Künstlerporträt
Van Morrison
Ein Sänger aus Belfast, der Soul, Blues, Jazz und irische Tradition zu einer ganz eigenen, suchenden Musik verschmolzen hat.
Van Morrison singt, als ginge es in jedem Lied um etwas, das sich nicht ganz in Worte fassen lässt. Er kommt aus dem Rhythm and Blues, verehrt Ray Charles und die Jazzsänger seiner Jugend und hat doch immer Belfast und die irische Landschaft mit in seine Musik genommen. Seine Songs wiederholen Zeilen, bis sie sich öffnen, und strecken sich, bis aus einem Lied eine Art Gebet wird. Seit über sechzig Jahren macht er Platten, und nur wenige Musiker sind ihrem Ton so treu geblieben.
In diesem Porträt
1945–1963
01 Belfast
George Ivan Morrison wurde am 31. August 1945 in Belfast geboren und wuchs im Osten der Stadt auf. Sein Vater besaß eine große Plattensammlung mit Blues, Gospel, Jazz und Country, und so hörte Van schon als Kind Ray Charles, Mahalia Jackson und Muddy Waters.
Er lernte Gitarre, Saxofon und Mundharmonika und tingelte als Teenager mit Showbands. Mit einer davon, den Monarchs, spielte er Anfang der Sechziger in Clubs in Deutschland.
1964–1966
02 Them
Im April 1964 gründete Morrison in Belfast die Band Them. Ihre Single „Baby, Please Don’t Go“ wurde ein Hit, und auf der B-Seite stand ein Song, den er selbst geschrieben hatte: „Gloria“. Er wurde zu einem der meistgespielten Stücke der Rockgeschichte.
1965 folgten „Here Comes the Night“ und „Mystic Eyes“. 1966 nahmen Them Bob Dylans „It’s All Over Now, Baby Blue“ auf. Kurz danach verließ Morrison die Band.
1967–1968
03 Astral Weeks
In New York nahm er 1967 für den Produzenten Bert Berns auf. Daraus wurde „Brown Eyed Girl“, sein erster großer Solohit in den USA.
1968 erschien Astral Weeks, aufgenommen in wenigen Sitzungen mit Jazzmusikern wie dem Bassisten Richard Davis und dem Schlagzeuger Connie Kay. Die Songs kreisen um Erinnerungen an Belfast, etwa „Cyprus Avenue“. Das Album verkaufte sich zunächst kaum, gilt heute aber als eines der großen Werke der Popmusik.
1969–1970
04 Moondance
Morrison lebte inzwischen in den Catskills bei Woodstock im Bundesstaat New York und schrieb dort die neuen Songs. Im August und September 1969 nahm er sie in den A&R Studios in New York auf, zum ersten Mal als sein eigener Produzent. Mit dabei waren unter anderem der Gitarrist John Platania, der Keyboarder Jef Labes, der Schlagzeuger Gary Mallaber und die Saxofonisten Jack Schroer und Collin Tilton.
Moondance erschien Anfang 1970 und klingt wärmer und zugänglicher als Astral Weeks: Bläser, Swing, Soul. Auf den zehn Stücken stehen „And It Stoned Me“, der jazzige Titelsong, „Crazy Love“, „Caravan“ und „Into the Mystic“. Es wurde sein erstes Album, das sich über eine Million Mal verkaufte, und viele der Songs gehören bis heute zu seinem Konzertprogramm.
1970–1979
05 Kalifornien
Noch 1970 folgte His Band and the Street Choir mit dem Hit „Domino“. Morrison zog nach Kalifornien, wo Tupelo Honey mit „Wild Night“ und 1972 Saint Dominic’s Preview entstanden.
Mit seiner großen Begleitband, dem Caledonia Soul Orchestra, nahm er das Livealbum It’s Too Late to Stop Now auf, das 1974 erschien. 1976 sang er „Caravan“ beim Abschiedskonzert von The Band, das als The Last Waltz verfilmt wurde. 1979 zeigte Into the Music mit „Bright Side of the Road“ einen gelösten, fröhlichen Morrison.
1980–heute
06 Späte Jahre
In den Achtzigern wurde seine Musik spiritueller und irischer. 1988 nahm er mit The Chieftains das Album Irish Heartbeat auf, 1989 erschien Avalon Sunset mit „Have I Told You Lately“. 1993 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
2016 wurde Van Morrison für seine Verdienste um die Musik und um Nordirland zum Ritter geschlagen. Er veröffentlicht weiter in hohem Tempo Alben, oft mit Blues, Skiffle und Jazz aus seiner Jugend.
Hörtipp
Moondance passt zu einem entspannten Abend mit einem Glas Wein – die erste Seite mit „Caravan“ und „Into the Mystic“ läuft am schönsten, wenn die Gespräche langsam leiser werden. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Patti Smith
Horses
1975rund 43 Minuten
Patti Smith eröffnet Horses mit ihrer Fassung von „Gloria“, das Van Morrison 1964 für Them geschrieben hatte.
Zur Album-Story → -
Künstlerporträt
Bob Dylan
3 Alben auf dieser Seite
Mit Them nahm Morrison 1966 Dylans „It’s All Over Now, Baby Blue“ auf; 1976 standen beide beim Abschiedskonzert von The Band auf der Bühne.
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