1970Albumvorschlag
Tea for the Tillerman
Cat Stevens
Elf Songs, drei Londoner Studios, ein Sommer. Tea for the Tillerman klingt, als hätte jemand nach einer langen Krankheit beschlossen, nur noch das zu sagen, was wirklich zählt.
Cat Stevens war schon einmal ein Popstar gewesen, dann erkrankte er schwer an Tuberkulose. Nach Monaten im Krankenhaus schrieb er Lieder, die ruhiger und nachdenklicher waren als alles davor. Sein zweites Album im Jahr 1970 machte ihn international bekannt.
- Laufzeitrund 36 Minuten
- Titel11
- Jahr1970
- AufgenommenMorgan Studios, Island Studios und Olympic Studios, London (Mai–Juli 1970)
Tracklist
- Where Do the Children Play?3:50
- Hard Headed Woman3:46
- Wild World3:18
- Sad Lisa3:40
- Miles from Nowhere3:32
- But I Might Die Tonight1:50
- Longer Boats3:10
- Into White3:24
- On the Road to Find Out5:07
- Father and Son3:37
- Tea for the Tillerman1:01
Zum Cover
Ein gemaltes Bild in warmen Farben, naiv und ein wenig märchenhaft. Im Vordergrund sitzt der Tillerman, eine bärtige, erdverbundene Gestalt, und trinkt seinen Tee. Hinter ihm spielen Kinder, über allem steht eine helle Sonne. Stevens selbst hat die Stimmung später so beschrieben: „It's got the sun. You know, it's quite a hot, hazy day.“
Das Bild hat Cat Stevens selbst gemalt. Er hatte vor seiner Musikkarriere Kunst studiert. Die Idee kam aus einem Wörterbuch. Auf der Suche nach einem Wort, das ihn inspiriert, blieb er beim Buchstaben T hängen: „under the letter 'T,' I found Tillerman.“ Erst kam der Song, dann das Bild.
Ein „tiller“ ist die Ruderpinne eines Boots, aber auch jemand, der den Boden bestellt. Stevens hat gesagt, er habe den Tillerman immer eher als Mann der Erde gesehen. Das Foto im Inneren der Klapphülle stammt von Shepard Sherbell.
Gestaltung: Cat Stevens (Coverbild), Shepard Sherbell (Foto innen)
Label: Island Records (UK), A&M Records (USA), 1970
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.
„He just used to sit me in the right place, put the microphone in the right position and everything, just to be able to capture me performing that song to the best that I could and that would be it.“
In diesem Artikel
- 01Der besondere Moment
- 02Wie Tea for the Tillerman entstand
- 03Der Klang
- 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
- 05Warum es einen Abend trägt
01Der besondere Moment
1967 hatte Cat Stevens mit „Matthew and Son“ Platz zwei der britischen Charts erreicht. Kurz darauf erkrankte er an Tuberkulose. Als er in das King Edward VII Hospital in Midhurst eingeliefert wurde, war er dem Tod nahe. Es folgten Monate im Krankenhaus und eine lange Zeit der Erholung.
Rückblickend hat er diese Erfahrung so beschrieben: „At that point in time, you're on the doorstep of death, or that's what you think.“ In dieser Zeit las er viel, beschäftigte sich mit Spiritualität und schrieb Lieder in großer Zahl.
Ein neuer Anfang
Als er zurückkam, wechselte er das Label und den Klang. Bei Island Records fand er den Produzenten Paul Samwell-Smith, früher Bassist der Yardbirds, und den Gitarristen Alun Davies. Im April 1970 erschien Mona Bone Jakon, ein leises, akustisches Album. Es war der Auftakt zu etwas Größerem.
02Wie Tea for the Tillerman entstand
Nur rund einen Monat nach dem Erscheinen von Mona Bone Jakon stand Stevens wieder im Studio. Zwischen Mai und Juli 1970 entstanden die elf Songs in drei Londoner Studios: Island, Olympic und Morgan. Die Besetzung war dieselbe wie zuvor. Alun Davies spielte die zweite Gitarre, John Ryan Kontrabass, Harvey Burns Schlagzeug.
Einige Songs hatten schon eine Vorgeschichte. „Father and Son“ hatte Stevens ursprünglich für ein Musical über die Russische Revolution geschrieben, das nie zustande kam. „But I Might Die Tonight“ entstand für den Film Deep End von Jerzy Skolimowski.
Zwei Stimmen in einem Lied
In „Father and Son“ singt Stevens beide Rollen. Den Vater in einer tieferen, ruhigen Lage, den Sohn höher und drängender. Im November 1970 erschien das Album, nur wenige Monate nach dem Vorgänger.
03Der Klang
Samwell-Smith hatte eine klare Vorstellung davon, was er einfangen wollte: einen Musiker, der seine Lieder auf der akustischen Gitarre schreibt. Stevens hat später gesagt, der Produzent habe keine besonders raffinierten Dinge tun müssen. Er setzte ihn an den richtigen Platz, stellte das Mikrofon richtig auf und ließ ihn spielen.
Das Ergebnis ist ein offener, trockener Klang mit viel Raum zwischen den Instrumenten. Zwei Akustikgitarren, Kontrabass, sparsames Schlagzeug, manchmal Klavier. Alun Davies, so Stevens, füllte „those little spaces“ mit seinem Gitarrenspiel.
Genau hingehört
Streicher, wo sie gebraucht werden
Nur vier Songs haben Streicher, arrangiert von Del Newman. In „Sad Lisa“ spielt Jack Rothstein eine Solo-Violine, die sich um Stevens' Klavier legt. Auf einer guten analogen Anlage hört man, wie nah die Stimme aufgenommen ist.
04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
Tea for the Tillerman kreist um wenige große Fragen: Was bleibt von der Natur, wenn wir immer weiter bauen? Wie reden Eltern und Kinder miteinander? Wo findet man Halt? „Where Do the Children Play?“ eröffnet mit genau diesem Zweifel am Fortschritt, „Miles from Nowhere“ und „On the Road to Find Out“ erzählen von der Suche nach etwas Größerem.
Dazwischen stehen Liebeslieder wie „Wild World“, das Stevens später als Abschiedslied an die Schauspielerin Patti D'Arbanville beschrieben hat. Es wurde in den USA ein Hit und erreichte dort Platz elf der Singlecharts.
Vom Studio in die Welt
Das Album kam in den USA auf Platz acht und in Großbritannien auf Platz zwanzig. In den USA wurde es mit dreifach Platin ausgezeichnet. Hal Ashby verwendete vier Songs daraus in seinem Film Harold and Maude von 1971. Der Rolling Stone führt die Platte bis heute in seiner Liste der fünfhundert besten Alben. Ende 1977 trat Stevens zum Islam über und nennt sich seit 1978 Yusuf Islam. 2020 nahm er die Songs zum fünfzigsten Jubiläum neu auf.
05Warum es einen Abend trägt
Sechsunddreißig Minuten, zwei fast gleich lange Seiten. Die erste Seite bringt fünf Songs, von der offenen Frage in „Where Do the Children Play?“ bis zur Suche in „Miles from Nowhere“. Dann dreht man die Platte um, und die zweite Seite beginnt mit einem kurzen, fast trotzigen Lied von knapp zwei Minuten.
Eine Minute zum Schluss
Die zweite Seite steigert sich langsam. „On the Road to Find Out“ ist mit gut fünf Minuten der längste Song, „Father and Son“ der bekannteste. Danach kommt nur noch der Titelsong: eine Minute, ein paar Zeilen über Tee, spielende Kinder und einen glücklichen Tag. Dann ist es vorbei, und man merkt erst jetzt, wie leise der Raum geworden ist.
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