hubbard an der Rhythmusgitarre. Für einige Stücke kamen die Memphis Horns dazu, die Bläser, die man von unzähligen Soulplatten kennt.

Drei Gäste

Damit die Platte auch außerhalb der Bluesszene wahrgenommen wurde, holte Porter prominente Gitarristen: Mark Knopfler von Dire Straits spielt auf „Where Is the Next One Coming From?“, Jeff Beck auf „Mustang Sally“ und zusammen mit Eric Clapton auf „Early in the Morning“. Für Claptons Beitrag flog Porter eigens nach Dublin. Porter erzählte später auch, wie es um Guy vorher stand: Er sei für rund 500 Dollar pro Abend aufgetreten und kaum jemandem ein Begriff gewesen.

03Der Klang

Die Gäste sind gut zu hören, aber sie stehen nicht im Vordergrund. Den Raum füllt Guys Gitarre: hell, scharf, oft übersteuert, mit plötzlichen Sprüngen von leise zu laut. Schon der Titelsong, eine eigene Komposition, klingt, als wolle er beweisen, dass er nichts verlernt hat.

Die Band spielt dazu satt und sauber, mit Orgel, Bläsern und Chorsängerinnen. Das ist der Klang einer großen Produktion der frühen Neunziger, und er macht aus dem rauen Chicago-Blues etwas, das auch im Radio bestehen konnte. Kritiker wie Bill Dahl von AllMusic fanden manche Coverauswahl zu naheliegend – und lobten zugleich, wie Guys Gitarre durch alles hindurchschneidet.

Das Original

Five Long Years, 1952

Das längste Stück des Albums stammt von Eddie Boyd, der damit 1952 die Spitze der amerikanischen R&B-Charts erreichte. Es erzählt von einem Arbeiter, der jahrelang seinen Lohn nach Hause bringt und am Ende trotzdem verlassen wird. Guy hatte den Song schon zweimal mit Junior Wells aufgenommen. Hier dehnt er ihn auf über acht Minuten – ein langsamer Blues, in dem er sich Zeit lässt.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Drei eigene Stücke stehen neben Songs unter anderem von John Hiatt, Eddie Boyd, Louis Jordan und Willie Dixon. Dazu kommt „Mustang Sally“, bekannt durch Wilson Pickett. Das klingt nach Wundertüte, doch Guys Stimme und Gitarre halten alles zusammen. Ein schöner Zug: „Let Me Love You Baby“ hatte er schon 1961 als Single bei Chess veröffentlicht. Dreißig Jahre später nimmt er seine alte Single noch einmal auf, mit mehr Wucht.

Ein Erfolg für den Blues

Das Album kam in Großbritannien auf Platz 43. In den USA reichte es nur für Platz 136 der Billboard-Charts, wurde aber mit Gold ausgezeichnet – für ein Bluesalbum damals viel. Im Februar 1992 gewann es den Grammy für das beste zeitgenössische Bluesalbum. Der Titel begleitete Guy danach weiter: 1999 als Name eines Buchs über sein Leben, später als Name seiner Abschiedstournee.

Für Stevie Ray Vaughan schließt sich hier ein Kreis. Auf Texas Flood hatte Vaughan 1983 Guys „Mary Had a Little Lamb“ gespielt. Nun beendet Guy sein eigenes Comeback mit einem Stück für den Jüngeren.

05Warum es einen Abend trägt

Rund 54 Minuten, zwei fast gleich lange Seiten. Die erste beginnt mit dem trotzigen Titelsong und findet in „Five Long Years“ ihre Mitte. Die zweite startet mit „Early in the Morning“, bei dem Clapton und Beck gemeinsam zu Gast sind, geht durch das lange, langsame „Black Night“ und endet ohne Gesang: „Rememberin' Stevie“ ist fast sieben Minuten Gitarre, die sich von einem Freund verabschiedet.

Wer spielt hier gerade?

In der Runde lässt sich gut raten, wann Knopfler, Beck oder Clapton zu hören ist – und wann es doch Guy selbst ist. Und man kann darüber reden, was ein Comeback eigentlich braucht: berühmte Freunde, eine gute Produktion oder einfach jemanden, der endlich zuhört.

Braucht ein großer Musiker berühmte Gäste, damit man ihm zuhört – oder hätte Buddy Guy es auch allein geschafft?