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1967Albumvorschlag

Born Under a Bad Sign

Albert King

Ein Linkshänder, der eine Gitarre für Rechtshänder einfach umdreht. Die beste Studioband von Memphis. Und ein Song über Pech, der für Albert King zum großen Glück wurde.

Albert King war 43, als er 1966 bei Stax in Memphis unterschrieb. Mit Booker T. & the M.G.’s und den Memphis Horns nahm er eine Reihe von Singles auf, die 1967 als Album erschienen. Es verbindet Großstadt-Blues mit Southern Soul und gehört zu den einflussreichsten Gitarrenplatten überhaupt.

  • Laufzeitrund 34 Minuten
  • Titel11
  • Jahr1967
  • AufgenommenStax Studios, Memphis (1966–1967)
Das Albumcover von Born Under a Bad Sign: eine Illustration mit Unglückssymbolen, darunter ein Kalender mit Freitag, dem 13., eine Pik-Ass-Karte, Würfel und eine schwarze Katze.
Albert King, Born Under a Bad Sign, Stax 1967. Gestaltung Loring Eutemey. Abbildung eingebunden von der Cover Art Archive.

Tracklist

  1. Born Under a Bad Sign2:45
  2. Crosscut Saw2:31
  3. Kansas City2:29
  4. Oh, Pretty Woman2:45
  5. Down Don't Bother Me2:13
  6. The Hunter2:43
  7. I Almost Lost My Mind3:25
  8. Personal Manager4:28
  9. Laundromat Blues3:19
  10. As the Years Go Passing By3:43
  11. The Very Thought of You3:45

Zum Cover

Kein Foto des Musikers, sondern eine Sammlung von Unglückszeichen: ein Kalenderblatt mit Freitag, dem 13., das Pik-Ass, Würfel mit zwei Einsen und eine schwarze Katze mit Totenkopf-Emblem, fast niedlich gezeichnet. Das Cover nimmt den Titel wörtlich.

Als Gestalter nennt die Originalpressung Loring Eutemey. Weitere Angaben zur Entstehung des Motivs gibt es nicht: Wer die Idee hatte, wer zeichnete und wie King selbst das Cover fand, ist nicht dokumentiert.

Die Ironie liegt auf der Hand. Ein Album voller Pechsymbole wurde für Albert King zum Glücksfall: Nach Jahren ohne großen Erfolg machte es ihn zu einem der wichtigsten Gitarristen des Blues. Der Titelsong singt vom Pech – und die Platte selbst hatte keines.

Gestaltung: Loring Eutemey
Label: Stax Records, 1967
Abbildung als Bildzitat nach § 51 UrhG zur Erläuterung des vorstehenden Textes.

„I rehearsed to myself for five years before I played with another soul. That may account for some of my style.“

Albert King über die Herkunft seines eigenwilligen Stils

In diesem Artikel

  1. 01Der besondere Moment
  2. 02Wie Born Under a Bad Sign entstand
  3. 03Der Klang
  4. 04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert
  5. 05Warum es einen Abend trägt

01Der besondere Moment

Albert King war Linkshänder. Statt eine Gitarre für Linkshänder zu kaufen oder die Saiten umzuziehen, drehte er eine gewöhnliche Gitarre einfach um. Die tiefen Saiten lagen bei ihm unten. Wenn er Töne zog, drückte er die Saiten nach unten, wo andere nach oben ziehen – und konnte so mehrere Saiten gleichzeitig weit dehnen.

Daraus entstand ein Ton, den niemand kopieren konnte, obwohl es viele versuchten. Seine Gitarre, eine Gibson Flying V, nannte er „Lucy“.

Gegen die Stimmung

Wayne Jackson, der Trompeter der Memphis Horns, erinnerte sich später an die Sessions: Alberts Gitarre sei eigentlich nie richtig gestimmt gewesen, aber er habe so viel Kraft gehabt, dass er die Töne einfach wieder zurechtzog.

02Wie Born Under a Bad Sign entstand

King unterschrieb 1966 bei Stax, nachdem er jahrelang für kleinere Labels aufgenommen hatte, ohne den Durchbruch zu schaffen. Zwischen März 1966 und Juni 1967 entstanden in fünf Sessions die Songs dieses Albums, viele zuerst als Singles. Hinter ihm spielten Booker T. & the M.G.'s – Booker T. Jones, Steve Cropper, Donald „Duck“ Dunn und Al Jackson Jr. – und die Memphis Horns.

Offiziell leitete Jim Stewart die Aufnahmen. Die Musiker selbst haben später erzählt, dass vor allem Steve Cropper und Al Jackson Jr. die Sessions prägten.

Ein Song über Pech

Den Titelsong schrieben Booker T. Jones und der Sänger William Bell eigens für King. Bell wollte einen Song über Astrologie schreiben, die damals in Mode war. Die Gitarrenfigur, die den Song trägt, ist bis heute eine der bekanntesten Riffs des Blues.

03Der Klang

Das Album verbindet elektrischen Großstadt-Blues mit dem Southern Soul von Stax: knappe, federnde Grooves, klare Bläser, darüber Kings Gitarre, die wenig spielt, aber jeden Ton genau setzt. Er spielte meist nur auf den hohen Saiten und ließ viel Luft zwischen den Phrasen.

Die Band hielt die Begleitung bewusst einfach. Al Jackson Jr. hat es mit einem Augenzwinkern so erklärt: Sie hätten es eben nicht besser gekonnt. Tatsächlich ist es diese Schlichtheit, die Kings Gitarre so viel Raum gibt.

Die Nachfolger

Von Memphis nach London

Eric Clapton übernahm das Solo aus „Oh, Pretty Woman“ für den Cream-Song „Strange Brew“, und Cream nahmen „Born Under a Bad Sign“ 1968 selbst auf. Auch Jimi Hendrix spielte den Song, und Stevie Ray Vaughan berief sich zeitlebens auf King. Kaum ein Bluesalbum hat so viele Rockgitarristen geprägt.

04Warum dieses Album als Ganzes funktioniert

Ehrlich gesagt ist Born Under a Bad Sign kein geplantes Konzeptalbum, sondern eine Sammlung von Singles aus fünfzehn Monaten. Trotzdem hält es zusammen: Alle Songs spielt dieselbe Band, alle haben denselben Klang, und die beiden Seiten sind klar verteilt. Die erste ist schnell und kurz, die zweite langsamer und tiefer, bis zum Schluss mit der Ballade „The Very Thought of You“.

Ein spätes Denkmal

In die Charts kam das Album damals nicht, der Markt für Rhythm and Blues kaufte vor allem Singles. Heute steht es in der Blues Hall of Fame, in der Grammy Hall of Fame und seit 2020 im nationalen Tonarchiv der Library of Congress.

05Warum es einen Abend trägt

Rund 34 Minuten, zwei Seiten, die sich deutlich unterscheiden. Die erste treibt, die zweite wird langsam und tief. Nach dem Umdrehen hört eine Runde fast von selbst genauer hin.

Weniger Töne, mehr Wirkung

Wer an diesem Abend auf die Gitarre achtet, merkt schnell, wie wenig King eigentlich spielt – und wie viel jeder einzelne Ton sagt. Es ist eine gute Platte für alle, die glauben, Gitarrenmusik müsse schnell sein.

Wie viel kann ein einzelner, lang gezogener Ton erzählen?