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Künstlerporträt

Deep Purple

Eine britische Band, in der Hammondorgel und E-Gitarre sich duellierten – und die mit einem einzigen Gitarrenriff in jedes Musikzimmer der Welt kam.

Deep Purple gehören mit Led Zeppelin und Black Sabbath zu den Bands, die um 1970 den harten Rock geprägt haben. Ihr Klang lebte von zwei Solisten auf Augenhöhe: Ritchie Blackmore an der Gitarre und Jon Lord an der Hammondorgel, die er durch Verstärker jagte, bis sie fauchte. Dazu kamen die hohe, schneidende Stimme von Ian Gillan und eine Rhythmusgruppe, die auch in langen Improvisationen nie den Faden verlor. Die Besetzung wechselte oft, doch die Band gibt es bis heute.

In diesem Porträt

  1. 01Anfänge in London 1967–1969
  2. 02Die zweite Besetzung 1969–1971
  3. 03Machine Head 1971–1972
  4. 04Wechsel 1973–1976
  5. 05Rückkehr 1984–2011
  6. 06Was bleibt 2012–heute

1967–1969

01 Anfänge in London

Deep Purple entstanden 1968 in London. In der ersten Besetzung spielten Ritchie Blackmore, Jon Lord, der Schlagzeuger Ian Paice, der Bassist Nick Simper und der Sänger Rod Evans. Ihren Namen hatten sie von einem alten Schlager, den Blackmores Großmutter gern hörte.

Gleich die erste Single war in Amerika ein Hit: Ihre Fassung von „Hush“, einem Song von Joe South, kam im Herbst 1968 bis auf Platz vier der Billboard-Charts. In der Heimat nahm davon noch kaum jemand Notiz.

1969–1971

02 Die zweite Besetzung

Im Sommer 1969 kamen Ian Gillan als Sänger und Roger Glover am Bass dazu. Diese Besetzung, von Fans später Mark II genannt, gilt bis heute als die klassische. Im September 1969 spielte sie in der Royal Albert Hall das Concerto for Group and Orchestra, eine Komposition von Jon Lord für Rockband und Sinfonieorchester.

Blackmore wollte aber keinen Orchesterrock, sondern Lautstärke. Deep Purple in Rock von 1970 schlug diesen Weg entschlossen ein, mit „Speed King“ und dem langen „Child in Time“. 1971 folgte Fireball. Die Band war nun in Großbritannien und ganz Europa ein großer Name.

1971–1972

03 Machine Head

Cover von Machine Head
Machine Head · 1972

Für das nächste Album wollten Deep Purple im Casino von Montreux aufnehmen, mit dem mobilen Studio der Rolling Stones. Am 4. Dezember 1971, kurz vor Beginn der Aufnahmen, spielten dort Frank Zappa und seine Band. Ein Zuschauer schoss eine Leuchtpistole in die Decke, und das Casino brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Musiker sahen den Rauch über dem Genfersee aufsteigen.

Mit Hilfe von Claude Nobs, dem Gründer des Jazzfestivals, fanden sie Ersatz: Nach einem kurzen Versuch in einem Theater nahmen sie vom 6. bis 21. Dezember im leeren Grand Hotel auf, zwischen Matratzen und Decken in den Fluren, der Aufnahmewagen stand draußen. Aus dem Erlebnis wurde „Smoke on the Water“, mit dem Riff aus vier Tönen, das bis heute fast jeder Gitarrenanfänger als Erstes lernt. Der Text erwähnt Zappa und den „Funky Claude“.

Machine Head erschien am 30. März 1972. Neben „Smoke on the Water“ stehen darauf „Highway Star“ mit seinen Soli von Orgel und Gitarre, das bluesige „Lazy“ und „Space Truckin’“. Das Album kam in Großbritannien auf Platz eins, und als „Smoke on the Water“ 1973 in den USA als Single erschien, wurde es dort ein großer Hit. Im August 1972 nahm die Band in Japan außerdem das Livealbum Made in Japan auf.

1973–1976

04 Wechsel

Nach Who Do We Think We Are verließen Gillan und Glover 1973 die Band. Neu kamen David Coverdale als Sänger und Glenn Hughes am Bass, beide sangen. Mit dem Album Burn von 1974 kamen Einflüsse von Soul und Funk in die Musik.

Im Frühjahr 1975 ging Ritchie Blackmore, um seine eigene Band Rainbow zu gründen. Der Amerikaner Tommy Bolin übernahm die Gitarre, doch nach einem Album löste sich Deep Purple im Sommer 1976 auf. Bolin starb im Dezember desselben Jahres.

1984–2011

05 Rückkehr

Die Musiker gingen eigene Wege: Coverdale gründete Whitesnake, Lord und Paice spielten dort eine Zeit lang mit, Gillan sang 1983 ein Album mit Black Sabbath. 1984 fand die Besetzung von Machine Head wieder zusammen, Perfect Strangers wurde ein Erfolg, und die Tourneen füllten Stadien.

Der Streit zwischen Gillan und Blackmore blieb aber. 1993 stieg Blackmore endgültig aus, 1994 kam der amerikanische Gitarrist Steve Morse. Als Jon Lord 2002 in den Ruhestand ging, übernahm Don Airey die Orgel.

2012–heute

06 Was bleibt

Jon Lord starb am 16. Juli 2012. Vier Jahre später wurde Deep Purple in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Die Band nahm weiter Alben auf, viele davon mit dem Produzenten Bob Ezrin.

2022 übernahm der Nordire Simon McBride die Gitarre von Steve Morse. Mit Ian Paice ist ein Gründungsmitglied bis heute dabei, und auch Ian Gillan und Roger Glover gehören wieder zur Band. Im Juli 2026 erschien das Album Splat!.

Hörtipp

Machine Head ist ein Album für einen lauten Abend unter Freunden: sieben Stücke, keine Minute zu viel, und bei „Smoke on the Water“ singt meistens irgendwer das Riff mit. Zur Album-Story →

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