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1970Albumvorschlag

Moondance

Van Morrison

Zehn Songs, achtunddreißig Minuten, eine Band, die gemeinsam spielte, während der Sänger live dazu sang. Auf Moondance sucht Van Morrison das Mystische und findet dabei Lieder, die man nach dem ersten Hören mitsummt.

Nach dem kommerziellen Misserfolg von Astral Weeks zog Van Morrison 1969 mit seiner Frau Janet Planet in die Catskills bei Woodstock. Dort schrieb er Songs, die zugänglicher sein sollten, und stellte eine neue Band zusammen. Im Spätsommer nahm er sie in New York auf, zum ersten Mal als sein eigener Produzent.

  • Laufzeitrund 38 Minuten
  • Titel10
  • Jahr1970
  • AufgenommenA&R Studios, Studio A, New York (August–September 1969)
Das Albumcover von Moondance: ein Porträt von Van Morrison in warmem, gelb-orangem Licht, am linken Rand vier kleinere Fotos übereinander.
Van Morrison, Moondance, Warner Bros. Records 1970. Foto Elliott Landy. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. And It Stoned Me4:30
  2. Moondance4:35
  3. Crazy Love2:34
  4. Caravan4:57
  5. Into the Mystic3:25
  6. Come Running2:30
  7. These Dreams of You3:50
  8. Brand New Day5:09
  9. Everyone3:31
  10. Glad Tidings3:13

Zum Cover

Ein Porträt in warmem, gelb-orangem Licht, das Morrisons braune Augen und seinen rötlichen Bart betont. Neben dem großen Bild stehen am linken Rand vier kleinere Aufnahmen übereinander. Name und Titel sind in Kleinbuchstaben über das Hauptfoto gesetzt.

Fotografiert hat Elliott Landy, der kurz zuvor das Cover von Bob Dylans Nashville Skyline aufgenommen hatte. Die Bilder entstanden 1969 in Woodstock, bei Morrison zu Hause. Landy wählte den Ausschnitt mit Bedacht: An diesem Tag hatte Morrison einen großen Pickel auf der Stirn, und der sollte nicht ins Bild.

Den Text auf der Rückseite schrieb Janet Planet, im Ton eines Märchens. Er beginnt mit „Once upon a time, there lived a very young man who was, as they say, gifted“. Kein Pressetext, eher ein Blick von sehr nah auf einen Menschen, der wenig über sich selbst sprach.

Foto: Elliott Landy
Gestaltung: Bob Cato
Label: Warner Bros. Records, 1970
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„No one knew what I was looking for except me, so I just did it.“

Van Morrison Über seine Rolle als eigener Produzent

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Moondance entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Shelly Yakus saß im Studio A von A&R Recording in New York am Mischpult. Er hat erzählt, wie wenig Morrison während der Aufnahmen sprach. Die einzige Bitte, an die er sich erinnert: mehr Tiefe in der Stimme. Ansonsten sei Morrison sehr ruhig und introvertiert gewesen. Sobald er aber sang, war das für Yakus jedes Mal ein Moment ungläubigen Staunens.

Morrison sang nicht nachträglich zur fertigen Musik, sondern gleichzeitig mit der Band, in einer ungewöhnlich großen Kabine am anderen Ende des Raums, dem Regieraum gegenüber.

Ein Mikrofon, acht Spuren

Die Technik war schlicht. Für die Stimme gab es ein einziges Mikrofon, ein Neumann U 67: „I had just one mic on Van, a [Neumann] 67, going through a Pultec and a limiter“, so Yakus. Aufgenommen wurde auf einer Scully-Achtspurmaschine. Für einen Hörabend von Band ist das ein schöner Gedanke: Was man hört, ist im Kern ein Raum voller Musiker, die zur selben Zeit spielen.

02Wie Moondance entstand

Astral Weeks war 1968 von der Kritik geschätzt worden, verkaufte sich aber schlecht. Morrison zog aufs Land, in die Gegend um Woodstock, und begann im Juli 1969, neue Songs zu schreiben. Er hat später offen gesagt, dass er diesmal Platten machen wollte, die Menschen auch kaufen.

Aus der Gegend um Woodstock holte er die Musiker: den Gitarristen John Platania, den Saxofonisten Jack Schroer, den Bassisten John Klingberg und den Keyboarder Jef Labes. Dazu kamen Collin Tilton an Tenorsaxofon und Flöte, Gary Mallaber an Schlagzeug und Vibrafon sowie Guy Masson an den Congas. Die Aufnahmen begannen in den Century Sound Studios und zogen dann in das Studio A von A&R um.

Ohne Noten

Morrison kam ohne ausgeschriebene Arrangements ins Studio. Die Songs trug er im Kopf, die Band entwickelte sie im Spiel mit ihm. Lewis Merenstein, der schon Astral Weeks produziert hatte, war nur noch als ausführender Produzent dabei. Die Entscheidungen traf Morrison selbst, weil nur er wusste, wonach er suchte.

03Der Klang

Moondance klingt voller und direkter als sein Vorgänger. Zwei Saxofone, Flöte, Klavier und Orgel, dazu Congas und ein fester Beat: Aus dem schwebenden Folk-Jazz wird Soul mit Swing. Den Titelsong schrieb Morrison andersherum als sonst: „With 'Moondance' I wrote the melody first“, erzählte er. Er spielte die Melodie auf dem Sopransaxofon und wusste, dass daraus ein Song werden würde.

Bei „Crazy Love“ stand Morrison so dicht am Mikrofon, dass man hören kann, wie seine Zunge gegen den Gaumen schnalzt. Ein Detail, das auf einer guten Anlage hörbar wird.

Genau hingehört

Wie eine einzige Person

Yakus hat beschrieben, worum es bei den Aufnahmen ging: so lange am Titelsong zu arbeiten, bis alle spielten „like one person playing all of the instruments“. Einige Bläser wurden später gedoppelt, der Rest musste in einem Durchgang gelingen. Er verglich es damit, eine Gruppe Schauspieler im selben Moment auf ihren Höhepunkt zu bringen. Die Musik sei dadurch rau und fertig zugleich.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Viele Songs auf Moondance handeln von einfachen Dingen, die plötzlich größer werden. „And It Stoned Me“ geht auf eine Erinnerung zurück: Morrison war etwa zwölf, auf dem Weg zum Angeln in Ballystockart gab ihm ein alter Mann Wasser aus dem Bach. „Time stood still“, sagte er später über diesen Moment. In „Caravan“ ist es ein Radio, das er in Woodstock aus einer Meile Entfernung so deutlich hörte, als liefe es im eigenen Haus. In „Into the Mystic“ ist es das Meer, bei „Brand New Day“ ein Sonnenstrahl beim Hören eines Songs von The Band.

Erfolg auf Umwegen

In den USA kam das Album auf Platz 29, in Großbritannien auf Platz 32, in den Niederlanden auf Platz 9. Der Titelsong erschien erst 1977 als Single. Trotzdem wurde Moondance über die Jahre zu Morrisons bekanntestem Album: In den USA dreifach mit Platin ausgezeichnet, 1999 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen. Robert Christgau fasste seine Stärke knapp zusammen: „Visionary hooks his specialty.“

05Warum es einen Abend trägt

Moondance ist klar in zwei Hälften geteilt, fünf Songs auf jeder Seite. Seite A dauert rund zwanzig Minuten und versammelt die bekanntesten Stücke, von „And It Stoned Me“ über den Titelsong bis „Caravan“. Sie endet mit „Into the Mystic“, und danach braucht es einen Moment Stille, bevor die Platte umgedreht wird.

Die leisere zweite Seite

Seite B ist mit gut achtzehn Minuten etwas kürzer und entspannter. „Come Running“ hat Morrison selbst als leichten, fröhlichen Song beschrieben, „Brand New Day“ wächst langsam zu einem Chor, „Glad Tidings“ schließt mit Schwung. Wer beim Umdrehen genau hinhört, bemerkt, wie die Stimmung vom Suchen zum Ankommen wechselt. Übrigens: Auf frühen Pressungen ist in „Into the Mystic“ ein Tamburin zu hören, das in späteren Abmischungen fehlt.

Was hört man, wenn die Zeit für fünf Minuten stillsteht?

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