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1966Albumvorschlag

Blues Breakers with Eric Clapton

John Mayall & the Bluesbreakers

Ein junger Gitarrist, der sich weigert, leiser zu drehen. Ein Toningenieur, der beim ersten Ton fast vom Stuhl fällt. Und ein Coverfoto, auf dem der Star lieber Comics liest.

John Mayalls Bluesbreakers spielten 1966 in den Londoner Clubs amerikanischen Blues, lauter und rauer als ihre Vorbilder. Im Studio wollten sie genau diesen Klang festhalten. Mit Eric Clapton an der Gitarre entstand dabei ein Album, das den Sound der Rockgitarre für Jahrzehnte prägte.

  • Laufzeitrund 37 Minuten
  • Titel12
  • Jahr1966
  • AufgenommenDecca Studios, West Hampstead, London (Frühjahr 1966)
Das Albumcover von Blues Breakers with Eric Clapton: die vier Musiker sitzen auf einem Bordstein vor einer Wand, Eric Clapton liest dabei ein Comicheft.
John Mayall & the Bluesbreakers, Blues Breakers with Eric Clapton, Decca 1966. Fotografie David Wedgbury. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. All Your Love3:33
  2. Hideaway3:15
  3. Little Girl2:35
  4. Another Man1:45
  5. Double Crossing Time3:02
  6. What'd I Say4:25
  7. Key to Love2:06
  8. Parchman Farm2:20
  9. Have You Heard5:55
  10. Ramblin' on My Mind3:07
  11. Steppin' Out2:30
  12. It Ain't Right2:40

Zum Cover

Vier junge Männer sitzen auf einem Bordstein vor einer bespritzten Wand und schauen in die Kamera. Nur einer nicht: Eric Clapton hat ein Comicheft aufgeschlagen, den Beano, und liest.

Fotografiert hat David Wedgbury aus der Werbeabteilung von Decca. Clapton hat später geschrieben, er habe bei dem Shooting einfach unkooperativ sein wollen. Er war gelangweilt und las den Comic, den er am selben Morgen gekauft hatte. Das Heft ist auf den 7. Mai 1966 datiert. Aus der Geste wurde der Spitzname der Platte: Bis heute heißt sie bei vielen einfach „das Beano-Album“.

Das Layout der Hülle stammt von John Mayall selbst. Wo genau das Foto entstand und an welchem Tag, ist nicht sicher dokumentiert. Das Bild passt trotzdem perfekt: Es zeigt eine Band, die sich nicht um Wirkung schert – und einen Gitarristen, der gerade dabei ist, berühmt zu werden, und keine Lust darauf hat.

Fotografie: David Wedgbury
Layout: John Mayall
Label: Decca, 1966
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„We were just playing the stuff we were doing in clubs. The material was totally familiar to us and felt natural.“

Eric Clapton über die Aufnahmen mit den Bluesbreakers

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie das Album entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Decca Studios in West Hampstead, Frühjahr 1966. Eric Clapton stellt seinen Marshall-Verstärker auf und dreht ihn so laut, wie er es aus den Clubs gewohnt ist. Der Toningenieur Gus Dudgeon ist entsetzt, Produzent Mike Vernon erinnert sich, er sei beim ersten Ton fast umgefallen. Clapton weigert sich, leiser zu drehen.

Also findet man einen anderen Weg: Der Verstärker wird zur Wand gedreht, Stellwände kommen um ihn herum, das Mikrofon hängt ein Stück davor. Vernon hat später gesagt, der Klang sei überall im Raum gewesen, weil es so laut war.

Ein Klang, der Schule machte

Clapton spielte eine Gibson Les Paul durch einen kleinen Marshall-Combo, beide weit aufgedreht. Diese Kombination aus Gitarre und übersteuertem Röhrenverstärker wurde nach diesem Album zum Grundklang der Rockgitarre. Die Gitarre selbst wurde kurz darauf gestohlen und ist bis heute verschwunden.

02Wie das Album entstand

Mayall wollte zunächst ein Live-Album aus dem Flamingo Club herausbringen, doch die Tonqualität reichte nicht. Im Studio war das Ziel deshalb, die Band so festzuhalten, wie sie auf der Bühne klang. Vernon: „The whole plan was to make that record as live-sounding as we possibly could.“ Die Soli wurden bis auf wenige Ausnahmen live eingespielt, in wenigen Tagen und auf Vierspur-Technik.

Zur Band gehörten John Mayall an Gesang, Orgel, Klavier und Mundharmonika, John McVie am Bass, der später mit Fleetwood Mac berühmt wurde, und Hughie Flint am Schlagzeug. Auf einigen Stücken spielt ein kleiner Bläsersatz.

Claptons erster Gesang

„Ramblin' on My Mind“ ist die erste Aufnahme, auf der Clapton selbst singt. Er wählte bewusst einen Song von Robert Johnson, dem Delta-Bluesmusiker, den er verehrte. Kurz nach den Aufnahmen verließ Clapton die Band und gründete mit Jack Bruce und Ginger Baker die Gruppe Cream.

03Der Klang

Weil die Band gemeinsam in einem Raum spielte, klingt das Album räumlich und direkt. Die Gitarre drang in alle Mikrofone, das Schlagzeug musste zurückstecken. Hughie Flint sollte möglichst auf laute Becken verzichten. Das Ergebnis ist rau, aber lebendig: ein Club, eingefangen im Studio.

Claptons Ton ist verzerrt und singend zugleich, mit kontrollierter Rückkopplung. Für die Hörer von 1966 war das neu. Heute klingt es wie der Ursprung von allem, was danach im Bluesrock kam.

Mono

Die Originalfassung hat nur einen Kanal

1966 erschien das Album nur in Mono. Eine Stereofassung kam in Großbritannien erst Jahre später. Für einen analogen Hörabend ist die Monoplatte die authentische Fassung: So hat die Band selbst die Aufnahme gehört.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Das Album ist das Bühnenprogramm der Band: Chicago-Blues von Otis Rush, Freddie King und Little Walter, dazu Mayalls eigene Songs, zwei Instrumentals und auf der zweiten Seite die Bläser als Kontrast. Clapton sagte, sie hätten einfach gespielt, was sie in den Clubs spielten.

Platz 6 und ein Graffito

In Großbritannien erreichte das Album Platz 6 der Charts. Um diese Zeit tauchte an Londoner Wänden der Schriftzug „Clapton is God“ auf. Für die Musik aber war dieses Album ein Wendepunkt: Der Blues aus Chicago war in London angekommen und kam lauter zurück.

05Warum es einen Abend trägt

Rund 37 Minuten, zwei knappe Plattenseiten, zwölf Stücke, von denen keines zu lang ist. Man hört eine junge Band, die ihre Vorbilder spielt und dabei etwas Neues schafft.

Vorbild und Nachfolger nebeneinander

Für einen Hörabend lohnt es sich, dieses Album neben die Originale zu legen: Muddy Waters, B.B. King, Albert King. Dann hört man, was die Londoner aus dem Chicago-Blues gemacht haben – und warum danach die Rockmusik anders klang.

Wann wird aus Verehrung für ein Vorbild etwas Eigenes?