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1983Albumvorschlag

Texas Flood

Stevie Ray Vaughan and Double Trouble

Ein Trio aus Texas, ein geschenktes Studio und zwei Tage Zeit. Fast alles ist der erste oder zweite Versuch – und genau so klingt es: wie eine Band, die sich beim Spielen ansieht.

1982 war Stevie Ray Vaughan außerhalb von Texas fast unbekannt. Ein Jahr später spielte er auf David Bowies „Let’s Dance“ und veröffentlichte sein eigenes Debüt. Texas Flood brachte den Blues mitten in der Zeit von Synthesizern und Drumcomputern zurück ins Radio.

  • Laufzeitrund 38 Minuten
  • Titel10
  • Jahr1983
  • AufgenommenDown Town Studio, Los Angeles (November 1982)
Das Albumcover von Texas Flood: ein gemaltes Porträt von Stevie Ray Vaughan mit Hut und Gitarre.
Stevie Ray Vaughan and Double Trouble, Texas Flood, Epic 1983. Illustration Brad Holland. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Love Struck Baby2:19
  2. Pride and Joy3:39
  3. Texas Flood5:21
  4. Tell Me2:48
  5. Testify3:20
  6. Rude Mood4:36
  7. Mary Had a Little Lamb2:46
  8. Dirty Pool4:58
  9. I'm Cryin'3:41
  10. Lenny5:00

Zum Cover

Kein Foto, sondern ein Gemälde: Stevie Ray Vaughan mit Hut und Gitarre. Auf dem Cover steht sogar der Name des Malers, bei Plattencovern eine Seltenheit.

Gemalt hat das Bild der Illustrator Brad Holland. Die ursprüngliche Idee der Plattenfirma war Vaughan in Westernkleidung, auf einem Pferd durch eine Flut reitend. Holland fand das zu kitschig. Als Vorlage bekam er nur ein schlechtes Polaroid, auf dem das Gesicht kaum zu erkennen war. Also bestand er darauf, dass Vaughan persönlich in sein Atelier in New York kam.

Vaughan kam missmutig, taute aber auf und zeigte Fotos von seinen Konzerten. Holland erinnerte sich später an einen besonderen Nachmittag. Ob Vaughan das fertige Bild mochte, ist nicht überliefert. Das Cover zeigt ihn so, wie ihn viele in Erinnerung haben: ruhig, mit Hut, die Gitarre immer dabei.

Illustration: Brad Holland
Art Direction: John Berg, Allen Weinberg
Label: Epic, 1983
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„We just found a little corner, set up in a circle looking at and listening to each other and played like a live band.“

Tommy Shannon Bassist von Double Trouble, über die Aufnahmen in Los Angeles

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Texas Flood entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Montreux, Juli 1982. Stevie Ray Vaughan und seine Band Double Trouble spielen beim Jazzfestival, an einem Abend, der eigentlich für akustische Musik vorgesehen ist. Sie spielen laut und elektrisch. Ein Teil des Publikums buht. Doch im Saal sitzen zwei Leute, die genau hinhören: David Bowie und Jackson Browne.

Bowie spricht Vaughan nach dem Konzert an und holt ihn später für die Aufnahmen zu „Let's Dance“. Browne jammt mit der Band bis in den Morgen und bietet ihr sein Studio in Los Angeles an, kostenlos.

Drei Tage im November

Im November 1982 zieht das Trio in Brownes Down Town Studio. Drei Tage sind gebucht, der erste geht für den Aufbau drauf. An den beiden anderen spielen sie das Album ein, zwei Songs am ersten Tag, acht am zweiten.

02Wie Texas Flood entstand

Eigentlich sollten die Aufnahmen nur eine Demo sein. Über den Manager der Band kamen sie zu John Hammond, dem legendären Talentsucher, der zuvor schon Billie Holiday, Bob Dylan und Bruce Springsteen entdeckt hatte. Hammond gab das Band an Epic weiter, und im März 1983 bekam die Band ihren Plattenvertrag.

Zur Band gehörten Tommy Shannon am Bass und Chris Layton am Schlagzeug. Die Gitarrenspuren wurden live eingespielt, Overdubs gab es kaum, vor allem beim Gesang. Layton: „Everything was a first or second take I believe.“

„Number One“

Vaughans wichtigste Gitarre war eine abgenutzte Fender Stratocaster, die er „Number One“ nannte. Das Instrumental „Lenny“ spielte er auf einer anderen Strat, einem Geschenk seiner Frau Lenora, der er den Song widmete.

03Der Klang

Das Studio war eine große Halle mit Betonboden, auf dem ein paar Teppiche lagen. Die Band spielte im Kreis, mit Blickkontakt. Vor jedem Verstärker stand ein einfaches Mikrofon, der einzige Effekt war ein Verzerrerpedal. Toningenieur Richard Mullen brachte seine Methode auf eine kurze Formel: Mikrofon davor, voll aufdrehen und los.

Vaughan spielte mit sehr dicken Saiten, den Titelsong einen Halbton tiefer gestimmt. Das gibt seinem Ton die Wucht, die man auf der ganzen Platte hört, vom schnellen „Rude Mood“ bis zum langsamen Titelsong.

Das Original

Texas Flood, 1958

Der Titelsong stammt von Larry Davis, der ihn 1958 in Houston als Single veröffentlichte. Vaughans Fassung ist fast doppelt so lang, weil er dem Song lange improvisierte Gitarrenpassagen hinzufügt. Wer beide nacheinander hört, versteht, wie viel Raum ein alter Blues für einen neuen Gitarristen lässt.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Eigene Songs und Blues-Klassiker stehen nebeneinander: Howlin' Wolf, die Isley Brothers, Buddy Guy. Die Band hatte vorher nicht einmal eine Songliste aufgeschrieben. Und doch klingt das Album aus einem Guss, weil es von drei Musikern stammt, die sich blind verstehen.

Blues im Radio der Achtziger

Das Album kam in den USA auf Platz 38 der Charts, „Pride and Joy“ lief im Radio und auf MTV. Für den Blues, der in den Achtzigern kaum noch eine Rolle spielte, war das eine kleine Sensation. Heute steht das Album in der Grammy Hall of Fame und im nationalen Tonarchiv der Library of Congress.

05Warum es einen Abend trägt

Knapp 39 Minuten, zwei Seiten. Die zweite beginnt mit einem Instrumental und endet mit einem: vom rasanten „Rude Mood“ bis zum stillen „Lenny“, mit dem das Album leise ausklingt.

Drei Musiker in einem Raum

Man hört auf dieser Platte eine Band, die sich beim Spielen ansieht. Für einen gemeinsamen Hörabend ist das genau richtig: Nach der ersten Seite umdrehen, kurz darüber reden, wie es klingen kann, wenn nichts nachbearbeitet wird – und dann weiterhören.

Wie klingt eine Band, wenn man ihr nur zwei Tage und kein zweites Mal gibt?