Künstlerporträt
Muddy Waters
Der Mann, der den Blues aus dem Mississippi-Delta nach Chicago brachte, ihn elektrisch verstärkte und damit den Rock ’n’ Roll vorbereitete.
Muddy Waters verband den rauen Landblues des Mississippi-Deltas mit der Lautstärke der Großstadt. In Chicago baute er in den Fünfzigern eine Band mit Mundharmonika, Klavier und elektrischen Gitarren auf, die zum Vorbild für unzählige Gruppen wurde. Die Rolling Stones benannten sich nach einem seiner Songs, und britische wie amerikanische Rockmusiker lernten den Blues vor allem von seinen Platten. Sein Auftritt beim Newport Jazz Festival 1960 zeigt, mit welcher Wucht diese Band live spielte.
In diesem Porträt
1913–1942
01 Mississippi
McKinley Morganfield wurde am 4. April 1913 im Issaquena County in Mississippi geboren; später gab er selbst oft 1915 an. Seine Großmutter zog ihn auf und gab ihm den Spitznamen Muddy, weil er als Kind gern im Schlamm am Bach spielte.
Er wuchs auf der Stovall-Plantage bei Clarksdale auf und spielte an Wochenenden in kleinen Lokalen. 1941 und 1942 nahm der Musikforscher Alan Lomax ihn für die amerikanische Library of Congress auf. Als Muddy Waters sich zum ersten Mal auf Band hörte, wusste er, dass er Musiker werden wollte.
1943–1953
02 Chicago
1943 zog er nach Chicago, wie Hunderttausende Schwarze aus dem Süden damals. Er stieg auf die elektrische Gitarre um, weil man die akustische in den lauten Clubs nicht hörte. 1948 hatte er beim Label Aristocrat, dem Vorläufer von Chess Records, mit „I Can’t Be Satisfied“ seinen ersten Hit.
1950 erschien „Rollin’ Stone“. Um ihn herum entstand eine Band mit Little Walter an der Mundharmonika, Jimmy Rogers an der zweiten Gitarre und bald Otis Spann am Klavier – das Muster für den elektrischen Chicago-Blues.
1954–1959
03 Hoochie Coochie Man
Der Bassist und Songschreiber Willie Dixon schrieb für ihn Stücke wie „Hoochie Coochie Man“ und „I Just Want to Make Love to You“, 1955 folgte „Mannish Boy“. Muddy Waters war nun der wichtigste Bluesmusiker Chicagos.
1958 reiste er mit Otis Spann nach England, eingeladen vom Jazzposaunisten Chris Barber. Das Publikum erwartete akustischen Folkblues und war verblüfft über die laute elektrische Gitarre – junge britische Musiker aber waren begeistert.
1960
04 Newport
Am 3. Juli 1960 spielte Muddy Waters mit seiner Band beim Newport Jazz Festival in Rhode Island: Otis Spann am Klavier, Pat Hare an der Gitarre, James Cotton an der Mundharmonika, Andrew Stevens am Bass und Francis Clay am Schlagzeug. Chess nahm das Konzert auf und veröffentlichte es im November 1960 als At Newport 1960.
Die Band spielt „I Got My Brand on You“, „Hoochie Coochie Man“, „Baby Please Don’t Go“ und zweimal hintereinander „Got My Mojo Working“, weil das Publikum nicht aufhören wollte. Zum Schluss singt Otis Spann „Goodbye Newport Blues“, dessen Text der Dichter Langston Hughes spontan geschrieben hatte. Auf dem Cover hält Muddy Waters eine Gitarre, die er sich für das Foto von John Lee Hooker geliehen hatte.
1961–1983
05 Späte Jahre
Die Rolling Stones, die sich nach seinem Lied „Rollin’ Stone“ benannt hatten, nahmen 1964 in den Chess-Studios in Chicago auf. 1969 spielte Muddy Waters das Album Fathers and Sons mit jüngeren weißen Bewunderern wie Mike Bloomfield und Paul Butterfield ein.
Beim Abschiedskonzert von The Band 1976, verfilmt als The Last Waltz, sang er „Mannish Boy“. Mit dem Gitarristen Johnny Winter als Produzent erlebte er ab 1977 mit Hard Again ein spätes Comeback und gewann dafür einen Grammy. Muddy Waters starb am 30. April 1983 in Westmont bei Chicago.
1983–heute
06 Was bleibt
1987 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Seine Besetzung aus Gitarren, Mundharmonika, Klavier, Bass und Schlagzeug ist bis heute die Grundform der Bluesband.
Von Eric Clapton bis Led Zeppelin haben unzählige Musiker seine Lieder gespielt oder weiterverarbeitet. Der Name der Band und der Zeitschrift Rolling Stone geht auf einen seiner Songs zurück.
Hörtipp
At Newport 1960 bringt die Stimmung eines Sommerkonzerts in den Raum – ein gutes Album für den Beginn eines Abends, wenn die Gäste noch stehen und sich der Raum langsam füllt. Zur Album-Story →
Das Album bei Musik Ungestört
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Die Rolling Stones benannten sich nach seinem Song „Rollin’ Stone“ und nahmen 1964 in den Chess-Studios auf, in denen er seine Hits eingespielt hatte.
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Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ geht auf Willie Dixons „You Need Love“ zurück, das Muddy Waters 1962 aufgenommen hatte.
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