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Künstlerporträt

Florence + the Machine

Eine Stimme, die keinen Verstärker braucht, und eine Band, die aus einem Scherz entstand.

Florence Welch singt, als stünde sie auf einem Hügel und müsste über ein ganzes Tal hinweg gehört werden. Mit ihrer Band Florence + the Machine hat sie seit 2009 sechs Studioalben veröffentlicht, fünf davon kamen in Großbritannien auf Platz 1. Ihre Songs erzählen von Liebe, Tod, Wasser und Magie, oft in Bildern, die aus alten Balladen oder Schauerromanen stammen könnten. Dazu kommen Harfe, Trommeln und Chöre – und eine Sängerin, die auf der Bühne kaum stillsteht.

In diesem Porträt

  1. 01London 1986–2007
  2. 02Die Maschine 2007–2008
  3. 03Lungs 2009–2010
  4. 04Abbey Road 2011–2015
  5. 05Spätwerk 2018–2026
  6. 06Was bleibt 2009–heute

1986–2007

01 London

Florence Leontine Mary Welch wurde am 28. August 1986 in Camberwell im Süden Londons geboren. Ihre Mutter ist Kunsthistorikerin, der Vater arbeitete in der Werbung. Nach der Schule studierte sie Illustration am Camberwell College of Arts, brach das Studium aber ab, um Musik zu machen.

Mit etwa zwanzig entdeckte sie die Musik von Kate Bush, über eine Coverversion der Futureheads. Das Original von „Hounds of Love“ sei für sie eine Offenbarung gewesen, sagte sie 2022 in einem Interview: „Es gibt niemanden wie sie.“ Als ihre Heldinnen nennt sie außerdem Patti Smith, Grace Slick und Stevie Nicks.

2007–2008

02 Die Maschine

Welch versuchte sich an Country und Folk und sang kurz in einer Hip-Hop-Gruppe. Den eigenen Weg fand sie mit Isabella Summers, deren Spitzname „Isa Machine“ war. Zu zweit traten sie als „Florence Robot/Isa Machine“ auf. Der Bandname habe als privater Scherz angefangen, der dann außer Kontrolle geriet, sagte Welch später.

Ihre spätere Managerin Mairead Nash hörte Welch der Überlieferung nach auf der Toilette eines Londoner Clubs singen, angeblich einen Song von Etta James. 2008 erschienen beim Indie-Label Moshi Moshi die Singles „Kiss With a Fist“ und „Dog Days Are Over“, noch im selben Jahr unterschrieb Welch bei Island Records.

2009–2010

03 Lungs

Cover von Lungs
Lungs · 2009

Im Februar 2009 gewann die Band bei den BRIT Awards den Critics’ Choice Award. Im Juli folgte das Debüt Lungs, produziert unter anderem von James Ford, Paul Epworth und Steve Mackey. Es stieg auf Platz 2 ein und kam auf die Shortlist des Mercury Prize.

Im Januar 2010 erreichte Lungs Platz 1 in Großbritannien, im Februar gewann es den BRIT Award als bestes britisches Album. Bei der Preisverleihung sang Welch mit Dizzee Rascal eine Mischung aus „You Got the Love“ und einem seiner Songs; als „You Got the Dirtee Love“ kam sie auf Platz 2 der Singlecharts. Nach einem Auftritt bei den MTV Video Music Awards im Herbst wurde die Band auch in den USA bekannt.

2011–2015

04 Abbey Road

Für das zweite Album Ceremonials ging die Band mit Paul Epworth in die Abbey Road Studios. Der Klang wurde noch größer, mit Orgel, Chören und viel Hall. Ceremonials erschien im Oktober 2011, stieg in Großbritannien auf Platz 1 und kam in den USA auf Platz 6. Ein Remix von „Spectrum“ durch Calvin Harris wurde 2012 ihre erste britische Nummer-1-Single.

Nach einer Pause erschien 2015 How Big, How Blue, How Beautiful, produziert von Markus Dravs – in Großbritannien ihr drittes Album auf Platz 1, in den USA das erste. Im Juni sprang die Band beim Glastonbury Festival als Headliner für die Foo Fighters ein, deren Sänger sich das Bein gebrochen hatte.

2018–2026

05 Spätwerk

High as Hope von 2018 war stiller und persönlicher, ein Song ist Patti Smith gewidmet. Das Album kam in Großbritannien und den USA auf Platz 2. Im selben Jahr veröffentlichte Welch den Band Useless Magic mit Texten, Gedichten und Zeichnungen.

Dance Fever entstand während der Pandemie und war von der Tanzwut inspiriert, jenem Phänomen im frühneuzeitlichen Europa, bei dem Menschen tagelang wie besessen tanzten. Das Album erschien im Mai 2022 und kam in Großbritannien auf Platz 1. Während der Tournee musste Welch sich 2023 einer Notoperation unterziehen.

Aus dieser Erfahrung wuchs Everybody Scream, erschienen am 31. Oktober 2025, mit Hexen, Folk-Horror und Schreien als Befreiung. Welch nannte es ihr bisher persönlichstes Album. Es war die fünfte britische Nummer 1 der Band, die Tournee dazu führt 2026 durch Europa und Nordamerika.

2009–heute

06 Was bleibt

Florence + the Machine haben gezeigt, dass Pathos im Pop kein Schimpfwort sein muss. Harfe, Chor und eine Sängerin, die sich in ihre Songs hineinwirft, passen auch in große Hallen. Beyoncé nannte die Band als Einfluss auf ihr Album 4.

2024 sang Welch mit Taylor Swift das Duett „Florida!!!“, im selben Jahr hatte in Cambridge, Massachusetts, das Musical Gatsby: An American Myth Premiere, an dessen Songs sie mitgeschrieben hat. Ihr Debüt Lungs ist bis heute das Album, bei dem die meisten Hörer zum ersten Mal auf sie aufmerksam wurden.

Hörtipp

Lungs am besten laut und am Stück hören, an einem Abend, an dem niemand leise sein muss. Beim Umdrehen der Platte lohnt eine kurze Pause, bevor „Drumming Song“ die dunklere zweite Hälfte eröffnet. Zur Album-Story →

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