Künstlerporträt
Boards of Canada
Zwei schottische Brüder, die mit alten Synthesizern und verwaschenen Tonbandklängen Musik machen, die wie eine halb vergessene Kindheitserinnerung klingt.
Boards of Canada sind die Brüder Michael Sandison und Marcus Eoin, die seit Jahrzehnten fast unsichtbar in einem Studio in den Hügeln bei Edinburgh arbeiten. Ihre Musik ist elektronisch, aber warm und leicht verstimmt, als käme sie von einem alten Videoband. Dazu mischen sie Stimmen aus Lehrfilmen und Kinderprogrammen der Siebziger. Sie geben kaum Interviews und veröffentlichen nur selten neue Musik – jede Platte wird deshalb zum Ereignis.
In diesem Porträt
1971–1994
01 Kindheit und Kassetten
Michael Sandison wurde 1971 geboren, Marcus Eoin 1973. Als Kinder lebten sie eine Zeit lang in Kanada und sahen dort die Dokumentarfilme des National Film Board of Canada, deren Musik und Stimmung sie nie losließen. Nach diesen Filmen benannten sie später ihre Band.
Die ersten gemeinsamen Aufnahmen entstanden Mitte der Achtziger. Ihre frühen Kassetten veröffentlichten sie auf einem eigenen kleinen Label und verteilten sie nur an Freunde und Familie.
1995–1997
02 Hexagon Sun
In den Pentland Hills südlich von Edinburgh richteten sie ihr Studio ein, das sie Hexagon Sun nannten. 1995 erschien dort in kleiner Auflage die selbst finanzierte EP Twoism.
Über die Band Autechre kamen sie zum Label Skam, das 1996 die EP Hi Scores herausbrachte. Seitdem sind sie nur noch zu zweit.
1998
03 Music Has the Right to Children
Music Has the Right to Children entstand zwischen 1995 und 1997 im eigenen Studio in den Pentland Hills. Die Brüder schrieben und produzierten alles selbst, mit alten Synthesizern, Samplern und Tonbändern, deren leichtes Leiern sie absichtlich stehen ließen. Das Album erschien am 20. April 1998 gemeinsam bei Warp und Skam.
Stücke wie „Roygbiv“, „Aquarius“, „Turquoise Hexagon Sun“ und „Olson“ klingen zugleich vertraut und rätselhaft, wie Filmmusik zu Bildern, die man vergessen hat. Kinderstimmen, gezählte Zahlen und verwehte Melodien ziehen sich durch die Platte. Sie wurde zu einem der einflussreichsten Alben der elektronischen Musik und prägte eine ganze Generation von Produzenten.
1999–2013
04 Seltene Zeichen
Geogaddi erschien 2002 und war dunkler und unheimlicher. The Campfire Headphase von 2005 setzte stärker auf Gitarren und klang wie ein verblasster Sommer.
Nach langer Pause kündigten sie Tomorrow’s Harvest 2013 mit einer rätselhaften Schnitzeljagd an: Auf einzelnen Schallplatten und im Radio tauchten Zahlencodes auf, die Fans weltweit gemeinsam entschlüsselten. Das Album selbst ist karg und weit, wie eine Landschaft nach dem Ende der Welt.
2014–heute
05 Inferno
Dreizehn Jahre lang kam danach kein neues Album. Im April 2026 verschickte das Label Warp alte VHS-Kassetten an langjährige Kunden – der Auftakt zu Inferno, das am 29. Mai 2026 erschien, wieder aufgenommen im eigenen Studio in den Pentland Hills.
Boards of Canada haben gezeigt, dass elektronische Musik nicht kühl und futuristisch klingen muss. Ihr Sinn für Erinnerung und Nostalgie hallt bis heute bei vielen jüngeren Musikern nach.
Hörtipp
Music Has the Right to Children ist ein Album für die ruhige Stunde nach dem Essen, wenn das Gespräch leiser wird – am besten im Halbdunkel, ohne auf die Titel zu achten. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Rounds
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Four Tet gehört zu den Musikern, deren warme, verspielte Elektronik ohne Boards of Canada kaum denkbar wäre.
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Aphex Twin war wie Boards of Canada beim Label Warp und prägte zur selben Zeit die elektronische Musik der Neunziger.
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Boards of Canada gemeinsam hören
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