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Künstlerporträt

Albert King

Ein hünenhafter Bluesgitarrist mit umgedrehter Flying V, dessen gezogene Töne ganze Generationen von Rockgitarristen geprägt haben.

Albert King war einer der drei großen „Kings“ der Bluesgitarre, neben B.B. und Freddie King. Er spielte als Linkshänder eine Gitarre für Rechtshänder einfach umgedreht und zog die Saiten so weit, dass seine Töne klingen wie eine menschliche Stimme. Bei Stax in Memphis verband er in den Sechzigern den Blues mit Soul und Bläsern. Eric Clapton, Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan lernten von ihm – oft Note für Note.

In diesem Porträt

  1. 01Baumwollfelder 1923–1953
  2. 02Wanderjahre 1953–1965
  3. 03Stax 1966–1967
  4. 04Fillmore 1968–1975
  5. 05Späte Jahre 1976–1992
  6. 06Was bleibt 1992–heute

1923–1953

01 Baumwollfelder

Albert King kam am 25. April 1923 als Albert Nelson in Indianola, Mississippi, zur Welt, als eines von dreizehn Kindern. Als er acht war, zog die Familie nach Arkansas, wo er auf Baumwollplantagen arbeitete und mit der Familie Gospel sang.

Weil er Linkshänder war und sich das Spielen selbst beibrachte, drehte er ein Instrument für Rechtshänder einfach um, ohne die Saiten umzuspannen. Ende der Vierziger spielte er in Osceola, Arkansas, mit einer Band namens Groove Boys.

1953–1965

02 Wanderjahre

1953 ging er nach Gary, Indiana, spielte kurz Schlagzeug in der Band von Jimmy Reed und nahm für das Label Parrot seine erste Single auf. Der Erfolg blieb aus, und King kehrte nach Arkansas zurück.

Ab 1956 lebte er in der Gegend um St. Louis, wo er sich einen Namen in den Clubs machte. 1961 kam „Don’t Throw Your Love on Me So Strong“ auf Platz 14 der amerikanischen R&B-Charts, am Klavier saß Ike Turner. Seine Gitarre taufte er Lucy, in Anlehnung an B.B. Kings Lucille.

1966–1967

03 Stax

Cover von Born Under a Bad Sign
Born Under a Bad Sign · 1967

1966 unterschrieb Albert King bei Stax in Memphis. Zwischen März 1966 und Juni 1967 nahm er dort Singles auf, mit Booker T. & the M.G.’s als Band – Booker T. Jones an der Orgel, Steve Cropper an der Gitarre, Donald „Duck“ Dunn am Bass und Al Jackson Jr. am Schlagzeug – und den Memphis Horns. Das war Blues mit Soul-Rhythmus, knapp, druckvoll und tanzbar.

Im August 1967 fasste Stax diese Aufnahmen zu Born Under a Bad Sign zusammen. Den Titelsong schrieben William Bell und Booker T. Jones eigens für ihn, dazu kamen „Crosscut Saw“, „Laundromat Blues“, „Oh, Pretty Woman“ und „The Hunter“. Cream spielte „Born Under a Bad Sign“ schon im Jahr darauf nach, und Eric Clapton übernahm Kings Solo aus „Oh, Pretty Woman“ fast wörtlich für „Strange Brew“.

1968–1975

04 Fillmore

1968 spielte Albert King im Fillmore Auditorium in San Francisco, vor einem jungen Rockpublikum, das seine Platten von den Coverversionen britischer Bands kannte. Aus diesen Konzerten entstand das Livealbum Live Wire/Blues Power.

Mit I’ll Play the Blues for You holte er 1972 die Bar-Kays und die Memphis Horns ins Studio und führte seinen Blues näher an den Funk. Im selben Jahr trat er beim Wattstax-Festival in Los Angeles auf. 1975 ging Stax in Konkurs.

1976–1992

05 Späte Jahre

King nahm für andere Labels auf und tourte unermüdlich. 1983 kam er in eine kanadische Fernsehsendung mit Stevie Ray Vaughan zusammen, der seinen Stil verehrte; die Aufnahme erschien später als Album In Session. 1983 wurde King auch in die Blues Hall of Fame aufgenommen.

Sein letztes Album Red House erschien 1991. Albert King starb am 21. Dezember 1992 in Memphis, mit 69 Jahren.

1992–heute

06 Was bleibt

2013 wurde Albert King in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Sein Einfluss steckt in unzähligen Rocksoli, auch dort, wo sein Name nie genannt wird.

Die Art, wie er einen einzigen Ton zog, hielt und sinken ließ, gilt vielen Gitarristen bis heute als Lektion in Ausdruck: weniger Noten, dafür jede mit Gewicht.

Hörtipp

Born Under a Bad Sign ist ideal für einen späten Abend mit Gästen, die gern Rockgitarre hören – hier erkennen sie, woher viele ihrer Lieblingssoli stammen. Zur Album-Story →

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