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2009Albumvorschlag

xx

The xx

Elf Songs, neununddreißig Minuten, zwei Stimmen, die sich nie ganz treffen. xx ist ein Album, das vor allem aus dem besteht, was weggelassen wurde, und gerade deshalb im Raum sehr groß wird.

The xx waren sehr jung, als sie ihr erstes Album aufnahmen, vier Freunde aus dem Süden Londons. Sie arbeiteten nachts, in einem kleinen Studio im Hinterhof ihrer Plattenfirma, wenn alle anderen nach Hause gegangen waren. Heraus kam eine Platte, die sich ohne einen einzigen Hit über eine Million Mal verkaufte und 2010 den Mercury Prize gewann.

  • Laufzeitrund 39 Minuten
  • Titel11
  • Jahr2009
  • AufgenommenXL Studio, Ladbroke Grove, London (Dezember 2008–April 2009)
Das Albumcover von xx: ein großes weißes X auf schwarzem Grund.
The xx, xx, Young Turks 2009. Gestaltung Phil Lee und The xx. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Intro2:07
  2. VCR2:57
  3. Crystalised3:21
  4. Islands2:40
  5. Heart Skipped a Beat4:02
  6. Fantasy2:38
  7. Shelter4:30
  8. Basic Space3:08
  9. Infinity5:13
  10. Night Time3:36
  11. Stars4:22

Zum Cover

Ein großes weißes X auf Schwarz, sonst fast nichts. Das Zeichen ist zugleich Bandname, Albumtitel und Logo. Auf der Erstausgabe ist das X aus der Hülle ausgestanzt: Bei der CD füllt das Booklet die Öffnung, bei der LP ein gefaltetes Poster mit den Texten.

Die künstlerische Leitung hatte Phil Lee, damals Kreativdirektor von XL Recordings. Fotos und Gestaltung stammen zu großen Teilen von der Band selbst. Das Booklet ist ebenso zurückhaltend, weiß, mit sehr wenig Text. Auf der Rückseite steht nur ein Dank.

Was das X bedeutet, hat die Band nie aufgelöst. Es habe keine eigentliche Bedeutung, sagten sie, es sei ein Symbol. Das passt zu einer Musik, die sich ähnlich verhält: Sie deutet an, statt zu erklären, und lässt den Rest offen.

Gestaltung: Phil Lee (Art Direction), The xx (Fotos und Gestaltung)
Label: Young Turks, 2009
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„This album was done with no expectations. No one knew who we were.“

Oliver Sim Über die Entstehung des Debüts

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie xx entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Das Studio war eine ehemalige Garage hinter dem Büro von XL Recordings in Ladbroke Grove, Anfang 2008 zu einem kleinen, schallisolierten Raum umgebaut. Romy Madley Croft beschrieb ihn als ziemlich beengt, etwa so groß wie ein Badezimmer. Die Band nahm meist nachts auf, wenn die Mitarbeiter gegangen waren. Croft fand die Stimmung isoliert und ein bisschen unheimlich.

Toningenieur Rodaidh McDonald erinnert sich vor allem an die Feiertage: „Most of my memories of recording it were over the Christmas holidays when there was no one else here.“ Zwischen Weihnachten 2008 und Ende Januar 2009 entstand der größte Teil des Albums.

Vier Freunde aus der Schule

The xx gründeten sich 2005 an der Elliott School im Süden Londons. Croft und Oliver Sim kannten sich seit ihrer Kindheit, dazu kamen Jamie Smith und Baria Qureshi. Texte schickten sich Croft und Sim als Chatnachrichten hin und her. Geprobt wurde leise in Kinderzimmern, um die Familien nicht zu stören. Diese Zurückhaltung ist auf dem Album geblieben.

02Wie xx entstand

Die frühen Demos stellte die Band auf MySpace und unterschrieb bei Young Turks, einem Ableger von XL. Versuche mit bekannten Produzenten führten zu nichts. Dann stellte ihr Manager Caius Pawson sie Rodaidh McDonald vor. Ihm gefiel an den Demos genau das, was andere glätten wollten: die Intimität und der Umgang mit Stille.

Jamie Smith baute die Rhythmen am Computer und auf einem Akai-MPC-Sampler, manchmal geschickt durch ein altes Roland-Bandecho. Er produzierte das Album selbst, zusammen mit McDonald. Die Band hörte viel amerikanischen R&B, die Produktionen der Neptunes und von Timbaland, und spielte Coverversionen von Aaliyah und Womack & Womack.

Nichts glätten

McDonald hat beschrieben, was er wollte: „I wanted it to sound like people in a room, rather than this polished kind of perfect crystalline thing.“ Nebengeräusche und Geräusche von der Straße ließ er bewusst stehen. Die besten Momente, sagte er, seien immer die spärlichsten gewesen. Die Intimität der frühen Demos sei das Wichtigste.

03Der Klang

Die Songs sind um Bass und Beat gebaut. Darüber liegt eine Gitarre, die einzelne Töne spielt, getrennt durch Pausen. Croft spielte ihre Leadgitarre über einen kleinen Übungsverstärker von Roland für rund hundert Pfund, mit Hall und einem Delay-Pedal. Sims Precision-Bass aus den Siebzigern wurde oft im Flur vor dem Studio aufgenommen. Gemischt wurde mit höchstens etwa sechzehn Spuren.

Die beiden Stimmen wurden immer gemeinsam aufgenommen, von Anfang bis Ende eines Songs, kaum korrigiert. „The vocals were always done together, and that was one of the most important things“, sagte McDonald. So klingen Croft und Sim wie zwei Menschen, die nachts leise miteinander reden.

Genau hingehört

Ein klapperndes Teil

Hören Sie bei „Shelter“ auf die Geräusche am Rand. Während der Aufnahme löste sich ein Teil in einem Gitarrenverstärker und klapperte mit. Die Band und McDonald ließen es drin. „It was just like this missing piece of percussion that the track needed!“, erinnerte er sich. Bei „Infinity“ wiederum war ein Mikrofon verdreht, und Sim sang von der anderen Seite des Raums. Seine Stimme klingt dadurch weiter weg, als stünde er wirklich nicht neben Croft.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

xx ist ein Album von Duetten, aber keine Liebeslieder im üblichen Sinn. Ben Beaumont-Thomas vom Guardian hat es 2019 genau beschrieben: „rather than singing to each other, it was as if two people were going through the same thing without the other knowing it.“ Croft hat gesagt, ihre Lieblingslieder seien meist eher traurig, und Liebeskummer sei etwas, mit dem sehr viele Menschen etwas anfangen könnten.

Alle elf Songs teilen denselben Raum, dieselben wenigen Instrumente, dasselbe Tempo der Nacht. Manche Kritiker fanden das eintönig. Am Stück gehört wird genau daraus eine Stimmung, die neununddreißig Minuten lang nicht abreißt.

Erfolg ohne Hit

In der ersten Woche verkaufte sich das Album in Großbritannien nur gut 4.000 Mal und stieg auf Platz 36 ein. Dann liefen die Songs in Fernsehserien, Werbespots und Läden. Im September 2010 gewann xx den Mercury Prize und kletterte auf Platz 3. In Großbritannien wurde es doppelt mit Platin ausgezeichnet. Es blieb das einzige Album der Band als Quartett: Baria Qureshi stieg Ende 2009 aus.

05Warum es einen Abend trägt

Auf der Vinyl-Erstausgabe stehen „Intro“ bis „Heart Skipped a Beat“ auf der ersten Seite, gefolgt von einer Coverversion von Aaliyahs „Hot Like Fire“, die dort als Bonus hinzukam. Seite B beginnt mit „Fantasy“ und endet mit „Stars“. Die meisten Songs bleiben unter vier Minuten.

Leise drehen

xx ist keine Platte für große Lautstärke. Sie gewinnt, wenn der Raum dunkler und stiller ist. Dann hört man den Hall der kleinen Gitarre, das Atmen zwischen den Zeilen, die Pausen, in denen nichts passiert und doch alles weitergeht. Das ist ein guter Abschluss für einen langen Abend.

Wie viel Stille braucht ein Song, damit man ihn wirklich hört?

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