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Künstlerporträt

Buddy Guy

Jahrzehntelang war er der Gitarrist, von dem die Stars lernten – bis er mit Mitte fünfzig selbst einer wurde.

Buddy Guy kam 1957 mit einer Gitarre und wenig Geld aus Louisiana nach Chicago und wurde dort zu einem der lautesten, wildesten Bluesgitarristen seiner Zeit. Eric Clapton, Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan haben sich bei ihm viel abgeschaut. Seine eigene Plattenfirma dagegen hielt sein Spiel lange für Lärm. Erst mit Mitte fünfzig bekam er den Erfolg, den andere mit seinen Ideen längst hatten. Seitdem gilt er als einer der letzten großen Vertreter des elektrischen Chicago-Blues.

In diesem Porträt

  1. 01Louisiana 1936–1957
  2. 02Chicago 1957–1967
  3. 03Unterwegs 1965–1989
  4. 04Comeback 1990–2005
  5. 05Spätwerk 2005–2024
  6. 06Was bleibt 2024–heute

1936–1957

01 Louisiana

George „Buddy“ Guy wurde am 30. Juli 1936 in Lettsworth, Louisiana, geboren, als ältestes von fünf Kindern einer Pächterfamilie. Schon als Kind pflückte er Baumwolle. Sein erstes Instrument baute er sich selbst: ein Brett mit zwei gespannten Drähten, einen sogenannten Diddley Bow, wie ihn viele Bluesmusiker aus dem Süden als Kinder hatten. Später bekam er eine einfache akustische Gitarre, die heute in der Rock and Roll Hall of Fame liegt.

Mitte der Fünfziger spielte er in Baton Rouge in kleinen Bands und arbeitete nebenher als Hausmeister an der Universität. Sein Ziel aber hieß Chicago, die Stadt von Muddy Waters und dem elektrischen Blues.

1957–1967

02 Chicago

Am 25. September 1957 kam Guy in Chicago an, ohne Arbeit und oft ohne Essen. Bald bekam er Auftritte im 708 Club, und eines Abends wartete Muddy Waters draußen auf ihn. Guy erzählte später, Waters habe ihn gezwungen, ein Sandwich zu essen, und gesagt: „Nenn mich einfach deinen Daddy.“ Wer die Geschichte des Chicago-Blues hören will, fängt am besten bei Muddy Waters an.

1958 setzte er sich bei einem Gitarrenwettbewerb gegen Magic Sam und Otis Rush durch und bekam seinen ersten Plattenvertrag. Ein Jahr später wechselte er zu Chess, dem wichtigsten Blueslabel der Stadt. Dort spielte er als Studiogitarrist für Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Little Walter, Sonny Boy Williamson und Koko Taylor.

Seine eigenen Aufnahmen hatten es schwerer. Label-Chef Leonard Chess hielt Guys lautes, übersteuertes Spiel für bloßen Krach. Nur ein Album erschien, I Left My Blues in San Francisco, 1967. Noch in diesem Jahr fuhr Guy tagsüber einen Abschleppwagen und spielte nachts in Clubs.

1965–1989

03 Unterwegs

In Europa hörte man genauer hin. 1965 tourte er mit dem American Folk Blues Festival, im selben Jahr spielte er auf Junior Wells’ Album Hoodoo Man Blues – aus Vertragsgründen unter dem Namen „Friendly Chap“. Mit Wells blieb er über Jahrzehnte verbunden. Junge Gitarristen wie Clapton und Jimi Hendrix übernahmen von ihm die Lautstärke, die Show, die Freiheit.

Nach Chess nahm er für Vanguard auf, darunter 1968 A Man and the Blues mit „Mary Had a Little Lamb“, das Stevie Ray Vaughan später auf Texas Flood spielte. 1972 eröffnete er mit einem Partner den Club Checkerboard Lounge in Chicago.

In den Siebzigern und Achtzigern hatte Guy keinen großen amerikanischen Plattenvertrag. Er nahm für kleine und europäische Labels auf und lebte vom Touren. 1989 eröffnete er in Chicago seinen eigenen Club: Buddy Guy’s Legends.

1990–2005

04 Comeback

Cover von Damn Right, I've Got the Blues
Damn Right, I've Got the Blues · 1991

Die Wende kam in London. Clapton lud ihn 1990 und 1991 zu seinen Bluesabenden in der Royal Albert Hall ein, danach nahm ihn das Label Silvertone unter Vertrag. Im Sommer 1991 erschien Damn Right, I've Got the Blues, aufgenommen in London, mit Clapton, Jeff Beck und Mark Knopfler als Gästen.

Das Album wurde Gold und gewann 1992 den Grammy für das beste zeitgenössische Bluesalbum. Es folgten weitere Platten und weitere Grammys, etwa für Feels Like Rain und Slippin' In. Aus dem Geheimtipp für Gitarristen war ein Star geworden.

2003 erhielt er die National Medal of Arts, 2005 nahmen ihn Clapton und B.B. King in die Rock and Roll Hall of Fame auf. Clapton sagte dabei, egal wie gut ein Song gewesen sei: Sein Ohr habe Guy immer herausgehört, allein wegen der Eigenständigkeit und Lebendigkeit seines Spiels.

2005–2024

05 Spätwerk

2012 wurde er mit den Kennedy Center Honors geehrt und spielte im Weißen Haus, im selben Jahr erschien seine Autobiografie When I Left Home. Seine gepunkteten Stratocaster-Gitarren wurden zu seinem Markenzeichen.

2023 und 2024 ging er auf Abschiedstournee. Sie hieß „Damn Right Farewell Tour“ – nach dem Comeback-Album, dessen Titel ihn seit 1991 begleitet.

2024–heute

06 Was bleibt

Aufgehört hat er trotzdem nicht. 2025 erschien Ain't Done with the Blues, das ihm 2026 seinen neunten Grammy einbrachte, und im Sommer 2026, rund um seinen 90. Geburtstag, ging er noch einmal auf Tour.

Buddy Guy ist das Bindeglied zwischen den Chess-Studios der Fünfziger und dem Bluesrock, den Clapton, Hendrix und Vaughan in die Welt trugen. Viele seiner Ideen wurden erst berühmt, als andere sie spielten.

Im Legends in Chicago spielt er bis heute jeden Januar eine Reihe von Konzerten. Dort treffen Besucher auf den Mann, der gesehen hat, wie der Blues elektrisch wurde, und der ihn seitdem nicht mehr leiser gedreht hat.

Hörtipp

Damn Right, I've Got the Blues ist ein Album für einen langen Abend unter Leuten, die Gitarren lieben – am besten mit einer Pause nach der ersten Seite und der Bitte an alle, beim letzten Stück still zu sein. Zur Album-Story →

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