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Künstlerporträt

DJ Shadow

Ein Plattensammler aus Kalifornien, der aus vergessenen Schallplatten ganze Klangwelten baute – ohne ein einziges selbst gespieltes Instrument.

DJ Shadow heißt eigentlich Josh Davis und ist vor allem eines: ein leidenschaftlicher Sammler von Schallplatten. Aus Schnipseln von Funk, Jazz, Rock, Filmmusik und alten Hip-Hop-Aufnahmen setzte er Mitte der Neunziger Instrumentalstücke zusammen, die wie Filme ohne Bild wirken. Sein Debüt Endtroducing..... zeigte, dass man mit Sampler und Plattenspieler ein ganzes Album mit eigener Stimmung schaffen kann. Damit öffnete er vielen Produzenten die Tür zwischen Hip-Hop, Elektronik und Ambient.

In diesem Porträt

  1. 01Davis, Kalifornien 1972–1992
  2. 02Solesides und Mo’ Wax 1992–1995
  3. 03Endtroducing..... 1994–1996
  4. 04UNKLE und Quannum 1997–2005
  5. 05Neue Wege 2006–2019
  6. 06Was bleibt 2020–heute

1972–1992

01 Davis, Kalifornien

Joshua Paul Davis wurde am 29. Juni 1972 in San José geboren und wuchs in Davis auf, einer Universitätsstadt bei Sacramento. Schon als Jugendlicher begeisterte er sich für Hip-Hop und begann, Schallplatten zu sammeln.

An der University of California in Davis legte er beim Campusradio KDVS auf. Dort lernte er andere junge Musiker kennen, mit denen er seine Leidenschaft für Beats und alte Platten teilte.

1992–1995

02 Solesides und Mo’ Wax

Mit Freunden aus diesem Kreis, darunter die späteren Mitglieder von Blackalicious und Lyrics Born, gründete er das kleine Label Solesides. Seine ersten Maxisingles fielen 1993 in London James Lavelle auf, dem jungen Gründer des Labels Mo’ Wax.

Auf Mo’ Wax erschien „In/Flux“, ein langes Stück aus Samples und Breakbeats, das in England als neue Spielart des Hip-Hop gefeiert wurde.

1994–1996

03 Endtroducing.....

Cover von Endtroducing.....
Endtroducing..... · 1996

An seinem ersten Album arbeitete Davis zwischen 1994 und Anfang 1996, zu Hause und im gemeinsam genutzten Studio Glue Factory in San Francisco, wo Dan the Automator als Toningenieur half. Seine Ausrüstung war bescheiden: ein Akai-Sampler MPC60, ein Plattenspieler von Technics und ein Bandgerät. Die Klänge suchte er stundenlang in den Kisten des Ladens Rare Records in Sacramento zusammen.

Endtroducing..... erschien im September 1996 bei Mo’ Wax. Stücke wie „Building Steam with a Grain of Salt“, „Midnight in a Perfect World“, „Organ Donor“ und „What Does Your Soul Look Like“ bestehen vollständig aus Samples, zusammengesetzt zu langsamen, melancholischen Stücken mit Klavier, Streichern und schweren Beats. Das Guinness-Buch der Rekorde führte es später als erstes Album, das nur aus Samples besteht.

In Großbritannien wurde es ein Erfolg, in den USA ein Geheimtipp mit langem Nachhall. Kritiker zählten es bald zu den wichtigsten Alben der Neunziger, und eine ganze Generation junger Produzenten begann, in Plattenläden nach vergessenen Aufnahmen zu graben.

1997–2005

04 UNKLE und Quannum

Mit James Lavelle nahm er als UNKLE das Album Psyence Fiction auf, das 1998 erschien. Darauf sind Gäste wie Thom Yorke von Radiohead und Richard Ashcroft zu hören; Yorke singt „Rabbit in Your Headlights“.

Aus Solesides wurde das Kollektiv Quannum. 2002 veröffentlichte DJ Shadow sein zweites Album The Private Press, wieder aus seltenen Platten gebaut. Der Titel spielt auf privat gepresste Schallplatten an, wie sie unbekannte Musiker einst in kleiner Auflage herstellen ließen.

2006–2019

05 Neue Wege

Mit The Outsider wandte er sich 2006 dem Hip-Hop aus der Bay Area zu und überraschte damit viele Fans, die vor allem seine Instrumentalstücke liebten. Danach arbeitete er wieder offener, mit eigenen Instrumentalspuren neben den Samples.

Es folgten The Less You Know, the Better (2011), The Mountain Will Fall (2016) und das Doppelalbum Our Pathetic Age (2019), das eine instrumentale und eine Hälfte mit Rappern enthält. Live zeigte er seine Stücke oft mit aufwendigen Bildprojektionen.

2020–heute

06 Was bleibt

2023 erschien Action Adventure, ein fast rein instrumentales Album, das wieder näher an den Anfängen klingt. Davis legt weiterhin auf und gilt als einer der großen Plattensammler der Musikwelt.

Sein Debüt ist bis heute das Lehrstück dafür, wie man aus alten Aufnahmen etwas Neues erzählt. Viele Produzenten, von Hip-Hop bis Elektronik, nennen es als Grund, warum sie selbst angefangen haben.

Hörtipp

Endtroducing..... hört man am besten spät am Abend und ohne Unterbrechung – es ist ein Album, das wie ein Film wirkt und gerade dann aufgeht, wenn niemand mehr redet. Zur Album-Story →

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